Meine Euphorie zwingt mich in die Knie

Wenn ich eins beherrsche, dann die gesamte Klaviatur der Emotionen rauf und runterzuspielen. Und das sowohl negativ, als auch positiv. Ich kann sehr betrübt sein und finde nur schwer einen Ausweg aus den negativen Gedanken, aber genauso kann ich auch sehr für ein Thema brennen, was mich fasziniert und euphorisiert.

Ich kann dann nur schwer auf die Bremse drücken, wenn mich ein Thema wirklich packt. Es fängt ganz normal mit reinem Interesse an, endet dann in ausgiebiger Recherche, denn wenn mich etwas interessiert, dann will ich alles dazu wissen. Doch am Ende liebe ich es auch noch ein Statement zu setzen, um meiner Anerkennung oder Bewunderung Ausdruck zu verleihen. 

Letztes Jahr haben wir beispielsweise im TV eine Dokumentation über Löwen gesehen. Ich bin eigentlich kein Katzenfreund, aber an diesem Abend haben sie mich gekriegt. Diese Stärke, diese Eleganz und diese Einsatzbereitschaft, wie die Löwinnen für Ihre Kinder kämpfen. Ich konnte nicht anders – ich war fasziniert! Ende vom Lied: Patenschaft für eine Löwin übernommen, WWF Patenschaft für Löwen in Afrika abgeschlossen, sämtliche Löwen in Zoos der Umgebung gesucht, Bücher zum Thema gekauft und gelesen und natürlich alle verfügbaren Dokumentationen zum Thema Löwen und Raubkatzen gesehen. Ach ja, ich habe auch noch meine Bilderwand im Arbeitszimmer mit Löwen-Fotografien ausgestattet und mein Mann hat mir – weil er meine Spleens gut kennt – noch eine tolle Löwen-Tasse geschenkt, die ich sehr liebe und die mir täglich meinen Kaffee versüßt.

Doch so ist das nicht nur Löwen, sondern mit vielen Bereichen in meinem Leben. Manchmal ist es so, dass wenn ich einen Termin habe, ich eine Vision habe, wie es ablaufen sollte, bzw. wie ich mich in dieser Situation sehe. Ergo muss auch das entsprechende Outfit her, die in meinen Augen meiner Persönlichkeit am besten Ausdruck verleiht. Da finde ich meistens noch was im Schrank, aber dann geht es an die Details. Die Tasche muss zu den Schuhen passen, die Größe der Tasche spielt eine Rolle, der passende Schmuck und glücklicherweise ist derzeit Sommer, denn die passende Jackie ist auch ein großes Thema. 

Letztes Wochenende hat mein Mann den Fehler gemacht und wir haben angefangen, manche Räume im Haus, die noch nicht 100%ig stimmen, zu optimieren. Lass mich nichts optimieren, denn das endet in einem Fass ohne Boden. Von der Anordnung der Möbel, über die Farbgestaltung bis zu Dekoration – ich habe das meiste schon vor meinem inneren Auge fest verankert. So kauften wir an dem Wochenende gleich noch Regale und einen Sekretär via ebay Kleinanzeigen. Dort paart sich dann meine Euphorie mit meiner Ungeduld. Wenn ich schon loslege, dann will ich auch schnell Ergebnisse sehen. Ich bin nicht zu gut zu haben, wenn Dinge langsam im Prozess entstehen. Ich will schnell Ergebnisse sehen.

Natürlich geht nicht alles über Nacht  das habe ich mittlerweile gelernt – und manches sollte man lieber nochmal überdenken und hinterfragen. Das habe ich gelernt, nachdem ich spontan ein Trampolin mit vier Meter Durchmesser gekauft habe, ohne mir Gedanken über die wahre Größe und den Platz im Garten zu machen. Keine gute Idee…Seitdem lasse ich meinen Emotionen freien Lauf, plane, suche und lege alle Artikel brav auf Merklisten und nicht mehr in den Warenkorb. So kann ich manches noch überdenken, doch ich gebe zu, dass ich nur sehr schwer zu stoppen bin, wenn ich für etwas brenne. Mein Verstand neigt sich eher dem Ende, wenn meine Leidenschaft entfacht….

Werde ich eine Mutti Mutti?

Die letzten Tage musste ich mit leichter Panik feststellen, dass sich während Corona nicht nur die Gesamtsituation geändert hat, sondern auch mein Körper. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich Corona ist oder doch eher mein Alter?

Ich gehe zwar auf die 40 zu, aber das macht mir zum einen nichts aus und zum anderen fühle ich mich natürlich viel jünger und spritziger. Doch die letzten Tage und Wochen musste ich leider feststellen, dass mein Körper sich irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt. Ich wiege jetzt auch nicht mehr als vor Corona, aber mein Bindegewebe wirkt sehr viel schlaffer und mitgenommener als vorher und auch rund um den Unterbauch habe ich da eine Art Schürze, die vorher nicht da war. Die war noch nicht mal nach der zweiten Schwangerschaft da, aber gerade fühlt sich die Bauchdecke an, als hätte ich Drillinge bekommen und alles müsste sich zurückbilden.

Was nun? Mommy Makeover, Aufgabe oder Angriff? Es geht mir nicht darum furchtbar schlank zu sein, ich brauche keinen Sixpack und muss mich auch nicht bauchfrei zeigen, aber ich will mich wohlfühlen. Und dieses Stück Haut, was sich immer über den Bund schiebt, und sich unangenehm andeutet, gefällt mir einfach nicht. Ich weiß, dass es Hilfsmittel gibt, um dies zu kaschieren. Wer sein Brautkleid in der falschen Größe geliefert bekommen hat – statt einer 38 mal eben eine schlanke 36 – der weiß, welche Hilfsmittel es alles gibt. Somit bin ich mit Shapewear nicht nur vertraut, sondern auch bestens ausgestattet. Doch ist das die Lösung?

Ich weiß es nicht und ich weiß es auch einfach nicht, weil ich mir nicht sicher bin, ob es überhaupt eine Lösung gibt. Vielleicht gibt mein Bindegewebe auf und ergibt sich der Schwerkraft. Keine schöne Vorstellung – im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich also da saß und überlegte, was ich machen kann, fiel mir ein Shoppingtrip mit einem guten Freund ein. Ich wunderte mich immer, warum er Hemden trug und keine T-Shirts. Ich liebe T-Shirts. Er meinte nur zu mir: Die zeichnen mehr ab und Hemden kaschieren. War ich an diesem Punkt? Ist es das Ende meiner Liebe zwischen den T-Shirts und mir? 

Quo vadis – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft?

Werde ich jetzt eine echte Mutti Mutti, die ihre Jeans gegen Stoffhosen tauscht und ihre Shirts gegen Hemden? Noch bin ich hart geblieben und habe mir ein paar Poloshirts aus festerem Stoff auf die Merkliste gesetzt. Die Überwindung auf „kaufen“ zu klicken war zu groß. Noch lebt die Hoffnung in mir, dass es nur eine Phase ist. Daher werden die Sporteinheiten erhöht, der Fokus Bauch mehr trainiert und ich habe mich sogar zum Micro-Needling überwunden, um mein Gewebe zu reanimieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt und erst, wenn ihr mich mit Polohemd und Co seht, wisst ihr, dass ein neues Zeitalter angefangen hat. Die Mutti Mutti 😦

Pünktlichkeit ist eine Tugend oder so was ähnliches…

Spontanität ist der Feind meiner Familie. Alles, aber wirklich alles, was nicht drei Tage vorher geplant und festgezurrt wird, könnte zu Herzrasen oder Schnappatmung führen. Das MUSS alles gut geplant sein. Wer also jemals plant, eine spontane Überraschungsparty zum Geburtstag eines meiner Familienmitglieder zu veranstalten, sollte davon ausgehen, dass es der letzte Geburtstag sein kann. Ich gestehe, dass ich mich davon auch nicht ganz freisprechen kann, aber je älter ich werde desto mehr nervt und stresst es mich.

Letzte Woche sind wir in den Urlaub in die alte Heimat gefahren und nach dem letzten Telefonat mit meiner Mutter wünschte ich mir, dass der Wecker morgens spontan nicht geklingelt und wir die Abfahrt verpasst hätten. Wir fuhren nur geschmeidige 700 Kilometer, aber die Ankunftszeit musste auch schon zwei Tage vorher bestätigt werden. Auch wenn wir planten gegen 4:30 Uhr zu starten, mussten wir um 11 Uhr da sein. Alles andere würde zu Chaos und Verderben führen. Also egal, ob Stau oder Pipipause – uns würde nichts aufhalten können, denn wir hatten einen Termin einzuhalten.

Natürlich steht kurz nach der Ankunft Essen auf dem Programm. Nicht, dass es einfach lecker schmecken, unkompliziert sein, satt machen und schnell gehen sollte. NNNEEEEIIIINNN – das wäre ja viel zu einfach. Mir persönlich ist es am wichtigsten, dass die Kinder was haben, was ihnen schmeckt, und sie satt werden. Wir essen einfach mit. Das ist mir total egal – erst recht, wenn ich um 4 Uhr aufgestanden bin und 700 Kilometer im Auto hinter mir habe. Anfänglich hieß es noch, dass es Nudeln mit Hackfleischbällchen geben würde. Prima – dachte ich – läuft. Zwischenzeitlich sollte dann mal alles mit Käsesauce übergossen und überbacken werden, was schon schwieriger wurde. Gemündet ist das Ganze dann aber in der Wahl zwischen Gulasch und Sauerbraten. Ich weiß nicht, wie es dort enden konnte und ich weiß auch nicht, was schlussendlich auf dem Teller liegen würde. Doch ich hatte auch andere Probleme, denn schließlich hatte ich die 11 Uhr einzuhalten, sonst wäre das mit dem Essen auch nichts geworden.

Schlussendlich gab es eine Art Nudelauflauf und Gulasch. Alle sind satt geworden und es hat geschmeckt. Und oh Wunder – wir waren auch um Punkt 11 Uhr da. Ich verschweige nur kurz, dass wir schon um 3 Uhr losgefahren sind, weil ich ab 2:30 Uhr nicht mehr schlafen konnte. Warum denn nur? Aber egal – es lagen jetzt ja Tage der Entspannung vor mir ohne Planen und Termine. Traumhafte Aussichten 😉

Heute ist morgen schon gestern

Laut Albert Einstein „ist Zeit das, was man von der Uhr abliest“, aber für meinen Sohn ist Zeit ein unbegrenzter Faktor oder auch ein unbekanntes Universum. Es stört ihn auch nicht, nichts darüber zu wissen. Für uns Eltern ist Zeit nicht nur ein rares Gut, sondern auch ein gefährlich….

Beide meiner Kinder freuen sich total, wenn Besuch kommt oder wir Wegfahren oder ähnliches. Die Tage bis dahin werden brav runtergezählt und sehnsüchtig erwartet. Problem ist nur, dass sie die Tage irgendwie anders zählen. „Wann fahren wir zu Oma und Opa?“ „Heut in einer Woche!“ „Also morgen?“ „Nein, heute ist Montag, du gehst die Woche noch fünfmal in den Kindergarten, dann kommt das Wochenende und dann fahren wir los. Insgesamt musst du noch siebenmal schlafen.“ Er guckt mich interessiert an. Dann kommt meine Tochter: „Ich habe gepackt. Wir können los.“ Natürlich hat sie nicht für den Kindergarten gepackt, sondern für die Fahrt zu Oma und Opa. Wieder erläutere ich ihr, dass es noch dauert. Und was werde ich seitdem jeden Morgen gefragt? „Fahren wir heute zu Oma und Opa?“ Jeden Abend werden auch die Taschen mit Spielsachen beladen, denn es könnte ja jederzeit spontan losgehen.

Doch nicht nur Reisen werfen ihre Schatten voraus. Es fängt auch schon im kleinen an. Als mein Sohn noch kleiner war, freute er sich sehr, dass am nächsten Tag sein Freund zu Besuch kommt. Da er zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich verstehen konnte, um wieviel Uhr das Treffen ungefähr stattfinden würde, machte ich einen entscheidenden Fehler und sagte: „Morgen nach dem Frühstück ist der Besuch da!“ 

Morgenstund hat nicht immer Gold im Mund….

Ich ahnte erst am nächsten Morgen um 5:30 Uhr, was ich angerichtet hatte, denn mein Sohn wollte schon frühstücken. Also saßen wir sonntags um 6 Uhr brav am Frühstückstisch. Um 6:05 Uhr stand mein Sohn auf und ging zu Tür. Er wollte gucken, ob der Besuch schon da ist. Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass der Besuch wahrscheinlich noch schläft und er sich noch etwas gedulden muss. Das ging natürlich gar nicht. Es war doch schon hell – wie konnte man denn dann nur schlafen? 

Die Euphorie ist zwar nach wie vor die gleiche, aber mittlerweile steht er nicht mehr früher auf. Es kann auch daran liegen, dass bei uns vieles nur noch ganz spontan passiert. Wie aus dem Nichts fällt mir plötzlich ein, dass in 30 Minuten ja der Besuch kommt. Nachdem wir das Zeitproblem jetzt schon galant gelöst haben, muss nur noch etwas mehr örtliche Orientierung her. Denn egal, ob zum Einkaufen, in den Zoo oder zum Schwimmen – wir fahren entweder immer nach Berlin oder an den Gardasee. Warum auch nicht…

Ja, habe ich denn heute Geburtstag???

Ach ja, eigentlich war gestern ein sehr guter Tag, bis ich meine Kinder vom Kindergarten abholte. Eigentlich nichts Besonderes, doch als die Tür aufging, fiel mir die Erzieherin um den Hals und wünschte mir alles, alles Gute. Ich verstand es nicht wirklich. Geburtstag hatte ich nicht, einen Grund zum Feiern auch nicht, bestach ich heute mit einer super positiven und ansteckenden Ausstrahlung? Eher nicht, denn danach kam die Frage: „Wann ist denn der Geburtstermin?“

Mir glitt alles aus dem Gesicht. Geburtstermin? Ich schaltete nicht so richtig. Nur weil ich vielleicht ein Corona-Bäuchlein bekommen hatte, war ich doch nicht schwanger. Und meine Schwangerschaftsstreifen stellte ich ja nicht zur Schau und diese waren ebenfalls kein Indiz für eine Schwangerschaft – also was war hier los? „Wir haben schon gewettet, wann es soweit ist und was es wird. Deine Kinder tippen auf einen Jungen.“ Aha, meine Kinder. In mir stiegt leichter Zorn auf. „Da muss ich wohl alle enttäuschen, denn es wird weder Junge noch Mädchen – ich bin nicht schwanger.“ Und die Ausführungen, dass ich kein drittes Kind wollte, ersparte ich mir an dieser Stelle.

Die Erzieherin guckte mich ganz verdutzt an: „Aber ihr habt doch schon das eine Zimmer ausgeräumt, so dass die zwei jetzt in einem Zimmer schlafen und das andere Zimmer für das Baby umgebaut wird.“ „Was? Wir haben gar nichts umgebaut. Es gibt kein Baby.“ Dann kamen meine zwei Kids fröhlich angelaufen. Ich war ja schon glücklich, dass sie mir nicht gleich den Bauch streicheln wollten. Im Auto fragte ich sie nur: „Was habt ihr denn da erzählt?“ „Warum?“, fragten beide unschuldig. „Ich bekomme kein Baby – wie kommt ihr darauf?“ Meine Tochter schrie nur: „Ich will aber ein Baby.“ „Ja, aber Mama will keins mehr.“ „Warum nicht?“, wollten beide dann wissen. „Das passt gerade nicht. Ich bin glücklich mit euch, ich will nicht noch mal schwanger sein.“ „Wir wollen aber ein Baby.“ „Bis ihr eigene Kinder haben werdet, dauert es noch.“ Schweigen im Walde.

Nicht alle guten Dinge sind drei….

Ich dachte, dass Thema wäre damit gegessen, aber nachmittags bekam ich eine Glückwunsch-Nachricht nach der anderen von anderen Müttern aus dem Kindergarten. Ich dachte echt, ich bin im falschen Film. „Ich dachte, ihr wolltet kein drittes Kind mehr?“ „Ist auch so, ich bin nicht schwanger.“ „Vielleicht wissen deine Kinder ja mehr als du ;)“. Ganz bestimmt nicht. Ich nahm meine Kinder noch einmal zur Seite und versuchte ihnen klarzumachen, dass sie nicht so etwas erzählen sollten, wenn es nicht stimmt. „Sagt bitte, dass Mama nicht schwanger ist und wir kein Baby bekommen.“ „Das ist doch doof“, protestierte mein Großer. „Dann sagen wir halt, dass das Baby schon da ist.“ Ich habe leichte Angst, was heute passiert, wenn ich die zwei abhole. Wahrscheinlich wartet ein großer Blumenstrauß zur Geburt auf mich und alle wollen den Nachwuchs sehen. Im nächsten Leben vielleicht… 

Ein ganz entspannter Abend…

Was für manche vielleicht wie eine schlimme Grenzerfahrung klingen mag, ist für Eltern eine alltägliche Situation: das entspannte Abendmahl. Nach einem aufregenden Tag im Kindergarten oder auch nach einem Tag in Corona-Quarantäne ist meist abends genau die richtige Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und zu verkünden. Auch meine Kinder nutzen die gemeinsame Mahlzeit meist, um sich mitzuteilen. Hierzu sei gesagt, dass sie mittags meist im Kindergarten essen, es also nichts mit der Uhrzeit zu tun hat.

Mein Sohn hat gerade die Angewohnheit, mich mit seinem Vorschulwissen zu beeindrucken. Was an meinen vielleicht manchmal fraglichen Lehrer-Qualitäten liegen könnte, über die ich schon vor einiger Zeit berichtet habe. Also nutzt er jetzt Buchstaben und Wörter, um sein Wissen unter Beweiß zu stellen. „A wie Apfel, D wie Dose und Toast fängt mit einem T an!“ Ich lächele und sage nur bewundernd: „Super, langsam läuft das mit den Buchstaben ja richtig super!“ Meine kleine Tochter will dem in nichts nachstehen: „Eva ist mit A.“ „Ganz genau, im Namen Eva kommt das A vor.“ „In Afrika aber auch,“ schreit mein Sohn dazwischen. „Und Sand,“ bringt sich meine Tochter wieder ins Gespräch. „Sand reimt sich auf Bank,“ hebt mein Sohn das Niveau an. „Ist eher ein Knüppelreim, aber es geht in die richtige Richtung.“ „Aber Bank reimt sich auf Schrank.“ „Das stimmt!“ „Und Wasser mit Wassermelone,“ erzählt meine Tochter. Ich lächele nur. 

Mein Sohn hat seine neue Passion gefunden und ist nicht zu stoppen: „Hund und Mund, cool und Stuhl, Bank und krank, Hose und Dose…“ Ich versuche das Reimemonster zu stoppen und frage einfach mal: „Was habt ihr denn heute im Kindergarten gemacht?“ Doch ich stoße auf Beton. „Traum und Raum, krass und nass…“ „Oder Regen und Regenschirm, oder Mama,“ fragt meine Tochter. „Das reimt sich nicht ganz, aber gehört auf jeden Fall zusammen. „Wal und Aal,“ reimt mein Sohn weiter. „Qual,“ unterbreche ich ihn. Er guckt mich nur fragend an und reimt munter weiter. „Qualle und….“ Er kommt ins Stocken, doch meine Tochter ist zur Stelle: „Kalle!“ Sie strahlt triumphierend. 

Ich kapituliere und ergebe mich den Wortschwallen. Ein Gespräch ist nicht mehr zu erwarten, also heißt es für mich: durchhalten! Am liebsten würde ich mir meine Air Pods in die Ohren stecken und die Geräuschkulisse etwas zu mindern, aber das käme wahrscheinlich komisch an. Daher habe ich eine echte Alternative gefunden, die auch noch figurfreundlich ist: Knäckebrot! Das laute Kauen sorgt dafür, dass ich am liebsten die Augen schließen und nur den Kaugeräuschen lauschen würde. Eine herrliche Abwechslung. Wichtig: man muss schon eine rustikale Sorte wählen, nichts irgendwie dünn und weniger knusprig. Seit dieser Erkenntnis halte ich es mit dem Wort Abendbrot sehr traditionell und die Schnitte hat Einzug in unser Wohnzimmer erhalten. 

Es kann alles so einfach sein – ist es aber nicht 😉

Akzeptiert oder resigniert?

Die aktuelle Situation rund um den unsichtbaren Feind macht wahrscheinlich jedem auf seine Art und Weise zu schaffen. Neben Existenzängsten fühlen sich viele sehr alleine oder haben eine ähnliche Situation wie ich, in der die Kinder um einen rumtoben, man nebenbei versucht Haushalt und Job noch unterzukriegen, und über jeden Moment der Ruhe glücklich ist.

Am Anfang habe ich mich wahnsinnig machen lassen. Jeder weiß, dass ich jetzt nicht zwingend zu den spontansten Leuten gehöre und da ich gerne plane und organisiere, macht mir die Ungewissheit, die Corona mit sich bringt, zu schaffen. Zum einen sind es Projekte, die wegbrechen und ich theoretisch neue Auftraggeber suchen müsste, dann sind da aber auch meine Kinder. Solange sie nicht in den Kindergarten gehen können, kann ich auch nicht wieder voll in meine Arbeit einsteigen.

Die ersten Wochen vergingen ein bisschen wie unter Schock. Man wusste nicht genau was kommt, hat seine Arbeit nach besten Wissen und Gewissen erledigt und versucht das Beste für die Kinder zu tun und nebenbei noch Haushalt und Co zu wuppen. Dann kam die zweite Phase, wo einem klar wurde, dass dieser Zustand nun länger andauern wird. Also versuchte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und einen Rhythmus einzuführen, der allen den Tag erleichterte und strukturierte. Aufträge wurden storniert und ich schwankte zwischen Resignation, Panik und Aktionismus.

Mittlerweile befinde ich mich gefühlt in Phase drei. Es läuft alles soweit und ist okay. Ich habe die Situation akzeptiert und kann sie nicht ändern. Ich versuche das Beste daraus zu machen und die Zeit für mich in irgendeiner Form zu nutzen. Vor Beginn diesen Jahres hatte ich den Entschluss gefasst, manche Projekte aus unterschiedlichen Gründen abzustoßen. Ich wollte mehr Zeit für mich und mal Distanz zu meinen Jobs bekommen. Quo vadis? Wo wollte ich zukünftig hin? Was ist das große Ziel? Diese Fragen haben sich ein Stück weit gelegt.

Auch wenn der jetzige Zustand von außen erzwungen wurde und nicht meine freie Entscheidung war, so muss ich nach acht Wochen Quarantäne sagen, dass ich ruhiger geworden bin. Ob ich resigniert oder es akzeptiert habe, weiß ich noch nicht wirklich. Momentan fühlt es sich eher wie Akzeptanz an, denn ich bin in gewisser Form zufrieden. Den Abstand, den ich immer wollte, habe ich bekommen, wenn auch in anderer Form. Natürlich kann man sich einreden, dass es nicht immer so weitergehen wird – beruflich gesehen. Als Freiberufler ist man Schwankungen unterlegen, wobei ich mich in den letzten Jahren immer steigern konnte. Dieses Jahr wird das nicht so sein und es ist okay für mich, wenn auch nicht leicht.

Natürlich bin ich die meiste Zeit des Tages auch mit meinen Kindern beschäftigt und auch, wenn ich manchmal schreien könnte, bin ich sehr dankbar für meine Familie. Gerade in den schwierigen Zeiten funktionieren wir. Meine Kinder machen gut mit und auch mit meinem Mann bin ich ein eingespieltes Team. Was vorher manchmal zu Auseinandersetzung führt, ist in Zeiten, in denen es darauf ankommt, kein Thema. Und ich bin gerne für meine Kinder da. Es ist mir wichtig, dass es ihnen gut geht und ich in dieser auch für sie schwierigen Zeit, das Beste für sie versuche zu machen. 

Und auch für meine Freunde bin ich dankbar. Der Kontakt ist anders, aber mit den wichtigsten Menschen immer da. Man bekommt auf einmal Wertschätzung auf andere Art und Weise. Sei es durch eine Faultier-Tasse oder eine Box voller Glücksmomente, die mich unerwartet erreicht und erhellt haben. Auch ein spontanes Telefonat mit meiner besten Freundin fühlt sich vertraut an, gibt einem eine gewisse Normalität zurück und tut so gut, was ich vorher manchmal vergessen habe und jetzt noch mehr wertschätze. Auch wenn ich in dieser Zeit nur zweimal Leute außerhalb meiner Familie mit dem gegebenen Mindestabstand getroffen habe, so war es beide Male wie ein Kurzurlaub und einfach sehr, sehr schön.

All das macht mich dankbar und auch zufrieden. Auch wenn die Welt nach Corona vielleicht nicht mehr so wird, wie sie war, haben wir die Chance das Wichtigste aus der Krise mitzunehmen.  

„Ich habe das Internet gelöscht…“

Da meine Mutter letzte Woche Geburtstag gefeiert hat und aufgrund des bevorstehenden Muttertages, habe ich es zum Anlass genommen, mal über die ein oder andere Anekdote nachzudenken. Und was soll ich sagen? Meine Mutter ist ein Füllhorn an skurriler, witziger und gleichzeitig verstörender Geschichten.Oft anstrengend und nicht ganz leicht, aber definitiv nicht langweilig.

Ein Hoch auf meine Mutter und ihre grandiosen Einfälle!

Letztes Jahr bin ich mit ihr Zug gefahren – keine Sorge, dass war jetzt noch nicht die Pointe. Ich sollte ihr bei einer Registrierung im Internet helfen. Also saßen wir gebannt über ihrem Handy. Ich tippte brav alles ein und musste nur noch die eingehende Email bestätigen. Bis jetzt noch ganz normal. Zum Glück wurden ihre Emails auf dem Handy automatisch abgerufen, denn meine Mutter wusste ja nicht, was sie für ein Passwort hatte. Ich ging in den Posteingang und war leicht verwundert, denn ungefähr jede Mail war von ebay. Ich wusste nicht mal, dass meine Mutter das kannte.

„Was machst du bei ebay?“ „Nichts, gar nichts.“ „Aber du hast ganz viele Mails von ebay.“ „Damit habe ich nichts zu tun.“ „Irgendwie müssen sie ja an deine Adresse gekommen sein. Zumindest hat sich dann jemand mit deiner Email registriert.“ „Ach so das. Ja, ich war da kurz auf der Seite.“ „Aber davon registriert man sich nicht automatisch.“ „Die Tochter von Fritz hat da irgendwas eingegeben.“ Ich scrollte weiter durch den Chat-Verlauf. „Fall eröffnet wegen ausstehender Zahlung? Mama, was hast du denn da gemacht?“ „Nichts, ich habe mir nur Sachen angeguckt.“ „Was denn für Sachen?“ „Ich habe mir Kerzendocht angesehen. Ich suche nach einem dickeren.“ „Bist du fündig geworden?“ „Nein, nein.“ „Und wie kommt es dann, dass du laut ebay 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro gekauft hast.“ „Habe ich doch gar nicht. Was soll ich mit 60 Metern? Ich brauche nur ein kurzes Stück.“ „Das weiß ich nicht, aber Fakt ist, dass du das anscheinend bestellt hast.“ „Das war ich nicht. Ich habe nur geguckt.“

„Hast du vielleicht auf irgendeinen Knopf gedrückt?“ „Nein! Nur geguckt!“ „Aber so schnell kauft man das auch nicht. Da muss man schon auf „Jetzt kaufen“ drücken und den Kauf bestätigen.“ „Habe ich aber nicht, denn ich habe ja auch nichts bekommen.“ „Man zahlt erst das Geld und dann bekommt man die Ware in den meisten Fällen.“ „Ich habe nichts gekauft, nichts gezahlt und nichts bekommen.“ „Gekauft hast du schon, gezahlt hast du nicht, daher auch die vielen anderen Mails mit Beschwerden und Aktionen seitens ebay.“ „Ich zahle da nichts.“ „Musst du auch nicht. Der Fall wurde geschlossen. Da hast du nochmal Glück gehabt.“ „Wieso denn? Ich habe doch nichts gekauft.“ „Meinetwegen hast du nichts gekauft, aber beim versehentlichen Drücken verschiedener Tastenkombinationen scheinen zufällig 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro in deinem Einkaufskorb gelandet zu sein, den du wie aus Geisterhand bestätigt und auch noch deine Adresse angegeben hast. Du musst da aufpassen – das kann auch sein, dass du das zahlen musst.“ „Musste ich ja nicht.“

Meine Mutter stand auf, nahm ihren Koffer, denn am nächsten Bahnhof musste sie raus. Dann fing sie an zu lachen: „Haha, ich und das Internet. Beim nächsten mal frage ich wieder dich.“ Sie verabschiedet sich und verschwand. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre. 60 Meter Kerzendocht für 400 Euro oder für meine Mutter jetzt Ansprechpartner Nummer eins fürs Online-Shopping zu sein…So individuelles Kerzenbasteln kann bestimmt sehr entspannend sein und 60 Meter reichen doch auch für die nächsten zehn Jahre. Vielleicht doch keine so schlechte Investition 😉

Und plötzlich ist alles anders…

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Wer hätte noch vor ein paar Wochen gedacht, wie kleine, gemeine Corona-Viren unser Leben auf den Kopf stellen? Erst fing es an, dass man genervt war, die Situation unverhältnismäßig oder übertrieben fand. Dann schlich sich langsam ein komisches Gefühl ein und jetzt weiß man einfach: die Lage ist ernst.

Ich glaube, die Lage ist derzeit für fast niemanden einfach. Risikopatienten leben in Angst, ein Großteil der Bevölkerung ist verunsichert, viele bangen um ihre Existenz und keiner weiß, was noch kommt und wie es weitergehen soll. Freitag bestand meine größte Sorge noch darin, wie ich meine Kinder fünf Wochen zu Hause bespaßen soll und nur ein paar Tage später bröckelt auch meine Existenz als Freiberufler. Doch es wird nicht nur mir so gehen, sondern vielen. Ich glaube, man darf die Hoffnung nicht verlieren. Jetzt ist die Parole durchhalten angesagt und danach wird alles wieder gut, wenn vielleicht auch anders.

Wichtig ist einfach, dass man sich bestmöglich an die Vorgaben hält, sich selbst vielleicht etwas mehr zurücknimmt, um andere nicht zu gefährden. Mehr denn je stehen jetzt die eigenen vier Wände im Mittelpunkt und man kann sich glücklich schätzen, wenn man sein zu Hause liebt und dort die Zeit gut überbrücken kann. Ich bin glücklicher als jemals zuvor, dass wir einen Garten haben. Es ist so gut, dass die Kinder einfach mal raus können und etwas Dampf ablassen. Natürlich sind sie gewohnt jeden Tag im Kindergarten Action zu haben und bespannt zu werden. Daher heißt es ab sofort bei uns zu Hause: Vorschule mit Mutti und körperliche Ertüchtigung zu den besten Hits der 90er. Heute morgen waren sie ganz begeistert, aber es sind ja auch nur noch mindestens 4 Wochen und 6 Tage, an denen ich sie dafür begeistern muss.

Haltet durch und bleibt gesund! Auch wenn die Situation nicht einfach ist. Immer dran denken: so geht es vielen. Wir stehen das durch und am Ende wird alles gut!

Abschied: Lieben heißt auch loslassen

Es ist schon vier Tage her, aber so wirklich realisiert, dass du gegangen bist, habe ich noch nicht. Jeden Morgen wenn ich die Treppe herunterkomme, will ich wie gewohnt nach dir gucken, dich begrüßen, aber da ist niemand mehr. Abends planen wir automatisch, wer wann noch einmal mit dir Gassi gehen soll, bis es uns einholt, dass du die letzte Reise ohne uns angetreten hast. Du fehlst mir – mehr als ich dachte, mehr als ich in Worte fassen kann und genau so sehr, wie du es verdient hast.

Ich danke dir für 16 gemeinsame Jahre und es tut mir leid, dass ich in den letzten beiden Jahren nicht immer fair zu dir war und dich mit dem Respekt behandelt habe, den du verdient hast. Die Lücke, die du hinterlässt ist groß, aber auch, was du mir mitgegeben hast. Viel zu schnell – besonders bei langen Beziehungen – vergisst man, was man alles für schöne Momente erlebt hat. Und auch wenn es Alltag gibt und stressige Situationen, sollten nie die Banalitäten mehr im Vordergrund stehen als die schönen und wahren Momente der gemeinsamen Zeit.

Für mich stand immer fest, dass ich dich nicht bis zum Ende begleiten kann. Zu sehr stoppte mich meine Angst, dass ich zu schwach dafür bin oder irgendetwas falsch mache. Als ich den Blick in deinen Augen sah und mit klar war, dass wir dich erlösen und gehen lassen müssen, wusste ich auch, dass wir ein Team sind und wir diesen Weg gemeinsam gehen. Ich bin so froh, dass ich mich überwinden konnte und auch sehr dankbar, dich bis zum Schluss in meinen Armen zu halten.

Auch wenn du für viele nur ein Hund warst, für uns warst du immer Teil dieser Familie. Du wirst immer etwas Besonderes bleiben und wir werden dich nie vergessen. Danke für die gemeinsamen Jahre. Auch wenn es am Schluss bestimmt nicht immer leicht war, möchte ich keine Sekunde davon missen. Ich wusste schon zu Lebzeiten, was ich an dir hatte, aber es wird einem noch viel bewusster, wenn man sieht, wie groß die Lücke ist, die du hinterlässt. Du fehlst mir!