„Ich wünsche mir eine Dobbe!“

Jetzt ist es fast ein knappes dreiviertel Jahr her, dass wir uns von unserem Hund nach über 16 gemeinsamen Jahren verabschieden mussten. Damit er sich nicht länger quälte, mussten wir ihn schweren Herzens gehen lassen. Doch auch nach dieser Zeit herrscht nicht wirklich Ruhe bei uns daheim in Bezug auf einen Hund.

Jeder war sich eigentlich relativ sicher, dass ich die Erste bin, die sich nach einem Ersatz und einem neuen Familienmitglied umschauen würde. Ich gebe zu, dass ich schon die Seiten der Tierheime beobachte, aber so wirklich zum letzten Schritt entschließen, konnte ich mich noch nicht. Zu groß ist einfach noch die Lücke, die da ist, und auch der Abschiedsschmerz ist bei mir nach den Monaten doch noch präsenter als ich gedacht habe. 

Doch es geht ja nicht nur um mich, sondern um die ganze Familie. Meine kleine Tochter weiß ganz genau, was für ein neues Haustier sie will: „Ich will einen Hund wie Evil nur in pink und in ganz klein. Dann kann ich ihn mit der Flasche füttern. Oder einen Hasen. In ganz klein, der auch mit der Flasche gefüttert wird und für immer klein bleibt.“ Nun ja, dass könnte schwierig werden du solange sie sich mit ihrer Babypuppe zufrieden gibt…

Bei meinem Sohn wird es etwas komplizierter: „Weiß du Mama, was mein Lieblingshund ist?“ Ich dachte an den Dackel meiner Schwester, an einen Mischling wie Evil, aber sein Lieblingshund hätte ich so nicht erraten. „Weiß ich nicht. Verrätst du es mir?“ „Eine Dobbe!“ Ich musste lachen: „Eine Dobbe? Die Hunderasse kenne ich gar nicht.“ Ich stellte mit eine Dogge gepaart mit einer Robbe vor. Spitzenkombination. „Diese ganz großen Hunde. So wie Opa die hat.“ „Das sind Deutsch Drahthaar.“ „Meinetwegen auch die.“

Die Lage war verzwickt weder pink noch Dobbe oder ein anderer Ersatz konnte uns richtig glücklich machen. Also habe ich den Entschluss gefasst, dass wir, und insbesondere ich, noch nicht bereit sind, diese Lücke zu schließen. Ach Evil, wenn ich damals gewusst hätte, wie sehr du mir fehlst, hätte ich unsere gemeinsame Zeit noch mehr wertgeschätzt als ohnehin schon. Du fehlst! 

Ich vermisse dich, Evil!

Habe ich es mit meiner Markenliebe übertrieben?

Das Schöne an Kindern ist, dass sie einem so oft – wenn auch ungewollt – den Spiegel vorhalten. Wenn meine Tochter mit ihren Puppen schimpft und der Satz fällt „Ich flippe gleich aus!“ – dann bekomme ich ein ganz leicht schlechtes Gewissen und erkenne mich nur ein ganz bisschen darin wieder. Doch neulich traf mich mein Spiegelbild doch sehr unverhofft.

Mein Sohn hatte einen Mückenstich und ich meinte nur, dass ich ihm gleich etwas Creme gegen das Jucken geben würde. Er schrie nur: „NEIN – ich will nicht, dass du mir Michael Kors drauf schmierst!“ Ich guckte ihn nur verdutzt an: „Was?“ „Kein Michael Kors – das brennt immer so.“ Ich versuchte ihn aufzuklären: „Nein, Michael Kors macht Taschen und auch Kleidung, aber keine Creme, die gegen Mückenstiche hilft.“ „Ist mir egal,“ protestierte er: „Ich will keinen Michael Kors.“ Richtig, dachte ich noch, denn den will Mama ja.

Ja, ich gestehe, MK macht mich glücklich!

Hatte ich es vielleicht mit der ständigen Wiederholung, was man Mama zum Muttertag, Geburtstag, Weihnachten und Co schenken sollte, übertrieben? War Michael Kors so präsent in seinem Kopf oder glaubte er wirklich, dass die Creme so hieß. Normalerweise kam er immer ganz stolz angelaufen und sagte nur: „Mama zum Geburtstag schenke ich dir Michael Horst!“ Fast dachte ich dann immer und korrigierte ihn brav: „Michael Kors nicht Horst! Und brav Papa sagen!“

Ja, ich gestehe! Ich mag Michael Kors und könnte mir monatlich eine neue Tasche kaufen. Jeder hat sein Laster, aber das jetzt die Mückenstich-Creme so hieß, missfiel mir schon. Dass unser Busch Rüdiger getauft wurde, das unbekannte Pferd auf der Weide nebenan Goofy hieß – damit konnte ich leben, aber nicht mit Michael Mücke Kors. Hinterher kommen sie noch auf dumme Gedanken und wenn ich sage, dass ich mir einen kleinen Kors wünsche, habe ich einen Autan-Vorrat für die nächsten zehn Jahre…Ab jetzt wieder Zurück-Konditioniert. Mücke bleibt Mücke und Kors bleibt Kors 😉 #Werbung, da Markennennung

Und jetzt alle…

Wenn deine Kinder selbst im Urlaub um 5:30 Uhr aufstehen, dann bist du sehr froh, wenn es endlich 19 Uhr wird und man so langsam anfangen kann, sie fertig zu machen und ins Bett zu bringen.

Doch jeden Abend um exakt 19 Uhr schallten laute Techno-Beats durch das Hotel und die Kinder-Disco war eröffnet. Das Wummern der Bässe trug nicht gerade dazu bei, dass sich meine Kinder in den Schlaf wiegen ließen. Wir sahen nur wie im Nachbargebäude viele aufgeregte kleine Kinder ihre Arme zum Himmel reckten und munter auf und ab sprangen.

Meine Kinder interessierte das nicht – sie waren müde. Und während sie bald fröhlich schliefen, hatte sich der Bass in mein Gehör gefressen. Ums, ums, ums….selbst das Tropfen des Regens schien sich dem Bass angepasst zu haben. Und so feierte ich innerlich jeden Abend ab 19 Uhr eine Party. Es klang auch gefühlt jeden Abend gleich. Normalerweise war dann um 20 Uhr die Kinderdisco beendet und das Programm für die Erwachsenen begann. Doch während Jazz-Musik angekündigt war, klang es für mich immer noch eher wie ein Hit der Vengaboys. Oho oho…

Und so sehr mir der Regen den Urlaub an der Ostsee und einen entspannten Strandurlaub verhagelte, so hatte er auch was Gutes. Normalerweise fand die Kinderdisco nämlich rund um den Pool und somit direkt vor unserem Balkon statt. Leider musste sie aufgrund des Wetters nach drinnen wechseln. Was ich zutiefst bedauerte, nachdem ich fast eines Todes gestorben bin, nachdem ich nichtsahnend eine Gruppe von Menschen passierte, als die Animateurin mal kurz zum Megafon griff. Des einen Leid ist des anderen Freud. Und nach zwei Tagen Dauerregen und Sturm bin ich auch bereit, den Pool morgen Abend mit meinen Discofreunden zu teilen, wenn sich dafür mal kurz die Sonne blicken ließe! 

Hallo!!!

Es war mir das erste Mal am Strand aufgefallen, dass ein junger, etwas untersetzter Herr mit dem Kinderwagen durch den Sand schob und immer wieder zu unseren Liegen guckte. Er kam mir vor wie ein Adler, der um seine Beute kreiste. Aber ich war ja im Urlaub, wo man entspannt ist – also sagte ich nichts. Auf einmal fing mein Mann fröhlich an zu winken: „Hallo?“ Und wer winkte fleißig zurück??? Natürlich – der Mann mit Kinderwagen im Sand!

Sonne, Strand und Starker – absoluter Traumurlaub…

„Woher kennst du den?“, fragte ich skeptisch. „Den habe ich gestern im Spielzimmer getroffen. Die kommen aus Erfurt.“ „Aha,“ nickte ich zustimmend. Namen wurden überbewertet, Herkunftsstadt ist alles, was man wissen muss. Erfurt fuhr also fleißig weiter durch den Sand und konnte sich nie so ganz von uns lösen. Als wir den Anschein machten, langsam die Liegen zu verlassen und Richtung Hotel zurückzugehen, machte auch er Umkehr und trottete Richtung Strandaufgang. Welch Zufall, dass man sich gerade dort traf. Mein Mann blieb natürlich brav stehen und so konnten München und Erfurt noch ein kurzes Pläuschchen halten. Am Abend war Erfurt bereits mit seiner Familie im Restaurant und rief uns schon von weitem zu: „Neben uns ist noch ein Platz frei.“ Ab hier nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Tag zwei im Urlaub und es gab keine Mahlzeit mehr, die wir nicht nebst Erfurt und Familie zu uns nahmen. Sie waren ganz nett, aber so ganz geheuer war mir die Sache noch nicht.

Mein Sohn machte beim Abendbrot eine unbedachte Äußerung: „Wir gehen gleich noch ins Schwimmbad!“ Ich sah nur das Blitzen in Erfurts Augen und war mir sicher, dass sich nach dem Essen noch jemand auf den Weg zum Schwimmbad machen würde. Und genauso kam es. Als wir ins Bad kamen, schwamm Erfurt schon fröhlich im Becken: „Hey, ihr auch hier?“ „Wie witzig,“ dachte ich noch. In diesem Moment war ich sehr froh, dass sie nicht unsere Zimmernummer kannten. Die Familie war sehr nett, aber so manches Mal war es auch etwas spooky. 

Wenn wir abends von unseren Tageserlebnissen berichteten, war uns Erfurt meist schon einen Schritt voraus. „Wir waren heute im Hafen in Kolberg!“ „Ich weiß, wir haben euch gesehen,“ antwortete er meist. „Danach waren wir am Strand.“ Und na klar, welche Antwort folgte: „Wissen wir, wir haben euch gesehen.“ Auch wenn wir gar nichts erzählten, schienen sie uns immer dicht auf den Versen zu sein. „Ihr ward heute wieder im Hafen, oder?“ „Ja!“, antworteten wir noch nichtsahnend. „Wir haben euer Auto gesehen. Wir haben uns gedacht, dass ihr bestimmt mit einem der Schiffe rausgefahren seid. Wir haben auch die Schiffe alle abgelaufen und geguckt, aber wir konnten euch nicht finden.“ So ein Pech aber auch…

Erfurt war aber nicht das einzige Urlaubs-Accessoir, dass mich manchmal etwas verzweifeln ließ. Er war ja ganz nett und auch unterhaltsam. Immerhin schrie er nicht wie ein Amphetamin auf Ecstasy. Davon gab es leider auch einige…to be continued

Möge die Schlacht beginnen

Ach, auf ein leckeres Abendessen freute ich mich sehr und ich war froh, dass wir diesmal Halbpension hatten und nicht noch nach einem Restaurant suchen mussten. Die Werbung im Hotel war vielversprechend, denn das Restaurant stand für Slow Cooking und Genuss. Es war noch recht früh am Abend und wir ausgehungert von der Fahrt. Hoffentlich würden wir nicht die einzigen sein, die sich um diese Uhrzeit zum Essen verirrten. Diesen Gedanken sollte ich ganz bald bereuen…

Wir öffneten die Tür zum Restaurant und ich hatte mehr das Gefühl, als würde ich einen Indoor-Spielplatz betreten – zumindest was die Lautstärke betraf. Es stand ja nichts von Ruhe auf der Werbung 😉 Wie in einem Ameisenhaufen rannten viele hungrige Menschen – von jung bis alt – wild durcheinander und beluden sich die Teller mit verschiedenen Spezialitäten. Erschlagen von der Lautstärke und der Hektik suchten wir uns einen Tisch, was nicht leicht war. Irgendwann fanden wir im zusätzlich aufgestellten Zelt noch vier freie Plätze. Ich wollte mir eigentlich nur einen Überblick über die Speisen verschaffen, doch schnell wurde mir klar: Das hier hatte nichts mit Genuss zu tun – die Lage war ernst! Jeder war sich selbst am nächsten und jedermann lädt auf so viel er kann! Vielleicht würde ja ab morgen Lebensmittelknappheit herrschen. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual? Denkste – einfach rein damit!

Der Strom riss mich vorbei am Salatbuffet und verschiedenen warmen Speisen. Ich erkannte teilweise gar nicht, was ich vor mir hatte, ich lud auf. So merkte ich, dass es kein Rotkohl war, den ich mir aufgeladen hatte, sondern rote Beete. Egal – rein damit! Die ganze Hektik veranlasste mich dazu noch schneller zu essen als ohnehin schon. Meine Kinder waren komplett überfordert und entschieden sich für trocken Brot. 

Mein persönliches Highlight folgte mit dem Dessert. Ich hatte schon Magenschmerzen vom schnellen Essen, zog aber für meine Tochter noch einmal in den Kampf. Sie wollte Wackelpudding – wie gefühlt alle anderen Kinder auch. Zwei Gläser der Begierde waren noch übrig, doch ich machte einen entscheidenden Fehler. Ich war irritiert, ob das eine Glas schon einmal probiert wurde. Am Rand klebte eine undefinierbare Masse. Doch dieses Ablenkungsmanöver war mein Verderben. Ehe ich mich versah griffen rechts und links von mir zwei kleine Hände beherzt zu und nahmen gleich den ersten Löffel noch am Buffet zu sich. „Jetzt noch einmal voller inbrunst über das restliche Kuchenbuffet husten, und die anderen haben auch noch Freude an eurem fehlenden Mundschutz,“ schnaubte ich innerlich in mich rein.

Warum auch immer war mein Appettit vergangen und ich brachte die frohe Kunde meiner Tochter. Alle waren etwas enttäuscht, nur mein Mann hatte gleich Bekanntschaft mit dem Nachbartisch geschlossen. Ein weiterer fataler Fehler, wie wir am nächsten Tag vielfach feststellen durften…To be continued

Urlaubszeit = Entspannungszeit?

Ich bin zwar sehr gerne zu Hause, aber ab und an habe auch ich gegen einen kurzen Tapetenwechsel nichts. Allerdings sind meine Ansprüche an Urlaub in den letzten Jahren nicht unbedingt gestiegen, aber sie haben sich geändert. Mit Kindern zu verreisen ist eh noch einmal anders, weil man auch guckt, dass die Kinder Spaß haben. Diesmal dachte ich, dass ich einen guten Kompromiss gefunden habe und wir alle etwas von einem Resort an der Ostsee hatten. Es klang vielversprechend und ich sah entspannende Stunden auf mich zukommen. Bei der Ankunft war ich etwas erstaunt, dass unser Gepäck von jemandem aufs Zimmer gebracht und das Auto geparkt wurde. Vielleicht war es das, was meine Erwartungen in die Höhe schnellen ließ? Umso mehr schmerzte der Fall, als ich das Zimmer betrat. Ich hatte extra ein Family Deluxe Zimmer gebucht. Es sollten alle genügend Platz haben und sich jeder aus dem Weg gehen können. Nun ja, ein Zimmer war es, aber von Deluxe und Platz war keine Spur. Als es sogar schwierig wurde, unsere Koffer ins Zimmer zu bekommen, machte sich erste Verzweiflung breit.

Wer braucht schon Platz und Entspannung im Urlaub?

Was war schief gelaufen? War es meine zu hohe Erwartung? Das Zimmer bestand aus einem Doppelbett und daneben ein Beistellbett für Kinder bzw. ein Kind. Das füllte das komplette Zimmer dann auch schon aus. Unsere Koffer füllten Bad und Flur. Ich hätte auf der Stelle umdrehen und nach Hause fahren können. Mein Mann blieb ganz pragmatisch: „Wir haben ja ein Bett zu wenig!“ „Und etwas Platz zum Atmen fehlt auch. Das soll Family Deluxe sein? Was habe ich denn da gebucht?“ Sofort nahm ich mein Handy, um alles in der Buchung noch einmal nachvollziehen zu können. Wir brauchten nicht nur ein weiteres Bett, auch ein Zimmer mehr war nötig, damit ich nicht nach drei Tagen Amok lief. So sehr ich meine Kinder liebe, aber abends brauche ich Zeit für mich und einfach Ruhe. Die Vorstellung gemeinsam für die nächsten sieben Tage jeden Abend im Bett zu liegen, fühlte sich nicht wirklich nach Urlaub an.

Ich war bereit, nicht nur direkt nach Hause zu fahren, sondern auch ein paar Euros draufzulegen, wenn ich aus dieser Lage befreit werden würde. Mein Mann wusste, dass meine Nerven blank lagen und machte sich auf den Weg zur Rezeption, bevor ich die Heimreise antreten konnte. Relativ schnell kam er wieder und hatte gute Nachrichten im Gepäck. Es war ein Fehler und wir mussten ein Stockwerk höher. Ich hechtete die Treppen nach oben. Leichte Panik machte sich breit, dass auch dieses Zimmer mein wahrgewordener Alptraum sein könnte. Ich hatte wohl mehr was von einem Rugby-Spieler kurz vor dem Touchdown, denn das Putzpersonal machte mir sehr schnell Platz und sprang zur Seite. Ich schob die Schlüsselkarte vor den Sensor, drückte die Klinke nach unten und stellte mich meiner Angst 😉

Erleichterung machte sich breit, als ich mich zumindest schon im Flur bewegen konnte und nicht ein Matratzenlager erblickte. Zwei Zimmer, ausreichend Platz und ein Balkon mit Blick auf den Pool. Ich war sehr erleichtert. Allerdings wirkte der schlechte Start noch nach und ich kam nicht wirklich ins Urlaubsfeeling. Gestresst und müde von der Fahrt gingen wir erstmal zum Essen. Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte…to be continued

Dress for success

Ich gehöre zwar zu den Menschen, die morgens die Augen aufschlagen und wach sind. Das heißt aber nicht, dass ich direkt am Morgen Drama und Diskussionen brauche. Doch meine Kinder haben einen starken Willen und gerade meine Tochter weiß, was sie will und setzt sich willensstark dafür ein. Das beginnt jeden Morgen mit der Kleidungsdiskussion. Meist übernimmt das mein Mann, doch als an diesem Morgen wieder hitzig diskutiert wurde, eilte ich zur Hilfe.

„Was ist denn los?“ „Ich will das blaue Kleid mit den roten Rosen anziehen,“ heulte meine Tochter. Ich dachte kurz nach und konnte mich an kein entsprechendes Kleid erinnern. „Meinst du das grüne mit den bunten Blumen?“ „Nein!“ Ich durchsuchte weiter fleißig den Kleiderschrank. „Hier das rosane mit den roten Blumen?“ Sie guckte mich böse an: „NEIN!“ Ich verzweifelte langsam: „Du hast kein blaues Kleid mit Blumen!“ „Habe ich doch!“ „Wo soll das denn sein? Im Schrank ist es nicht.“ Mein Mann schritt ein, da mein Frustrationslevel nach oben schnellte. „Vielleicht ist es in der Wäsche?“ Er rannte los und durchsuchte alles. Wie soll man denn ein Kleid finden, welches es gar nicht gab?

Er kam triumphierend wieder: „Ich habe es gefunden. Es hängt noch auf der Wäscheleine.“ Meine dreijährige Tochter guckte mich sehr vorwurfsvoll an: „Ich hab doch gesagt, dass ich ein blaues Kleid mit roten Blumen habe.“ Als ich es sah, fiel es mir wieder ein: „Ist ja gut. Das hatte ich vergessen,“ gestand ich ehrlich. Doch der Frieden hielt nicht lange. „Wir haben nur ein Problem,“ fügte mein Mann ein: „Es ist nass!“ „Das macht nichts,“ sagte meine Tochter schnell: „Ich ziehe es an und es kann an mir trocknen. Ich bin warm, aber ich habe kein Fieber.“ Der Blick ging wieder in meine Richtung. Ich war vielleicht immer etwas schnell mit dem Fieberthermometer…. Ich guckte meinen Mann an und wir beiden wussten, dass wir vor einer endlosen Diskussion standen würden, wenn das Kleid wieder zurück auf die Wäscheleine wandern würde.

Das Ende vom Lied: Mein Mann föhnte das Kleid und meine Tochter stand freudestrahlend daneben. Da hallte es auch schon aus dem anderen Kinderzimmer: „Wo ist meine gestreifte Unterhose? Ohne meine gestreifte Unterhose gehe ich nirgendwo hin!“ Ich hatte nichts gehört, verschwand in die Küche und brauchte erstmal einen Kaffee. 

„Rüdiger muss leben!“

Ich weiß nicht, ob es an den 30 Grad und der Sonne liegt, oder ob die Kreativität meiner Kinder einfach mal wieder mit ihnen durchgegangen ist. Heute kam mein Sohn zu mir und verkündete stolz: „Mama, wir haben eine neue Lebensaufgabe: Rüdiger muss leben!“ Gab es ein neues Kind im Kindergarten dessen Name ich vergessen habe? Ist Rüdiger ein Kuscheltier, von dem ich nichts weiß? Wer oder was ist Rüdiger und warum muss er leben? Ist er krank? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort bekam, denn die Mission Rüdigers Leben zu retten war im vollen Gang.

Wer sich fragt, wer oder was Rüdiger ist – hier kommt die Auflösung: Es gibt Rüdiger und es gibt viele kleine Rüdiger! Rüdiger kann tausende Eier abwerfen, aus denen dann kleine Rüdiger schlüpfen. Die Antwort ist also glasklar: Rüdiger ist eine Pflanze. Ich habe meine Kinder gebeten, dass Wasser aus unserem Pool aka Planschbecken zu schöpfen und die Blumen zu gießen. Aus dieser banalen Aufgabe wurde ein Kampf um Rüdigers leben. Wir haben Himbeeren, Blaubeeren, Johannbisbeeren, aber die echte Größe in unserem Garten scheint Rüdiger zu sein. Ein undefinierbarer Busch. Wir von der Tarantel gestochen rannten sie mit ihren wassergefüllten Eimern und gossen Rüdiger, um sein Leben zu retten.

Doch auch die kleinen Rüdigers / Rüdigere / also die Mehrzahl von Rüdiger musste gerettet werden. So goss man einfach jede Menge Wasser auf sämtliches Unkraut, also Rüdiger, und die, die nach der Flut noch den Kopf oben halten konnten, waren gerettet. Ganz naheliegend eigentlich 😉

Lang lebe Rüdiger!

Dass meine Kinder im Zoo und Wildpark alle Tiere mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßen oder mit dem entsprechenden Tiergeräusch – daran habe ich mich gewöhnt, aber dass sie jetzt auch mit Pflanzen sprechen. Zum Glück steht Rüdiger neben dem Klettergerüst. Daher kann man wunderbar Rüdiger beim Wachsen zusehen und ihm Durchhalteparolen wie „Du schaffst das, Rüdiger!“ zurufen. Auch seine Blätter werden gestreichelt und die herabfallenden vergraben. Das ergibt dann neue Rüdiger. 

Manchmal wüsste ich zu gerne, was in den Köpfen meiner Kinder vorgeht. Oder in denen meines Nachbars, der entspannt ein Sonnenbad nahm, bevor er Zeuge vom Kampf um Rüdigers leben wurde….

Sind wir nicht alle ein bisschen Corona?

So langsam hat sich Corona und die damit verbundenen Einschränkungen in mein Leben und in den Alltag geschlichen und sind dort fest verankert. Seit neustem schaue ich auch bei Filmen oder Serien genauer hin. Es kommt ganz automatisch, aber man sieht Menschen bei einem Meeting oder unterwegs und schon ploppt es in meinem Kopf auf: „Und was ist mit dem Mindestabstand?“ Auch bei manchen Serie, die aktuell unter Corona-Bedingungen gedreht und fortgeführt werden, sieht man an den Szenen, dass die Bestimmungen eingehalten werden, und bei manch Schauspieler war auch noch der Frisörbesuch anfangs nicht drin.

1,5 Meter lautet die Wunderwaffe 😉

Doch nicht nur beim Fernsehen denke ich an Corona. Letztlich musste meine Tochter tagsüber öfters niesen und als sie abends auch noch etwas verschnupft war, herrschte sofort Ausnahmezustand. Das Kind kann nicht in den Kindergarten, ihr Bruder bleibt auch zu Hause und mit Thermometer bewaffnet versuchte ich, die Situation in den Griff zu kriegen. Es war Fehlalarm und beide Kinder topfit, aber im Hinblick auf den Herbst und die kommende Erkältungszeit vielleicht eine gute Übung. Meinen Kindern fließt – auch schon vor Corona – meist von Oktober bis März die Nase. Wie soll das in diesem Jahr dann nur werden? Kinder wurden schon aus dem Kindergarten nach Hause geschickt, weil sie sich verschluckt hatten. Das wird mal wieder ein (Alp-)Traum.

Was mich allerdings am meisten an diesem Tag als die Kinder krank waren, faszinierte und gleichzeitig schockierte, war, dass wir sofort gefühlt wieder im Lockdown saßen. Der Tagesablauf war ohne etwas sagen zu müssen, identisch zu den zehn Wochen Home Office mit Kindern. Erst ließen sie mich arbeiten, dann stand Vorschule auf dem Programm, eine Runde Bewegung an der frischen Luft, Mittagessen, Ruhepause, freies Spielen und erneut Bewegung. Für mich fühlte es sich so an, als hätte es nie normalisierte Wochen dazwischen gegeben. Es war sofort wieder da! Und auch, dass die Kinder direkt mit in den Corona-Quarantäne-Trott fielen, macht mich etwas stutzig.

War das unser neues normal und die Entspannungsphasen mit geregeltem Kindergarten und Co nur eine Ausnahme? Sind wir jetzt alle in bisschen Corona? Ich weiß es nicht und ich weiß nicht, was kommt. Doch eins ist sicher: ich bin sofort startklar. Wenn ich eins gemerkt habe, dass ich den Lockdown wohl noch mehr in mir trage als mir lieb ist. Aber wer weiß, wofür es gut ist. Bei der Kindergarteneingewöhnung im September dürfen Stand jetzt die Eltern nicht mit ins Gebäude. Ja, wie auch immer das laufen soll. Aber da mein Sohn wahrscheinlich eh nur jeden zweiten Tag in die Schule gehen kann, ist es im Prinzip auch schon egal…

Meine Euphorie zwingt mich in die Knie

Wenn ich eins beherrsche, dann die gesamte Klaviatur der Emotionen rauf und runterzuspielen. Und das sowohl negativ, als auch positiv. Ich kann sehr betrübt sein und finde nur schwer einen Ausweg aus den negativen Gedanken, aber genauso kann ich auch sehr für ein Thema brennen, was mich fasziniert und euphorisiert.

Ich kann dann nur schwer auf die Bremse drücken, wenn mich ein Thema wirklich packt. Es fängt ganz normal mit reinem Interesse an, endet dann in ausgiebiger Recherche, denn wenn mich etwas interessiert, dann will ich alles dazu wissen. Doch am Ende liebe ich es auch noch ein Statement zu setzen, um meiner Anerkennung oder Bewunderung Ausdruck zu verleihen. 

Letztes Jahr haben wir beispielsweise im TV eine Dokumentation über Löwen gesehen. Ich bin eigentlich kein Katzenfreund, aber an diesem Abend haben sie mich gekriegt. Diese Stärke, diese Eleganz und diese Einsatzbereitschaft, wie die Löwinnen für Ihre Kinder kämpfen. Ich konnte nicht anders – ich war fasziniert! Ende vom Lied: Patenschaft für eine Löwin übernommen, WWF Patenschaft für Löwen in Afrika abgeschlossen, sämtliche Löwen in Zoos der Umgebung gesucht, Bücher zum Thema gekauft und gelesen und natürlich alle verfügbaren Dokumentationen zum Thema Löwen und Raubkatzen gesehen. Ach ja, ich habe auch noch meine Bilderwand im Arbeitszimmer mit Löwen-Fotografien ausgestattet und mein Mann hat mir – weil er meine Spleens gut kennt – noch eine tolle Löwen-Tasse geschenkt, die ich sehr liebe und die mir täglich meinen Kaffee versüßt.

Doch so ist das nicht nur Löwen, sondern mit vielen Bereichen in meinem Leben. Manchmal ist es so, dass wenn ich einen Termin habe, ich eine Vision habe, wie es ablaufen sollte, bzw. wie ich mich in dieser Situation sehe. Ergo muss auch das entsprechende Outfit her, die in meinen Augen meiner Persönlichkeit am besten Ausdruck verleiht. Da finde ich meistens noch was im Schrank, aber dann geht es an die Details. Die Tasche muss zu den Schuhen passen, die Größe der Tasche spielt eine Rolle, der passende Schmuck und glücklicherweise ist derzeit Sommer, denn die passende Jackie ist auch ein großes Thema. 

Letztes Wochenende hat mein Mann den Fehler gemacht und wir haben angefangen, manche Räume im Haus, die noch nicht 100%ig stimmen, zu optimieren. Lass mich nichts optimieren, denn das endet in einem Fass ohne Boden. Von der Anordnung der Möbel, über die Farbgestaltung bis zu Dekoration – ich habe das meiste schon vor meinem inneren Auge fest verankert. So kauften wir an dem Wochenende gleich noch Regale und einen Sekretär via ebay Kleinanzeigen. Dort paart sich dann meine Euphorie mit meiner Ungeduld. Wenn ich schon loslege, dann will ich auch schnell Ergebnisse sehen. Ich bin nicht zu gut zu haben, wenn Dinge langsam im Prozess entstehen. Ich will schnell Ergebnisse sehen.

Natürlich geht nicht alles über Nacht  das habe ich mittlerweile gelernt – und manches sollte man lieber nochmal überdenken und hinterfragen. Das habe ich gelernt, nachdem ich spontan ein Trampolin mit vier Meter Durchmesser gekauft habe, ohne mir Gedanken über die wahre Größe und den Platz im Garten zu machen. Keine gute Idee…Seitdem lasse ich meinen Emotionen freien Lauf, plane, suche und lege alle Artikel brav auf Merklisten und nicht mehr in den Warenkorb. So kann ich manches noch überdenken, doch ich gebe zu, dass ich nur sehr schwer zu stoppen bin, wenn ich für etwas brenne. Mein Verstand neigt sich eher dem Ende, wenn meine Leidenschaft entfacht….