Opa, der Womanizer

Da ja gestern Muttertag war, dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und erkläre meiner dreijährigen Tochter, wie so die familiären Zusammenhänge sind. Mein sechsjähriger Sohn glaubt zwar auch immer noch, dass mein Vater mit zwei Frauen verheiratet ist, wovon eine meine Schwester ist, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Opa und seine Frauen

„Weißt du denn, von wem Oma die Mama ist?“, frage ich meine Tochter. „Ja, von mir.“ „Ich dachte, ich bin deine Mama.“ „Ja, du auch.“ „Oma ist aber meine Mama und deine Oma.“ „Aha!“ Naja, vielleicht war das noch nicht der Weisheit letzte Schluss, also fange ich mit etwas greifbarerem an. „Hast du denn Geschwister?“ „Ja, Niklas.“ „Und Niklas ist dein?“ „Meine Schwester!“ „Ist Niklas nicht dein Bruder?“ „Ja, mein Bruder und ich bin seine Schwester.“ Läuft doch – triumphiere ich innerlich.

„Weißt du denn, wer Mamas Schwestern sind?“ „Ja, Papa und Laura.“ „Papa ist meine Schwester?“ „Nein, du bist Papas Mama.“ Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, sollte ich das richtig stellen: „Aber ich bin doch deine Mama.“ „Ja, und Niklas. Mama ist der Onkel von Papa.“ „Nein, Mama ist Papas Frau. Und du bist Papas…“ „Ich bin auch Papas Frau, und Niklas ist Papas Frau und Mama ist Papas Onkel.“ „Und wer ist Mamas Mann?“ „Opa!“ „Aber Opa hat doch schon eine Frau.“ „Ja, Doro und Laura.“ „Aber Laura ist doch meine Schwester.“ „Ja, und Opas Frau.“

Damit wäre meine Drei­­­jährige jetzt auf dem Stand von meinem Sechsjährigen. Die Verflechtungen in der Familie zu erklären, kann ich. Ab morgen ist das Aufgabe meines Mannes, äh Bruders oder doch Onkels????

Konversation mit Kindern: Serien-Quiz

Mein Sohn kam gerader aus seiner Mittagspause, bei der er eine Sendung auf dem Tablet gucken durfte. „Hast du wieder Theo, Tess und Quentin geschaut?“ „Nein, heute habe ich mir was Neues ausgesucht. Richtig cool!“ Meist sah er sich „Was ist Was“ oder „Lego Ninjago“ an. Mein Sohn war eher der Vorsichtige und auch wenn er sich im Kinderbereich des Streaming-Anbieters selbst seine Serien aussuchen durfte, landete er immer bei den gleichen. Die anderen Serien waren ihm meist zu seltsam oder auch unheimlich. Doch diesmal war es anders.

Wer wohnt in der Ananas ganz tief im Meer

„Du kennst die Serie bestimmt. Die ist total cool!“ Mein Sohn denkt, dass ich ein TV-Experte bin. Ich arbeite zwar manchmal im Live-Sport-Bereich und sehe mir dann entsprechend die Rennen oder Spiele im TV an, während ich dazu schreibe, aber  für ihn zählt nur, dass ich beruflich Fernsehen gucken darf. Als er ungefähr drei Jahre alt war, guckten wir „Feuerwehrmann Sam“ und er strahlte mich an. „Das ist doch total toll, dass du jetzt dafür Geld bekommst.“ Ganz so leicht war es zwar nicht, aber ich wollte ihm die Illusion nicht rauben.

Doch zurück zur neusten Entdeckung. „Da ist so was Gelbes.“ „In deiner Sendung?“ Er nickte. „Ein Lego-Männchen?“, fragte ich. „Nein, da gibt es einen sprechenden Käse, der mit einer Wurst befreundet ist.“ Ich musste etwas schmunzeln, denn ich wusste bei dem gelben Käse schon, dass es nur Spongebob sein konnte, aber das Patrick eine Wurst war und kein Seestern war mir neu. „Wen gibt es denn da noch neben der Wurst und dem Käse?“ „Der Käse wohnt in einer Ananas und sein Nachbar ist eine Gurke. Dann gibt es da aber auch noch diese Krabbe. Der ist total witzig.“

„Du weißt, dass die alle im Wasser wohnen, oder?“ „Ja,“ nickte er stolz. „Warum sollte denn ein Käse oder eine Wurst im Wasser leben?“ „Vielleicht hat die ja jemand ins Meer geworfen?“ „Nein, das soll in diesem Fall ein Schwamm und ein Seestern sein und der Nachbar, also der Grüne, das ist ein Tintenfisch.“ „Aber der sieht doch aus wie eine Gurke.“ „Mag sein, aber es soll ein Tintenfisch sein. Das sind quasi alles Meeresbewohner, damit sie auch unter Wasser leben.“ „Und warum wohnen Schwämme dann in einer Ananas?“ 1:0 für ihn…

„Ich habe das Internet gelöscht…“

Da meine Mutter letzte Woche Geburtstag gefeiert hat und aufgrund des bevorstehenden Muttertages, habe ich es zum Anlass genommen, mal über die ein oder andere Anekdote nachzudenken. Und was soll ich sagen? Meine Mutter ist ein Füllhorn an skurriler, witziger und gleichzeitig verstörender Geschichten.Oft anstrengend und nicht ganz leicht, aber definitiv nicht langweilig.

Ein Hoch auf meine Mutter und ihre grandiosen Einfälle!

Letztes Jahr bin ich mit ihr Zug gefahren – keine Sorge, dass war jetzt noch nicht die Pointe. Ich sollte ihr bei einer Registrierung im Internet helfen. Also saßen wir gebannt über ihrem Handy. Ich tippte brav alles ein und musste nur noch die eingehende Email bestätigen. Bis jetzt noch ganz normal. Zum Glück wurden ihre Emails auf dem Handy automatisch abgerufen, denn meine Mutter wusste ja nicht, was sie für ein Passwort hatte. Ich ging in den Posteingang und war leicht verwundert, denn ungefähr jede Mail war von ebay. Ich wusste nicht mal, dass meine Mutter das kannte.

„Was machst du bei ebay?“ „Nichts, gar nichts.“ „Aber du hast ganz viele Mails von ebay.“ „Damit habe ich nichts zu tun.“ „Irgendwie müssen sie ja an deine Adresse gekommen sein. Zumindest hat sich dann jemand mit deiner Email registriert.“ „Ach so das. Ja, ich war da kurz auf der Seite.“ „Aber davon registriert man sich nicht automatisch.“ „Die Tochter von Fritz hat da irgendwas eingegeben.“ Ich scrollte weiter durch den Chat-Verlauf. „Fall eröffnet wegen ausstehender Zahlung? Mama, was hast du denn da gemacht?“ „Nichts, ich habe mir nur Sachen angeguckt.“ „Was denn für Sachen?“ „Ich habe mir Kerzendocht angesehen. Ich suche nach einem dickeren.“ „Bist du fündig geworden?“ „Nein, nein.“ „Und wie kommt es dann, dass du laut ebay 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro gekauft hast.“ „Habe ich doch gar nicht. Was soll ich mit 60 Metern? Ich brauche nur ein kurzes Stück.“ „Das weiß ich nicht, aber Fakt ist, dass du das anscheinend bestellt hast.“ „Das war ich nicht. Ich habe nur geguckt.“

„Hast du vielleicht auf irgendeinen Knopf gedrückt?“ „Nein! Nur geguckt!“ „Aber so schnell kauft man das auch nicht. Da muss man schon auf „Jetzt kaufen“ drücken und den Kauf bestätigen.“ „Habe ich aber nicht, denn ich habe ja auch nichts bekommen.“ „Man zahlt erst das Geld und dann bekommt man die Ware in den meisten Fällen.“ „Ich habe nichts gekauft, nichts gezahlt und nichts bekommen.“ „Gekauft hast du schon, gezahlt hast du nicht, daher auch die vielen anderen Mails mit Beschwerden und Aktionen seitens ebay.“ „Ich zahle da nichts.“ „Musst du auch nicht. Der Fall wurde geschlossen. Da hast du nochmal Glück gehabt.“ „Wieso denn? Ich habe doch nichts gekauft.“ „Meinetwegen hast du nichts gekauft, aber beim versehentlichen Drücken verschiedener Tastenkombinationen scheinen zufällig 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro in deinem Einkaufskorb gelandet zu sein, den du wie aus Geisterhand bestätigt und auch noch deine Adresse angegeben hast. Du musst da aufpassen – das kann auch sein, dass du das zahlen musst.“ „Musste ich ja nicht.“

Meine Mutter stand auf, nahm ihren Koffer, denn am nächsten Bahnhof musste sie raus. Dann fing sie an zu lachen: „Haha, ich und das Internet. Beim nächsten mal frage ich wieder dich.“ Sie verabschiedet sich und verschwand. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre. 60 Meter Kerzendocht für 400 Euro oder für meine Mutter jetzt Ansprechpartner Nummer eins fürs Online-Shopping zu sein…So individuelles Kerzenbasteln kann bestimmt sehr entspannend sein und 60 Meter reichen doch auch für die nächsten zehn Jahre. Vielleicht doch keine so schlechte Investition 😉

Immer auf die Kleinen

Der Spruch „Immer auf die Kleinen“ trifft in Zeiten von Corona besonders zu. Natürlich haben alle zu leiden. Kranke und ältere Menschen haben Angst vor der Krankheit, die Mehrheit hat Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, Eltern verzweifeln, weil sie Job und Kinder unter einen Hut bringen müssen und Singles und Alleinstehende sehnen sich nach Kontakt. Doch was ist mit den Kleinsten? 

Natürlich war mir bewusst, dass es für meine Kinder schwer ist, einfach von einem Tag auf den anderen aus dem Kindergarten rausgerissen zu werden und ihre Freunde nicht mehr sehen zu dürfen. Dass es dieses Virus gibt und das böse ist, hat auch meine Tochter verstanden. Sie hat sich heute Socken über ihre Hände gezogen, um sich vor Corona-Virus zu schützen, und trug dabei ihren Mundschutz. 

Ich glaube, dass besonders die Kinder mehr unter der Situation leiden als die meisten. Während wir noch mit unseren Freunden via Telefon, WhattsApp etc. Kontakt halten und uns austauschen können,  ist das für Kindergartenkinder kein adäquates Mittel.

Wir können auch draußen spazieren gehen oder Sport machen – wenn auch mit Einschränkungen. Meine Kinder laufen fleißig mit, aber natürlich sehnen sie sich nach dem Spielplatz, auf den sie nicht dürfen. 

Ich glaube, dass es wichtig und richtig ist, besonders ältere Menschen und auch vorerkrankte Menschen bestmöglich zu schützen. Auch wird kein Elternteil freiwillig wollen, dass sich seine Kinder mit Corona infizieren und leiden. Doch meine Kinder leiden und zwar daran, ihre Freunde nicht zu sehen. Während sich für alle für uns alle im Leben etwas geändert hat, hat sich für die Kinder fast alles geändert. Sie können nicht mehr in den Kindergarten, aber können dies nicht mit Home Office kompensieren. Sie können nicht mehr zum Sport oder anderen Aktivitäten, und können auch dies nicht durch Individualsport kompensieren. Sie können ihre Freunde nicht zum Spielen treffen, und können auch dies nicht durch Anrufe oder ähnliches kompensieren. Und das Schlimmste daran ist: dass sie wahrscheinlich nicht mal richtig verstehen warum. 

Daher glaube ich, dass es wichtig und richtig ist, den Kindern in den nächsten Wochen wieder Stück für Stück ein Teil ihres früheren Alltags und Lebens wiederzugeben. Sie weiter über Wochen mehr oder minder wegzusperren, kann nicht die Lösung sein, denn schließlich sind die Kinder nicht das Virus. Und das sage ich nicht als Mutter, die sich vielleicht an manchen Tagen auch mal nach Ruhe sehnt, was ich definitiv tue, sondern dass sage ich als Mutter, die sieht, dass sie alles für ihre Kinder geben kann, aber es nicht genug ist. Denn das, was den Kindern fehlt, können die Eltern nicht auffangen. Sie können es nur laut aussprechen, in der Hoffnung gehört zu werden!

Nicht Toilettenpapier braucht das Land, sondern…

Bei uns im Haus herrscht bald definitiv Waschmittel-Notstand. Während ich mir wirklich einen Kopf gemacht habe, wie ich meine beiden Kids in dieser Zeit zu Hause bespaßen kann, habe ich wohl meine tägliche Wäsche-Routine komplett unterschätzt. Meine Kinder machen super mit beim Basteln, Rätseln und Sporteln, aber die neuste Lieblingsbeschäftigung ist Umziehen. Mittlerweile gehören bei ihnen so circa drei bis vier Outfitwechsel pro Tag dazu.

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Während mein Sohn die Angewohnheit hat, bei jeder passenden Möglichkeit in seinen Schlafanzug zu wechseln, meint meine dreijährige Tochter, man muss sich stündlich umziehen. Aktuell haben es ihr besonders Sommerkleider angetan. Draußen scheint war die Sonne, aber nachdem ich ihr dann versucht habe zu erklären, dass es für die Kleider noch etwas zu früh ist, zieht sie jetzt brav T-Shirt und Loggins drunter. Auch schiebt sie sich ihre Spielküche vor den Schrank, um reinzuklettern und an alle Sachen zu kommen. Tag täglich wird auch einmal das gute Kleid mit den Punkten angezogen: ihr Dirndl. Sie durfte es zur Geburtstagsfeier von Opa im letzten Jahr anziehen und sucht jetzt wieder nach Möglichkeiten, das schöne Kleid auszuführen. Derzeit bietet sich war nur das Haus und der Garten an, aber es scheint ausreichend zu sein.

Wenn sie nicht gerade Sommerkleid oder Dirndl trägt, ist auch das Flamingo-Kostüm von Fasching hoch im Kurs oder der olle Wal – ein Overall bzw. Jumpsuit! Und natürlich gehört zu jedem Outfit auch die passende Jacke und auch Schuhe. Wahlweise die kleinen Ballettschuhe oder die dicken Winterstiefel. Wie ich sie davon überzeugen soll, dass ein Outfit während es Tages reicht, weiß ich noch nicht. Mein Sohn freundet sich langsam mit Sweathosen an und behält diese auch ein paar Stunden an sich. Doch auch er wird wählerischer. Heute morgen musste das Poloshirt über das Longsleeve gezogen werden. Als ich versucht habe, ihm zu erklären, dass das nicht zwingend die richtige Reihenfolge ist, kam nur: „Mama, auf dem Shirt sind Haie drauf. Die sieht sonst keiner.“ Keiner sind in dem Fall Papa, ich oder seine Schwester, aber…

Ich habe mit vielem gerechnet, aber mit dem Ausbruch der zwei Mode-Monster definitiv nicht. Wir gehen halt modisch durch die Krise. Bleibt zu Hause und gesund – die Waschmaschine ruft.

„Hallo? Können Sie mich sehen?“

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Da ich seit vielen Jahren als Freelancer arbeite und durch meine Kinder zu 90 Prozent davon im Home Office, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was Home Office eigentlich für viele bedeutet. Für mich ist es Freiheit, Unabhängigkeit und die einzige Möglichkeit, Beruf, Haushalt, Kinder und Co zu vereinbaren. Mein Mann ist Mediziner und bislang war Home Office nie eine Option, doch heute Morgen kam der Anruf: Die Videosprechstunde kommt!

Während ich es super fand, dass wir beide jetzt flexibler sind, und er einfach in diesen verrückten Zeiten für seine Patienten und sich eine gute Basis schaffen kann, brach für ihn eine Welt zusammen. Erste Reaktion: „Dann muss ich ja gut aussehen.“ „Aber nur oben rum, unten kannst ja bequeme Jogginghose anziehen,“ nahm ich seine Sorgen noch nicht so ernst. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Zum einen sollte der Hintergrund jetzt nicht zu viel Privates preisgeben, als auch weit genug weg sein, damit nicht alle paar Minuten ein Kind ins Zimmer kommt, oder die Patienten Zeuge werden, wenn Feuerwehrmann Sam und Feuerwehrfrau Penny einen Brand löschen. Das tun sie nämlich bereits seit 7 Uhr morgens. Während sich für mich das selbst kreierte Martinshorn mehr wie ein Tinitus ins Ohr geschlichen hat, ist es für viele doch wahrscheinlich eher störend. Also blieb nur eine Option: unser Schlafzimmer! Eine schlichte, weiße Wand, ein kleiner Tisch und genug Abstand zum sonstigen Wahnsinn.

Soweit so gut – Problem gelöst, doch die Laune wurde nicht besser. Ich dachte, ich baue ihn auf, in dem ich ihm vorrechnete, wie viel Zeit er sparen würde, weil er nicht mehr fahren muss, brach er innerlich zusammen. „Ich liebe die Fahrerei! Ich brauche die Fahrerei,“ platzte es aus ihm heraus. Mein Mann fährt alle Wege mit Fahrrad und das 365Tage im Jahr. Kein Regen, kein Schnee, kein Sturm können ihn stoppen, aber die Videosprechstunde schon. Mein Vorschlag, dass er dann morgens einfach eine Runde joggen geht, kam nicht so gut an. Dafür fehlte ihm die Disziplin. Aufs Fahrrad steigen musste er jeden Tag, denn zur Arbeit kommen musste er ja. Vielleicht sollte ich ihm einen kleinen Heimtrainer kaufen, auf dem er strampeln kann, wenn er seine Videosprechstunde abhält. Oben hui, unten sportlich 😉

Und plötzlich ist alles anders…

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Wer hätte noch vor ein paar Wochen gedacht, wie kleine, gemeine Corona-Viren unser Leben auf den Kopf stellen? Erst fing es an, dass man genervt war, die Situation unverhältnismäßig oder übertrieben fand. Dann schlich sich langsam ein komisches Gefühl ein und jetzt weiß man einfach: die Lage ist ernst.

Ich glaube, die Lage ist derzeit für fast niemanden einfach. Risikopatienten leben in Angst, ein Großteil der Bevölkerung ist verunsichert, viele bangen um ihre Existenz und keiner weiß, was noch kommt und wie es weitergehen soll. Freitag bestand meine größte Sorge noch darin, wie ich meine Kinder fünf Wochen zu Hause bespaßen soll und nur ein paar Tage später bröckelt auch meine Existenz als Freiberufler. Doch es wird nicht nur mir so gehen, sondern vielen. Ich glaube, man darf die Hoffnung nicht verlieren. Jetzt ist die Parole durchhalten angesagt und danach wird alles wieder gut, wenn vielleicht auch anders.

Wichtig ist einfach, dass man sich bestmöglich an die Vorgaben hält, sich selbst vielleicht etwas mehr zurücknimmt, um andere nicht zu gefährden. Mehr denn je stehen jetzt die eigenen vier Wände im Mittelpunkt und man kann sich glücklich schätzen, wenn man sein zu Hause liebt und dort die Zeit gut überbrücken kann. Ich bin glücklicher als jemals zuvor, dass wir einen Garten haben. Es ist so gut, dass die Kinder einfach mal raus können und etwas Dampf ablassen. Natürlich sind sie gewohnt jeden Tag im Kindergarten Action zu haben und bespannt zu werden. Daher heißt es ab sofort bei uns zu Hause: Vorschule mit Mutti und körperliche Ertüchtigung zu den besten Hits der 90er. Heute morgen waren sie ganz begeistert, aber es sind ja auch nur noch mindestens 4 Wochen und 6 Tage, an denen ich sie dafür begeistern muss.

Haltet durch und bleibt gesund! Auch wenn die Situation nicht einfach ist. Immer dran denken: so geht es vielen. Wir stehen das durch und am Ende wird alles gut!

No milk today oder auch der fast perfekte Start in den Tag

Von der Hoffnung gemütlich mit einem Kaffee in den Tag zu starten, habe ich mich ja schon länger verabschiedet, aber der heutige Morgen übertraf all meine Erwartungen. Eigentlich begann alles wie immer. Mein Mann stand als Erster auf, kümmerte sich um die Vorbereitung des Frühstücks und weckte dann die Kinder. Alles schien normal zu verlaufen, bis ich aufgeregtes im ersten Obergeschoss vernahm. Den Geräuschen nach zu Folgen ging es Richtung Badezimmer. Sofort schossen mir sämtliche Gedanken durch den Kopf. Magendarm? Corona? Wie mache ich es mit Arbeit? Danach hörte ich Weinen gepaart mit wütendem Geschrei. Danach hektisches Auf- und Abrennen im Treppenhaus.

Ich versuchte noch meine Gedanken zu sammeln, als die Schlafzimmertür aufging und mein Mann ins Zimmer gestürmt kam: „Wir haben ein Problem! Die Milch ist schlecht. Die ganze Charge. Ich bin so sauer. Hier probier mal, ob die noch gut war?“ Ehe ich mich versah schüttete er mir Milch in den Mund. Hallo? Was war denn, wenn die schlecht war? Das riecht man doch? Doch es war zu spät – ich hatte die Milch ja bereits im Mund. Zum Glück schmeckte diese normal. Mein Mann rannte sofort wieder runter. Mit der Milch konnte er dann den Porridge erneut ansetzen und die Getränke für die Kinder machen. Doch auch das klappte nicht. Wer weiß, womit diese Charge verdorben war. Nicht, dass wir uns noch was einfingen. Sicherheitshalber schüttete er alles weg. Das Resultat: zwei heulende Kinder, die morgens ihre Milch tranken, und mein aufgelöster Mann, der die Milchindustrie verteufelte und bei dem sich Verzweiflung breit machte, weil wir ja jetzt kein Frühstück hatten.

Ich schaffte es, die Kinder zu beruhigen und da wir ja Brot und Aufschnitt hatten, war das Frühstück gesichert. Ich schien den Ernst der Lage nicht wirklich zu erkennen, aber mein Mann war immer noch außer sich vor Wut. Der ganze Ablauf war gestört. Auch den Tisch mit einem anderen Frühstück zu decken, fiel ihm sichtlich schwer. Normale Teller statt Schüsseln? Messer statt Löffel? In was für einer Welt leben wir denn eigentlich. Er konnte auch nichts essen – der Tag war gelaufen. Wie konnte das nur alles passieren. Ich wagte einen kleinen Vorstoß: „Aber riechst du denn nicht, wenn Milch schlecht ist oder guckst du aufs Haltbarkeitsdatum?“ Ich erntete einen bösen Blick und ein vorwurfsvolles: „Es ist früh morgens, da lese ich doch nichts, sondern handele ganz automatisch.“ Ah ja…Bevor mein Mann also irgendwelchen Milchlieferanten an den Kragen wollte und von Vergiftungen Albträume bekam, ging ich der Sache auf den Grund.

Der Auslöser der Krise war auch noch selbstverschuldet. Statt die gute H-Milch, schien ich wohl aus Versehen Frischmilch gekauft zu haben. Die wurde dann einfach in den Vorratsschrank geräumt und nicht gekühlt. Dumm gelaufen, ist aber so. Meinem Mann gehe ich lieber aus dem Weg, auch wenn ich ihm als Wiedergutmachung 24 Liter beste H-Milch gekauft habe. Bis zur nächsten Krise….

Die kleine Nina möchte bitte aus dem Ruheparadies abgeholt werden

Ach, das Wochenende steht vor der Tür. Wer träumt da nicht von Entspannung, Ausruhen und einfach mal relaxen. Seitdem ich Kinder habe, bleibt dieser Traum meist nur ein frommer Wunsch. Meist sind die Wochenende anstrengender als das Programm unter der Woche, denn meine Zwei sind den Kindergarten gewohnt und ihr perfektes Wochenende besteht vor allem aus einem: Action!

Doch selbst ist die Frau, also buchte ich mir einfach eine Auszeit. Herrlich! Vier Tage nur ich, mein innerer Frieden und Ruhe. Ich freute mich so sehr. Ich hatte mir ein schönes Hotel in den Bergen ausgesucht, mit Pool, Sauna und dem ganzen Zipp und Zapp. Es konnte nur großartig werden – ich spürte es. Kaum fuhr mein Zug ab, stellte sich die Entspannung schon ein. Ich sah fröhlich Serien auf dem Smartphone, schlürfte meinen Coffee to go und musste mich um niemanden kümmern. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, gönnte ich mir zum Abschluss des Tages noch etwas Schwimmband und Wellness und dann ab in die Federn. Serien gucken bis zum Abwinken und schlafen. Gegen 19 Uhr machte sich schon etwas Unbehagen breit. Es war schon sehr ruhig und auch total ungewohnt, dass niemand etwas von mir wollte. Naja, ich musste mich ja auch erstmal dran gewöhnen.

Der nächste Morgen begann ungewohnt früh. Wir halten fest: ich konnte ausschlafen – solange wie ich wollte und ich öffnete meine Augen um 4:47 Uhr! So früh werde ich nie wach, aber…Es half nichts. Ich konnte nicht mehr einschlafen. Also ließ ich mich vom TV berieseln und wartete darauf, dass es endlich 7 Uhr werden würde und ich frühstücken kann. Ein Frühstück so ganz ohne nörgelnde Kinder war anders. Es war vielleicht einfacher, aber es war auch so leise und irgendwie langweilig. Schnell war ich wieder auf meinem Zimmer widmete mich meiner Arbeit und war ganz froh, eine Aufgabe zu haben. Die dauerte auch noch so lange, dass an diesen Tag wenig Wellness war, aber ich hatte ja noch etwas Zeit. Der nächste Tag startete wieder um kurz vor fünf! Es muss die Bergluft sein. Ich war schon latent genervt von mir selbst, aber vielleicht hatte ich nicht genug Action. Also nach dem Frühstück wurde gewandert. Eiskalte, klare Luft, wunderschöne Natur, entspannende Stille – es war herrlich! Wahrscheinlich brauchten alle Stunden, um um den See zu spazieren – mir reichte eine. Ich genoss es, aber ich bin nicht so der Typ für langsames flanieren. Um auch sicher zu gehen, dass ich mich ausgepowert hatte und gut schlafen konnte, entschied ich mich noch für eine Runde Fitness am Abend.

Der nächste Morgen begann diesmal mit Muskelkater, aber wieder gegen 5 Uhr morgens. Es war zum Verzweifeln! Da kann man nach sechs Jahren endlich wieder ungestört schlafen und wer kriegt es nicht hin??? Auch war mir alles zu ruhig. Frühstück alleine am Morgen war nicht meins und somit wurde mein Aufenthalt dort auch immer kürzer. Ich fand mich damit ab, dass ich vielleicht doch nicht die Form der Ruhe und Entspannung brauchte, wie ich immer dachte. Ich liebe es am Morgen einen Kaffee ohne Geschrei und Gehetze zu trinken, aber danach darf man mich auch wieder stören. Und ja, Saunieren macht Spaß und ein entspanntes Bad ohne Lärm und Hektik, aber auch nur nach einem fordernden Tag.

Die Moral von der Geschicht‘: Urlaub allein ist nichts für mich! Ich dachte immer, dass wäre genau das, was ich brauche, aber ich glaube die Mitte macht’s. Entspannung, Action, das alltägliche Chaos und kurze Ruhepausen – das klingt wie Musik in meinen Ohren.

Ergotherapie für den Weltfrieden

Viele Eltern kennen es wahrscheinlich, dass man rund um die Uhr gut gemeinte Ratschläge bekommt. Und auch, wenn man die Ratschläge vielleicht für absurd hält, irgendetwas bleibt immer hängen. Bei meinem Sohn war der Kindergarten sehr vehement und der Ansicht: er kann nur noch mit Ergotherpie gerettet werden…

Ich weiß gar nicht mehr, wie es kam. Ich kam in den Kindergarten und wurde auf einmal von der Erzieherin zur Seite genommen und gefragt, wie ich die Entwicklung meines Kindes sehe. Ich fand und finde ihn ganz normal. Er war laut der U-Untersuchungen kerngesund und gut entwickelt. Also habe ich mir auch keine weiteren Sorgen gemacht. Ich Naivling. Auf meine Rückfrage, ob er irgendwie auffällig gewesen wäre, kam dann die Aussage, dass sie das Gefühl haben, dass er sich nicht spürt. Konkretisieren konnte man die Aussage natürlich nicht. Er spürt sich einfach nicht.

Noch hatte ich mir nichts dabei gedacht, aber am nächsten Tag lag dann die Visitenkarte eines Ergotherapeuten in seinem Kästchen. Ich sollte mich mal bei denen melden und könnte mich auch auf den Kindergarten berufen – so der Hinweis. Ich nahm die Karte mit und war schon verunsicherter als am Vortag. Stimmte etwas mit meinem Sohn nicht? Musste er anders entwickelt sein und ich sah es einfach nicht? Gab ich meinem Sohn nicht die beste Förderung? War ich eine schlechte Mutter? Meine Gedanken überschlugen sich und so wirklich wusste ich nicht, was ich tun sollte. Als wir gerade gehen wollten, kam die Leiterin des Kindergartens auf mich zu und fragte, ob ich die Karte gefunden habe. Sie erzählte mir auch, dass es heute wieder sehr auffällig war. Beim Händewaschen hatte man deutlich gesehen, dass er sich nicht spürt. Wie das genau aussah, konnte man mir wieder nicht sagen. Zu Hause tat ich natürlich was??? Richtig, mein Sohn musste Händewaschen. Es war vielleicht nicht mit absoluter Leidenschaft, aber so ungewöhnlich fand ich seine Art Händewaschen auch nicht.

Abends erzählte ich meinem Mann davon. Er – Allgemeinmediziner – war natürlich total dagegen. War er etwas auch so geblendet wie ich? Ich entschied mich einfach mal bei diesem Ergotherapeuten anzurufen. Das tat ich auch und legte nach wenigen Sekunden etwas schockiert wieder auf. Die nette Dame am anderen Ende der Leitung fand meinen Anruf komplett überflüssig, ich sollte mich an den Kinderarzt wenden und sie nicht nerven. Sehr nett…Würde der Kinderarzt Ergotherapie empfehlen, wusste ich, wo ich nicht hingehen würde. Aber natürlich vereinbarte ich einen Termin beim Kinderarzt.

Der tägliche Gang zum Kindergarten wurde ein kleiner Spießrutenlauf. Jeden Tag kam etwas neues. Sie hatten einen Ausflug zum Reiterhof gemacht und auf die Frage, wie es ihm denn gefallen hat, kam nur. „Er saß wie ein nasser Sack auf dem Pony. Überhaupt keine Körperspannung. Einfach richtig schlaff.“ Ich hörte schon, er hatte großen Spaß. Ich erzählte dann von meinem netten Gespräch mit der empfohlenen Praxis und meinem Termin beim Kinderarzt. Sie gaben mir dann noch die Empfehlung, dass das Ponyreiten aber eine sehr gute Möglichkeit war, damit mein Sohn Körperspannung aufbaut. Also ging ich ein paar Tage später mit meiner 6-Monate alten Tochter in der Trage, einem Pony und dem schlaffen Sack, aka meinem Sohn, fröhlich bei 30 Grad im Schatten immer fleißig Kreis. Ob es was geholfen hat….

Hoch zu Ross

An dem Tag, wo mein Sohn die Untersuchung hatte, ging er nicht in den Kindergarten, und es hat mich fast gewundert, dass sie mich nicht direkt angerufen haben, wie es gelaufen ist. Leider musste ich sie am nächsten Tag enttäuschen: Der Kinderarzt und auch eine Kinderpsychologin beschwingten mir, dass mein Sohn ideal entwickelt war und sprachen keine Empfehlung für Ergotherapie aus. Seitdem gab es auch keine Beanstandungen mehr beim Händewaschen…

Also Mütter da draußen – vertraut eurer Intuition und lasst euch nicht verrückt machen. Jedes Kind ist anders, entwickelt sich anders und wenn man Hilfe benötigt, ist es wichtig, diese auch anzunehmen. Aber nicht jeden Alarm sollte man sich zu Herzen nehmen.