Möge die Schlacht beginnen

Ach, auf ein leckeres Abendessen freute ich mich sehr und ich war froh, dass wir diesmal Halbpension hatten und nicht noch nach einem Restaurant suchen mussten. Die Werbung im Hotel war vielversprechend, denn das Restaurant stand für Slow Cooking und Genuss. Es war noch recht früh am Abend und wir ausgehungert von der Fahrt. Hoffentlich würden wir nicht die einzigen sein, die sich um diese Uhrzeit zum Essen verirrten. Diesen Gedanken sollte ich ganz bald bereuen…

Wir öffneten die Tür zum Restaurant und ich hatte mehr das Gefühl, als würde ich einen Indoor-Spielplatz betreten – zumindest was die Lautstärke betraf. Es stand ja nichts von Ruhe auf der Werbung 😉 Wie in einem Ameisenhaufen rannten viele hungrige Menschen – von jung bis alt – wild durcheinander und beluden sich die Teller mit verschiedenen Spezialitäten. Erschlagen von der Lautstärke und der Hektik suchten wir uns einen Tisch, was nicht leicht war. Irgendwann fanden wir im zusätzlich aufgestellten Zelt noch vier freie Plätze. Ich wollte mir eigentlich nur einen Überblick über die Speisen verschaffen, doch schnell wurde mir klar: Das hier hatte nichts mit Genuss zu tun – die Lage war ernst! Jeder war sich selbst am nächsten und jedermann lädt auf so viel er kann! Vielleicht würde ja ab morgen Lebensmittelknappheit herrschen. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual? Denkste – einfach rein damit!

Der Strom riss mich vorbei am Salatbuffet und verschiedenen warmen Speisen. Ich erkannte teilweise gar nicht, was ich vor mir hatte, ich lud auf. So merkte ich, dass es kein Rotkohl war, den ich mir aufgeladen hatte, sondern rote Beete. Egal – rein damit! Die ganze Hektik veranlasste mich dazu noch schneller zu essen als ohnehin schon. Meine Kinder waren komplett überfordert und entschieden sich für trocken Brot. 

Mein persönliches Highlight folgte mit dem Dessert. Ich hatte schon Magenschmerzen vom schnellen Essen, zog aber für meine Tochter noch einmal in den Kampf. Sie wollte Wackelpudding – wie gefühlt alle anderen Kinder auch. Zwei Gläser der Begierde waren noch übrig, doch ich machte einen entscheidenden Fehler. Ich war irritiert, ob das eine Glas schon einmal probiert wurde. Am Rand klebte eine undefinierbare Masse. Doch dieses Ablenkungsmanöver war mein Verderben. Ehe ich mich versah griffen rechts und links von mir zwei kleine Hände beherzt zu und nahmen gleich den ersten Löffel noch am Buffet zu sich. „Jetzt noch einmal voller inbrunst über das restliche Kuchenbuffet husten, und die anderen haben auch noch Freude an eurem fehlenden Mundschutz,“ schnaubte ich innerlich in mich rein.

Warum auch immer war mein Appettit vergangen und ich brachte die frohe Kunde meiner Tochter. Alle waren etwas enttäuscht, nur mein Mann hatte gleich Bekanntschaft mit dem Nachbartisch geschlossen. Ein weiterer fataler Fehler, wie wir am nächsten Tag vielfach feststellen durften…To be continued

Ein Gedanke zu “Möge die Schlacht beginnen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s