Bei Anruf Weltuntergang

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die, die du anrufst, wenn es dir schlecht geht, damit du dich danach besser fühlst, und die, die du nur anrufen kannst, wenn du richtig gut drauf bist.

Man muss ja nicht vor Optimismus strotzen, aber ich habe das Glück, dass ich sowohl im Familien- als auch im Freundeskreis ein paar Schwarzmaler habe, wo ich genau weiß: bei Anruf Weltuntergang.

Wenn das Telefon zweimal klingelt – Monstermäßig gute Gespräche

Doch es beschränkt sich nicht nur aufs Telefon. Auch WhattsApp steht bei meiner Familie hoch im Kurs und so manch einer hat noch nicht das Gespür, wie man solche Dienste nutzt und auch sich ausdrückt. So schrieb meine Mutter auf die Nachricht, dass wir unseren Hund nach 16 Jahren einschläfern mussten, nur „Glückwunsch“. Und auch die Nachricht, dass meine Oma verstorben ist, ging als Rundmail. 

Mein Vater hingegen ist ein großer Verfechter von Emoticons – allerdings ohne die Bedeutung zu kennen. Auf ungefähr jede Nachricht verschickt er ein „Rock On“-Zeichen 🤘 oder einen Bierkrug 🍺. Die Tücken der digitalen Kommunikation sind unergründlich, doch auch am Telefon wird man oft mit warmen Worten und ehrlicher Anteilnahme belohnt!

Meine Mutter meint, dass sie uns Kinder oft auf den schlimmsten Fall vorbereiten muss. So können wir dann nur positiv überrascht werden – allerdings kostet das sehr viel Energie und Kraft. Als es mit Corona losging, haben wir natürlich telefoniert. Bisweilen war es nur ein Virus für mich, der mich zwar nervte und einschränkte, aber meine Angst und Panik hielten sich in Grenzen. Auf die Frage, wie es uns geht, antwortete ich ganz automatisch: „gut. Alle sind gut drauf!“ Doch die Antworte und die Richtung, die dieses Gespräch zu nehmen drohte, kam prompt: „Noch!!!“ „Ja, ich glaube nicht, dass das für uns so viel ändern wird!“ „Natürlich! Die Kinder werden nach ein paar Wochen zu Hause durchdrehen. Das kann doch nicht lange gut gehen!“ „Mal gucken, wie lange der Zustand wirklich andauert. Zum Glück haben wir ja den Garten.“ Ich Naivchen, wie konnte ich denn nur das nächste Fass aufmachen: „Um Gottes Willen ja. Wie wollt ihr das denn alles finanzieren? Wie wollt ihr für die Raten für das Haus aufkommen? Mit der Miete kann man ja jetzt zum Glück aussetzen, aber ihr?“ Wir waren verloren – definitiv. Warum mussten wir uns auch ein Haus kaufen und nicht zur Miete wohnen. „Ja, aber wir können die Raten ja zahlen. Wir haben ja noch unsere Arbeit, nur ich etwas eingeschränkter wegen der Kinder und der Auftragslage.“ „Das ist doch erst der Anfang – das wird alles noch viel schlimmer.“ Alles klar, ich sah es ein. Wir waren verloren. Was ist schon Corona gegen dieses schwarze Loch, in dem wir lebten????

Doch nicht nur innerhalb der eigenen Familie, auch im Freundeskreis gibt es viele Zweifler, die den meinigen Lebensweg mit Argwohn beäugen und für die Zukunft eher so dunkelblau bis schwarz sehen. Ich weiß, dass es nicht immer so böse gemeint ist, wie es sich anhört. Aber ich kann nicht verbergen, dass es mich manchmal härter trifft als ich zugebe. Das Leben muss ja nicht immer eine rosarote Zuckerwattewolke sein und es gibt Situationen, in denen ich lieber etwas nettes als vielleicht etwas sehr Realistisches hören würde, aber eins ist sicher: Sollte die Welt mal untergehen, ich bin vorbereitet 😉

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