„Wann essen wir mal wieder den weißen Freund vom Brokkoli?“

Kinder und Essen sind ein Thema für sich. Ich weiß, dass viele Eltern damit kämpfen, dass der Nachwuchs überhaupt etwas isst und dann bitte nicht nur Süßigkeiten. Jeder hat da so seine Marotten und auch meine Kinder sind kulinarisch echte Experten. 

Feinschmecker unter sich

Wenn man ihnen die Wahl lassen würde, würden sie jeden Tag wohl nach Pommes und Checken Nagels – auch bekannt als Nuggets – schreien. Doch natürlich gibt man sich sehr viel Mühe, um ihnen auch andere Köstlichkeiten schmackhaft zu machen. Am besten bindet man sie dazu ein – wie ich aus schlauen Büchern gelernt habe. Gesagt, getan – es wurde gemeinsam Pizza gemacht. Alles lief wunderbar, sie waren so motiviert und belegten sich ihre Pizza-Rohlinge nach Lust und Laune. Meine Hoffnung stieg, dass diesmal keine Reklamation kommen würde. Doch weit gefehlt. Die Pizza kam auf den Tisch und nach einem kritischen Blick wurde enttäuscht festgestellt: „Iiiihhh, der Käse ist flüssig – das mag ich nicht!“ Ein voller Erfolg. Und was liegt nahe an Pizza, ist aber ohne Käse? Richtig die Feuerschnitte! Wer jetzt keine Feuerschnitte kennt, ist kein echter Gourmet. Es gibt sie beispielsweise nach Elsässer Art und in vielen anderen Variationen. Manch einer kennt es vielleicht auch als Flammkuchen, aber bei meinen Kindern ist nur Feuerschnitte hängengeblieben, was bei der Bestellung bei manchem Kellner zur Verwunderung führen kann…

Ein großer Vorteil, was bei meinen Kindern auch immer geht: Rohkost und Gemüse und das in möglichst purer Form. Seit neustem ist der weiße Freund vom Brokkoli ganz hoch im Kurs: Blumenkohl. Im Sommer zur Beerenzeit auch diese, doch das war nicht immer so einfach. Meine kleine Tochter hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sie Kompott essen wollte. Ich dachte natürlich an Erdbeer-Kompott und bereitete diesen zu. Fand ich persönlich naheliegend, aber der im Kindergarten war wohl anders. „Der ist weiß und mit Tomate,“ protestierte sie. Ich gab auf.

Seit ein paar Wochen gehen beide nicht mehr gemeinsam in den Kindergarten, da mein großer jetzt ein Schulkind ist. Essen ist nach dem Tag ein großes Thema für beide – nahezu ein Wettkampf. Sie haben noch nicht gemerkt, dass sie beide den selben Caterer haben, was zu großartigen Diskussionen führt. „Bei uns gab es heute Wurscht mit Soße,“ sagt meine Tochter begeistert, doch mein Sohn kann kontern: „Bei uns gab es Currywurscht!“ Die Kleine macht große Augen: „Aber bei uns gab es dazu Kartoffeln!“ Mein Großer freut sich: „Bei uns auch.“ Beide erinnern mich etwas an Beavis and Butthead aus den 90ern. Am nächsten Tag rannte meine Tochter zur Nachmittagsbetreuung: „Bei uns gab es heute Pfannkuchen!“ „Cool – bei uns auch!“ Gleich hatten Beavis und Butthead 2.0 große Freude und brachen sich einen ab. „Welch ein Zufall!“, dachte ich bloß.

Doch die kulinarischen Köstlichkeiten im Kindergarten kommen nicht immer so gut an. Mein persönliches Highlight war, als mir mein Sohn von den Spätzlen mit Käseschleim und schwarzem Speck erzählte. Das schien richtig lecker gewesen zu sein. Dafür war aber die Erbsensauce – nicht Suppe – richtig gut, denn die war ganz lecker und ohne Schleim! 

„Ich wünsche mir eine Dobbe!“

Jetzt ist es fast ein knappes dreiviertel Jahr her, dass wir uns von unserem Hund nach über 16 gemeinsamen Jahren verabschieden mussten. Damit er sich nicht länger quälte, mussten wir ihn schweren Herzens gehen lassen. Doch auch nach dieser Zeit herrscht nicht wirklich Ruhe bei uns daheim in Bezug auf einen Hund.

Jeder war sich eigentlich relativ sicher, dass ich die Erste bin, die sich nach einem Ersatz und einem neuen Familienmitglied umschauen würde. Ich gebe zu, dass ich schon die Seiten der Tierheime beobachte, aber so wirklich zum letzten Schritt entschließen, konnte ich mich noch nicht. Zu groß ist einfach noch die Lücke, die da ist, und auch der Abschiedsschmerz ist bei mir nach den Monaten doch noch präsenter als ich gedacht habe. 

Doch es geht ja nicht nur um mich, sondern um die ganze Familie. Meine kleine Tochter weiß ganz genau, was für ein neues Haustier sie will: „Ich will einen Hund wie Evil nur in pink und in ganz klein. Dann kann ich ihn mit der Flasche füttern. Oder einen Hasen. In ganz klein, der auch mit der Flasche gefüttert wird und für immer klein bleibt.“ Nun ja, dass könnte schwierig werden du solange sie sich mit ihrer Babypuppe zufrieden gibt…

Bei meinem Sohn wird es etwas komplizierter: „Weiß du Mama, was mein Lieblingshund ist?“ Ich dachte an den Dackel meiner Schwester, an einen Mischling wie Evil, aber sein Lieblingshund hätte ich so nicht erraten. „Weiß ich nicht. Verrätst du es mir?“ „Eine Dobbe!“ Ich musste lachen: „Eine Dobbe? Die Hunderasse kenne ich gar nicht.“ Ich stellte mit eine Dogge gepaart mit einer Robbe vor. Spitzenkombination. „Diese ganz großen Hunde. So wie Opa die hat.“ „Das sind Deutsch Drahthaar.“ „Meinetwegen auch die.“

Die Lage war verzwickt weder pink noch Dobbe oder ein anderer Ersatz konnte uns richtig glücklich machen. Also habe ich den Entschluss gefasst, dass wir, und insbesondere ich, noch nicht bereit sind, diese Lücke zu schließen. Ach Evil, wenn ich damals gewusst hätte, wie sehr du mir fehlst, hätte ich unsere gemeinsame Zeit noch mehr wertgeschätzt als ohnehin schon. Du fehlst! 

Ich vermisse dich, Evil!

Habe ich es mit meiner Markenliebe übertrieben?

Das Schöne an Kindern ist, dass sie einem so oft – wenn auch ungewollt – den Spiegel vorhalten. Wenn meine Tochter mit ihren Puppen schimpft und der Satz fällt „Ich flippe gleich aus!“ – dann bekomme ich ein ganz leicht schlechtes Gewissen und erkenne mich nur ein ganz bisschen darin wieder. Doch neulich traf mich mein Spiegelbild doch sehr unverhofft.

Mein Sohn hatte einen Mückenstich und ich meinte nur, dass ich ihm gleich etwas Creme gegen das Jucken geben würde. Er schrie nur: „NEIN – ich will nicht, dass du mir Michael Kors drauf schmierst!“ Ich guckte ihn nur verdutzt an: „Was?“ „Kein Michael Kors – das brennt immer so.“ Ich versuchte ihn aufzuklären: „Nein, Michael Kors macht Taschen und auch Kleidung, aber keine Creme, die gegen Mückenstiche hilft.“ „Ist mir egal,“ protestierte er: „Ich will keinen Michael Kors.“ Richtig, dachte ich noch, denn den will Mama ja.

Ja, ich gestehe, MK macht mich glücklich!

Hatte ich es vielleicht mit der ständigen Wiederholung, was man Mama zum Muttertag, Geburtstag, Weihnachten und Co schenken sollte, übertrieben? War Michael Kors so präsent in seinem Kopf oder glaubte er wirklich, dass die Creme so hieß. Normalerweise kam er immer ganz stolz angelaufen und sagte nur: „Mama zum Geburtstag schenke ich dir Michael Horst!“ Fast dachte ich dann immer und korrigierte ihn brav: „Michael Kors nicht Horst! Und brav Papa sagen!“

Ja, ich gestehe! Ich mag Michael Kors und könnte mir monatlich eine neue Tasche kaufen. Jeder hat sein Laster, aber das jetzt die Mückenstich-Creme so hieß, missfiel mir schon. Dass unser Busch Rüdiger getauft wurde, das unbekannte Pferd auf der Weide nebenan Goofy hieß – damit konnte ich leben, aber nicht mit Michael Mücke Kors. Hinterher kommen sie noch auf dumme Gedanken und wenn ich sage, dass ich mir einen kleinen Kors wünsche, habe ich einen Autan-Vorrat für die nächsten zehn Jahre…Ab jetzt wieder Zurück-Konditioniert. Mücke bleibt Mücke und Kors bleibt Kors 😉 #Werbung, da Markennennung

Und jetzt alle…

Wenn deine Kinder selbst im Urlaub um 5:30 Uhr aufstehen, dann bist du sehr froh, wenn es endlich 19 Uhr wird und man so langsam anfangen kann, sie fertig zu machen und ins Bett zu bringen.

Doch jeden Abend um exakt 19 Uhr schallten laute Techno-Beats durch das Hotel und die Kinder-Disco war eröffnet. Das Wummern der Bässe trug nicht gerade dazu bei, dass sich meine Kinder in den Schlaf wiegen ließen. Wir sahen nur wie im Nachbargebäude viele aufgeregte kleine Kinder ihre Arme zum Himmel reckten und munter auf und ab sprangen.

Meine Kinder interessierte das nicht – sie waren müde. Und während sie bald fröhlich schliefen, hatte sich der Bass in mein Gehör gefressen. Ums, ums, ums….selbst das Tropfen des Regens schien sich dem Bass angepasst zu haben. Und so feierte ich innerlich jeden Abend ab 19 Uhr eine Party. Es klang auch gefühlt jeden Abend gleich. Normalerweise war dann um 20 Uhr die Kinderdisco beendet und das Programm für die Erwachsenen begann. Doch während Jazz-Musik angekündigt war, klang es für mich immer noch eher wie ein Hit der Vengaboys. Oho oho…

Und so sehr mir der Regen den Urlaub an der Ostsee und einen entspannten Strandurlaub verhagelte, so hatte er auch was Gutes. Normalerweise fand die Kinderdisco nämlich rund um den Pool und somit direkt vor unserem Balkon statt. Leider musste sie aufgrund des Wetters nach drinnen wechseln. Was ich zutiefst bedauerte, nachdem ich fast eines Todes gestorben bin, nachdem ich nichtsahnend eine Gruppe von Menschen passierte, als die Animateurin mal kurz zum Megafon griff. Des einen Leid ist des anderen Freud. Und nach zwei Tagen Dauerregen und Sturm bin ich auch bereit, den Pool morgen Abend mit meinen Discofreunden zu teilen, wenn sich dafür mal kurz die Sonne blicken ließe! 

Dress for success

Ich gehöre zwar zu den Menschen, die morgens die Augen aufschlagen und wach sind. Das heißt aber nicht, dass ich direkt am Morgen Drama und Diskussionen brauche. Doch meine Kinder haben einen starken Willen und gerade meine Tochter weiß, was sie will und setzt sich willensstark dafür ein. Das beginnt jeden Morgen mit der Kleidungsdiskussion. Meist übernimmt das mein Mann, doch als an diesem Morgen wieder hitzig diskutiert wurde, eilte ich zur Hilfe.

„Was ist denn los?“ „Ich will das blaue Kleid mit den roten Rosen anziehen,“ heulte meine Tochter. Ich dachte kurz nach und konnte mich an kein entsprechendes Kleid erinnern. „Meinst du das grüne mit den bunten Blumen?“ „Nein!“ Ich durchsuchte weiter fleißig den Kleiderschrank. „Hier das rosane mit den roten Blumen?“ Sie guckte mich böse an: „NEIN!“ Ich verzweifelte langsam: „Du hast kein blaues Kleid mit Blumen!“ „Habe ich doch!“ „Wo soll das denn sein? Im Schrank ist es nicht.“ Mein Mann schritt ein, da mein Frustrationslevel nach oben schnellte. „Vielleicht ist es in der Wäsche?“ Er rannte los und durchsuchte alles. Wie soll man denn ein Kleid finden, welches es gar nicht gab?

Er kam triumphierend wieder: „Ich habe es gefunden. Es hängt noch auf der Wäscheleine.“ Meine dreijährige Tochter guckte mich sehr vorwurfsvoll an: „Ich hab doch gesagt, dass ich ein blaues Kleid mit roten Blumen habe.“ Als ich es sah, fiel es mir wieder ein: „Ist ja gut. Das hatte ich vergessen,“ gestand ich ehrlich. Doch der Frieden hielt nicht lange. „Wir haben nur ein Problem,“ fügte mein Mann ein: „Es ist nass!“ „Das macht nichts,“ sagte meine Tochter schnell: „Ich ziehe es an und es kann an mir trocknen. Ich bin warm, aber ich habe kein Fieber.“ Der Blick ging wieder in meine Richtung. Ich war vielleicht immer etwas schnell mit dem Fieberthermometer…. Ich guckte meinen Mann an und wir beiden wussten, dass wir vor einer endlosen Diskussion standen würden, wenn das Kleid wieder zurück auf die Wäscheleine wandern würde.

Das Ende vom Lied: Mein Mann föhnte das Kleid und meine Tochter stand freudestrahlend daneben. Da hallte es auch schon aus dem anderen Kinderzimmer: „Wo ist meine gestreifte Unterhose? Ohne meine gestreifte Unterhose gehe ich nirgendwo hin!“ Ich hatte nichts gehört, verschwand in die Küche und brauchte erstmal einen Kaffee. 

„Rüdiger muss leben!“

Ich weiß nicht, ob es an den 30 Grad und der Sonne liegt, oder ob die Kreativität meiner Kinder einfach mal wieder mit ihnen durchgegangen ist. Heute kam mein Sohn zu mir und verkündete stolz: „Mama, wir haben eine neue Lebensaufgabe: Rüdiger muss leben!“ Gab es ein neues Kind im Kindergarten dessen Name ich vergessen habe? Ist Rüdiger ein Kuscheltier, von dem ich nichts weiß? Wer oder was ist Rüdiger und warum muss er leben? Ist er krank? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort bekam, denn die Mission Rüdigers Leben zu retten war im vollen Gang.

Wer sich fragt, wer oder was Rüdiger ist – hier kommt die Auflösung: Es gibt Rüdiger und es gibt viele kleine Rüdiger! Rüdiger kann tausende Eier abwerfen, aus denen dann kleine Rüdiger schlüpfen. Die Antwort ist also glasklar: Rüdiger ist eine Pflanze. Ich habe meine Kinder gebeten, dass Wasser aus unserem Pool aka Planschbecken zu schöpfen und die Blumen zu gießen. Aus dieser banalen Aufgabe wurde ein Kampf um Rüdigers leben. Wir haben Himbeeren, Blaubeeren, Johannbisbeeren, aber die echte Größe in unserem Garten scheint Rüdiger zu sein. Ein undefinierbarer Busch. Wir von der Tarantel gestochen rannten sie mit ihren wassergefüllten Eimern und gossen Rüdiger, um sein Leben zu retten.

Doch auch die kleinen Rüdigers / Rüdigere / also die Mehrzahl von Rüdiger musste gerettet werden. So goss man einfach jede Menge Wasser auf sämtliches Unkraut, also Rüdiger, und die, die nach der Flut noch den Kopf oben halten konnten, waren gerettet. Ganz naheliegend eigentlich 😉

Lang lebe Rüdiger!

Dass meine Kinder im Zoo und Wildpark alle Tiere mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßen oder mit dem entsprechenden Tiergeräusch – daran habe ich mich gewöhnt, aber dass sie jetzt auch mit Pflanzen sprechen. Zum Glück steht Rüdiger neben dem Klettergerüst. Daher kann man wunderbar Rüdiger beim Wachsen zusehen und ihm Durchhalteparolen wie „Du schaffst das, Rüdiger!“ zurufen. Auch seine Blätter werden gestreichelt und die herabfallenden vergraben. Das ergibt dann neue Rüdiger. 

Manchmal wüsste ich zu gerne, was in den Köpfen meiner Kinder vorgeht. Oder in denen meines Nachbars, der entspannt ein Sonnenbad nahm, bevor er Zeuge vom Kampf um Rüdigers leben wurde….

Sind wir nicht alle ein bisschen Corona?

So langsam hat sich Corona und die damit verbundenen Einschränkungen in mein Leben und in den Alltag geschlichen und sind dort fest verankert. Seit neustem schaue ich auch bei Filmen oder Serien genauer hin. Es kommt ganz automatisch, aber man sieht Menschen bei einem Meeting oder unterwegs und schon ploppt es in meinem Kopf auf: „Und was ist mit dem Mindestabstand?“ Auch bei manchen Serie, die aktuell unter Corona-Bedingungen gedreht und fortgeführt werden, sieht man an den Szenen, dass die Bestimmungen eingehalten werden, und bei manch Schauspieler war auch noch der Frisörbesuch anfangs nicht drin.

1,5 Meter lautet die Wunderwaffe 😉

Doch nicht nur beim Fernsehen denke ich an Corona. Letztlich musste meine Tochter tagsüber öfters niesen und als sie abends auch noch etwas verschnupft war, herrschte sofort Ausnahmezustand. Das Kind kann nicht in den Kindergarten, ihr Bruder bleibt auch zu Hause und mit Thermometer bewaffnet versuchte ich, die Situation in den Griff zu kriegen. Es war Fehlalarm und beide Kinder topfit, aber im Hinblick auf den Herbst und die kommende Erkältungszeit vielleicht eine gute Übung. Meinen Kindern fließt – auch schon vor Corona – meist von Oktober bis März die Nase. Wie soll das in diesem Jahr dann nur werden? Kinder wurden schon aus dem Kindergarten nach Hause geschickt, weil sie sich verschluckt hatten. Das wird mal wieder ein (Alp-)Traum.

Was mich allerdings am meisten an diesem Tag als die Kinder krank waren, faszinierte und gleichzeitig schockierte, war, dass wir sofort gefühlt wieder im Lockdown saßen. Der Tagesablauf war ohne etwas sagen zu müssen, identisch zu den zehn Wochen Home Office mit Kindern. Erst ließen sie mich arbeiten, dann stand Vorschule auf dem Programm, eine Runde Bewegung an der frischen Luft, Mittagessen, Ruhepause, freies Spielen und erneut Bewegung. Für mich fühlte es sich so an, als hätte es nie normalisierte Wochen dazwischen gegeben. Es war sofort wieder da! Und auch, dass die Kinder direkt mit in den Corona-Quarantäne-Trott fielen, macht mich etwas stutzig.

War das unser neues normal und die Entspannungsphasen mit geregeltem Kindergarten und Co nur eine Ausnahme? Sind wir jetzt alle in bisschen Corona? Ich weiß es nicht und ich weiß nicht, was kommt. Doch eins ist sicher: ich bin sofort startklar. Wenn ich eins gemerkt habe, dass ich den Lockdown wohl noch mehr in mir trage als mir lieb ist. Aber wer weiß, wofür es gut ist. Bei der Kindergarteneingewöhnung im September dürfen Stand jetzt die Eltern nicht mit ins Gebäude. Ja, wie auch immer das laufen soll. Aber da mein Sohn wahrscheinlich eh nur jeden zweiten Tag in die Schule gehen kann, ist es im Prinzip auch schon egal…

Meine Euphorie zwingt mich in die Knie

Wenn ich eins beherrsche, dann die gesamte Klaviatur der Emotionen rauf und runterzuspielen. Und das sowohl negativ, als auch positiv. Ich kann sehr betrübt sein und finde nur schwer einen Ausweg aus den negativen Gedanken, aber genauso kann ich auch sehr für ein Thema brennen, was mich fasziniert und euphorisiert.

Ich kann dann nur schwer auf die Bremse drücken, wenn mich ein Thema wirklich packt. Es fängt ganz normal mit reinem Interesse an, endet dann in ausgiebiger Recherche, denn wenn mich etwas interessiert, dann will ich alles dazu wissen. Doch am Ende liebe ich es auch noch ein Statement zu setzen, um meiner Anerkennung oder Bewunderung Ausdruck zu verleihen. 

Letztes Jahr haben wir beispielsweise im TV eine Dokumentation über Löwen gesehen. Ich bin eigentlich kein Katzenfreund, aber an diesem Abend haben sie mich gekriegt. Diese Stärke, diese Eleganz und diese Einsatzbereitschaft, wie die Löwinnen für Ihre Kinder kämpfen. Ich konnte nicht anders – ich war fasziniert! Ende vom Lied: Patenschaft für eine Löwin übernommen, WWF Patenschaft für Löwen in Afrika abgeschlossen, sämtliche Löwen in Zoos der Umgebung gesucht, Bücher zum Thema gekauft und gelesen und natürlich alle verfügbaren Dokumentationen zum Thema Löwen und Raubkatzen gesehen. Ach ja, ich habe auch noch meine Bilderwand im Arbeitszimmer mit Löwen-Fotografien ausgestattet und mein Mann hat mir – weil er meine Spleens gut kennt – noch eine tolle Löwen-Tasse geschenkt, die ich sehr liebe und die mir täglich meinen Kaffee versüßt.

Doch so ist das nicht nur Löwen, sondern mit vielen Bereichen in meinem Leben. Manchmal ist es so, dass wenn ich einen Termin habe, ich eine Vision habe, wie es ablaufen sollte, bzw. wie ich mich in dieser Situation sehe. Ergo muss auch das entsprechende Outfit her, die in meinen Augen meiner Persönlichkeit am besten Ausdruck verleiht. Da finde ich meistens noch was im Schrank, aber dann geht es an die Details. Die Tasche muss zu den Schuhen passen, die Größe der Tasche spielt eine Rolle, der passende Schmuck und glücklicherweise ist derzeit Sommer, denn die passende Jackie ist auch ein großes Thema. 

Letztes Wochenende hat mein Mann den Fehler gemacht und wir haben angefangen, manche Räume im Haus, die noch nicht 100%ig stimmen, zu optimieren. Lass mich nichts optimieren, denn das endet in einem Fass ohne Boden. Von der Anordnung der Möbel, über die Farbgestaltung bis zu Dekoration – ich habe das meiste schon vor meinem inneren Auge fest verankert. So kauften wir an dem Wochenende gleich noch Regale und einen Sekretär via ebay Kleinanzeigen. Dort paart sich dann meine Euphorie mit meiner Ungeduld. Wenn ich schon loslege, dann will ich auch schnell Ergebnisse sehen. Ich bin nicht zu gut zu haben, wenn Dinge langsam im Prozess entstehen. Ich will schnell Ergebnisse sehen.

Natürlich geht nicht alles über Nacht  das habe ich mittlerweile gelernt – und manches sollte man lieber nochmal überdenken und hinterfragen. Das habe ich gelernt, nachdem ich spontan ein Trampolin mit vier Meter Durchmesser gekauft habe, ohne mir Gedanken über die wahre Größe und den Platz im Garten zu machen. Keine gute Idee…Seitdem lasse ich meinen Emotionen freien Lauf, plane, suche und lege alle Artikel brav auf Merklisten und nicht mehr in den Warenkorb. So kann ich manches noch überdenken, doch ich gebe zu, dass ich nur sehr schwer zu stoppen bin, wenn ich für etwas brenne. Mein Verstand neigt sich eher dem Ende, wenn meine Leidenschaft entfacht….

Tatütata – der Nervenzusammenbruch ist da

Löschen, bergen, retten, schützen – ich kenne mich aus mit der Feuerwehr. Gezwungenermaßen eher unfreiwillig, denn mein Sohn ist seit seinem zweiten Lebensjahr der beste Freund von Feuerwehrmann Sam. Es gibt nichts, was bei uns nicht schon gelöscht wurde. Unsere alte Wohnung war in der Nähe der Feuerwehrstation – also war es ein Muss dort mehrmals in der Woche lang zu spazieren. Wahrscheinlich dachten die Feuerwehrleute, dass ich eine alleinerziehende Mutter mit Kind und Hund auf Männersuche war – so oft, wie ich dort vorbeikam.

Für meinen Sohn war es wie ein Sechser im Lotto, wenn dann auch noch die Durchsage kam und die Löschzüge los mussten. Pure Freude stand in sein Gesicht geschrieben. Allerdings auch, wenn man an Unfällen vorbeifährt. Es ist etwas makaber, aber bei Blaulicht und möglichst viel Einsatz, war er sofort Feuer und Flamme. Einmal sind wir an einem wirklich schweren Unfall an der Gegenfahrbahn auf der Autobahn vorbeigefahren. Es war schon abends, daher wirkten die vielen blauen Lichter, die Wagen und alles noch viel imposanter. Das Fazit meines Sohnes lautet nur: „Au ja – können wir nochmal vorbeifahren?“ Er verstand ja nicht, was da wirklich passiert ist und dass es schrecklich war.

Wenn wir normal im Straßenverkehr unterwegs waren und das Martinshorn hinter uns ertönte, war er aber auch schon zufrieden. Auch ein Feuerwehrauto aus dem Auto vorbeifahren zu sehen, bereitete ihm großen Spaß. Ich war schon froh, dass wir in einer Großstadt wohnten und es dort viele Einsätze am Tag gab und man viel Blaulicht sah und Sirenen hörte. Selbst wenn ich alleine im Auto unterwegs bin, ertappe ich mich auch noch Jahre später, dass ich mich selbst schon freue, wenn ein Feuerwehrauto an mir vorbeifährt. Früher habe ich jedes mal noch laut gesagt: „Guck mal die Feuerwehr!“ Das habe ich mir mittlerweile abgewöhnt.

Nachdem wir unser jetziges Haus angeschaut haben und wir danach ein Feuerwehrauto sahen, wusste ich, dass es ein gutes Zeichen war. Quasi das Glückssymbol der Familie. Allerdings müssen sie nicht zwingend direkt einen Einsatz bei uns vor Ort haben. Noch reicht es, wenn Feuerwehrmann Sam jetzt im Duett mit seiner kleineren Schwester, in diesem Fall die neue Penny Morris, das bei uns zu Hause übernimmt.

Werde ich eine Mutti Mutti?

Die letzten Tage musste ich mit leichter Panik feststellen, dass sich während Corona nicht nur die Gesamtsituation geändert hat, sondern auch mein Körper. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich Corona ist oder doch eher mein Alter?

Ich gehe zwar auf die 40 zu, aber das macht mir zum einen nichts aus und zum anderen fühle ich mich natürlich viel jünger und spritziger. Doch die letzten Tage und Wochen musste ich leider feststellen, dass mein Körper sich irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt. Ich wiege jetzt auch nicht mehr als vor Corona, aber mein Bindegewebe wirkt sehr viel schlaffer und mitgenommener als vorher und auch rund um den Unterbauch habe ich da eine Art Schürze, die vorher nicht da war. Die war noch nicht mal nach der zweiten Schwangerschaft da, aber gerade fühlt sich die Bauchdecke an, als hätte ich Drillinge bekommen und alles müsste sich zurückbilden.

Was nun? Mommy Makeover, Aufgabe oder Angriff? Es geht mir nicht darum furchtbar schlank zu sein, ich brauche keinen Sixpack und muss mich auch nicht bauchfrei zeigen, aber ich will mich wohlfühlen. Und dieses Stück Haut, was sich immer über den Bund schiebt, und sich unangenehm andeutet, gefällt mir einfach nicht. Ich weiß, dass es Hilfsmittel gibt, um dies zu kaschieren. Wer sein Brautkleid in der falschen Größe geliefert bekommen hat – statt einer 38 mal eben eine schlanke 36 – der weiß, welche Hilfsmittel es alles gibt. Somit bin ich mit Shapewear nicht nur vertraut, sondern auch bestens ausgestattet. Doch ist das die Lösung?

Ich weiß es nicht und ich weiß es auch einfach nicht, weil ich mir nicht sicher bin, ob es überhaupt eine Lösung gibt. Vielleicht gibt mein Bindegewebe auf und ergibt sich der Schwerkraft. Keine schöne Vorstellung – im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich also da saß und überlegte, was ich machen kann, fiel mir ein Shoppingtrip mit einem guten Freund ein. Ich wunderte mich immer, warum er Hemden trug und keine T-Shirts. Ich liebe T-Shirts. Er meinte nur zu mir: Die zeichnen mehr ab und Hemden kaschieren. War ich an diesem Punkt? Ist es das Ende meiner Liebe zwischen den T-Shirts und mir? 

Quo vadis – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft?

Werde ich jetzt eine echte Mutti Mutti, die ihre Jeans gegen Stoffhosen tauscht und ihre Shirts gegen Hemden? Noch bin ich hart geblieben und habe mir ein paar Poloshirts aus festerem Stoff auf die Merkliste gesetzt. Die Überwindung auf „kaufen“ zu klicken war zu groß. Noch lebt die Hoffnung in mir, dass es nur eine Phase ist. Daher werden die Sporteinheiten erhöht, der Fokus Bauch mehr trainiert und ich habe mich sogar zum Micro-Needling überwunden, um mein Gewebe zu reanimieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt und erst, wenn ihr mich mit Polohemd und Co seht, wisst ihr, dass ein neues Zeitalter angefangen hat. Die Mutti Mutti 😦