„Rüdiger muss leben!“

Ich weiß nicht, ob es an den 30 Grad und der Sonne liegt, oder ob die Kreativität meiner Kinder einfach mal wieder mit ihnen durchgegangen ist. Heute kam mein Sohn zu mir und verkündete stolz: „Mama, wir haben eine neue Lebensaufgabe: Rüdiger muss leben!“ Gab es ein neues Kind im Kindergarten dessen Name ich vergessen habe? Ist Rüdiger ein Kuscheltier, von dem ich nichts weiß? Wer oder was ist Rüdiger und warum muss er leben? Ist er krank? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort bekam, denn die Mission Rüdigers Leben zu retten war im vollen Gang.

Wer sich fragt, wer oder was Rüdiger ist – hier kommt die Auflösung: Es gibt Rüdiger und es gibt viele kleine Rüdiger! Rüdiger kann tausende Eier abwerfen, aus denen dann kleine Rüdiger schlüpfen. Die Antwort ist also glasklar: Rüdiger ist eine Pflanze. Ich habe meine Kinder gebeten, dass Wasser aus unserem Pool aka Planschbecken zu schöpfen und die Blumen zu gießen. Aus dieser banalen Aufgabe wurde ein Kampf um Rüdigers leben. Wir haben Himbeeren, Blaubeeren, Johannbisbeeren, aber die echte Größe in unserem Garten scheint Rüdiger zu sein. Ein undefinierbarer Busch. Wir von der Tarantel gestochen rannten sie mit ihren wassergefüllten Eimern und gossen Rüdiger, um sein Leben zu retten.

Doch auch die kleinen Rüdigers / Rüdigere / also die Mehrzahl von Rüdiger musste gerettet werden. So goss man einfach jede Menge Wasser auf sämtliches Unkraut, also Rüdiger, und die, die nach der Flut noch den Kopf oben halten konnten, waren gerettet. Ganz naheliegend eigentlich 😉

Lang lebe Rüdiger!

Dass meine Kinder im Zoo und Wildpark alle Tiere mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßen oder mit dem entsprechenden Tiergeräusch – daran habe ich mich gewöhnt, aber dass sie jetzt auch mit Pflanzen sprechen. Zum Glück steht Rüdiger neben dem Klettergerüst. Daher kann man wunderbar Rüdiger beim Wachsen zusehen und ihm Durchhalteparolen wie „Du schaffst das, Rüdiger!“ zurufen. Auch seine Blätter werden gestreichelt und die herabfallenden vergraben. Das ergibt dann neue Rüdiger. 

Manchmal wüsste ich zu gerne, was in den Köpfen meiner Kinder vorgeht. Oder in denen meines Nachbars, der entspannt ein Sonnenbad nahm, bevor er Zeuge vom Kampf um Rüdigers leben wurde….

Diese Zeit im Jahr….

Ich glaube, als wir letztes Jahr umgezogen sind, war ein Gedanke von meinem Mann: endlich wieder freie Sicht durch alle Fenster. Ich gebe zu, dass ich nicht der größte Fensterputzer-Enthusiast bin, aber daran lag es nicht. Jedes Jahr im Frühjahr erwacht mein großer Feind, aber im Laufe der Zeit, habe ich gelernt, erfolgreich dagegen anzukämpfen.

Es sind keine Sonnenstrahlen, die die Dreckschicht auf der Fensterscheibe preisgeben, nein, mein Feind fliegt, ist klein, nervig und sticht: Mücken! Ich hasse Mücken! Alleine die Vorstellung von dem Sirren reicht schon, um mich nachts wach zu halten. Daher habe ich sämtliche Fenster verbarrikadiert und zwar mit Mückengittern. Alles nicht so schlimm, aber wie macht man das bei Dachfenstern? 

Im Kinderzimmer meiner kleinen Tochter war im alten Haus ein Dachfenster und es musste geschützt werden. Warum auf eine einfach Lösung setzen, wenn es auch kompliziert geht. Ein normales Gitter ging nicht, daher habe ich ein ganz tolles Mückennetz mit Reisverschluss gekauft. Es wurde quasi um die Dachfensterverkleidung angebracht und dank des Reisverschlusses konnte man die Hand durchstrecken, um das Fenster zu öffnen. Ein Traum für mich – optisch eher gewöhnungsbedürftig. Ein Kleinkind konnte definitiv damit leben.

Doch im neuen Haus gibt es zwei Dachfenster und zwar im Master Bedroom. Im Prinzip ist mein Mann selbst schuld, als er die neuen Dachfenster geordert hat – ohne integrierten Mückenschutz. Also war es wieder Zeit, um kreativ zu werden. Die erste Idee war noch etwas romantisch. Welches Mädchen träumt nicht von einem Himmelbett. Also bestellte ich ein großes Netz, dass wir über dem Bett aufhängten und unseren Schlafplatz zum Himmelbett mit integrierten Schutz gegen die kleinen, nervigen Biester machte. In der Theorie überzeugte diese Variante und es sah auch nur so semi-beschissen aus. Vielleicht war unsere Decke zu hoch, der Schutz nicht lang genug, aber so 100% ig haute es nicht hin. Und es war leider nicht von langer Dauer. In der ersten Nacht streckte mein Mann sein Bein beim Schlafen intuitiv aus dem Bett und bei der nächsten Drehung folgte ihm das Netz samt Harken. Wir fühlten uns mehr wie zwei Fische im Netz und damit fiel Variante eins durch und meine Mann war nicht nur aufgrund der nächtlichen Unruhe leicht genervt von mir.

Gegen mich haben Mücken keine Chance!

Die Lösung mit dem Reisverschluss war auch keine echte Alternative und nervte am Ende selbst mich, daher war es auch kein adäquater Weg. Mückenschutz nachzurüsten, kostet einiges, was ich mir in Zeiten von Corona lieber ersparen wollte. Also war Kreativität gefragt und die fabulöse Erfindung, dass Mückennetz wie eine Art Spannbettlaken an vier Harken um das Fenster herumzuspannen. So kann man es an einem Harken lösen und das Fenster ganz normal öffnen und schließen. Tolle Sache, gleich gekauft, installiert und was soll ich sagen??? Vielleicht habe ich mich etwas vermessen und aber so wirklich unter Spannung war das Netz nicht. Ich hätte mich vielleicht nicht ganz so auf mein Augenmaß verlassen sollen. Auf jeden Fall ziert jetzt zumindest eins der beiden Fenster ein etwas durchhängendes weißes, teil transparentes Mücken-Schutz-Bettlaken, welches dem Raum jetzt nicht wirklich ein stylisches Ambiente verleiht. Immerhin kommt so kein kleiner Quälgeist – also Mücken – mehr rein. Mein Mann war nicht begeistert, doch nachdem ich versprach, dass ich die andere, bereits erstandene Variante nicht aufhänge, war er etwas milder gestimmt.

Und wer sich jetzt denkt: Was stellt sich die Alte denn so an? Zur meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich als Kind allergisch auf Insektenstiche reagiert habe, was kein Spaß war. Und wer wie ich mit seiner besten Freundin mal zum Outlet-Shopping nach Holland gefahren ist und den vorher eine Mücke ins Augenlied gestochen hat, der weiß mein Leid zu teilen. Ich sah nicht nur aus wie Axel Schulz zu seinen besten Zeiten,  und das obwohl ich mich doch kampflos der Mücke ergeben hatte, sondern mein Augenlied erinnerte von Minute zu Minute immer mehr an eine frisch aufgespritzte Oberlippe. Ein Volumen und dass vollkommen natürlich und ohne Botox. Nicht, dass jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt….