ABC – die Mama ertränkt sich im See

In Zeiten von Corona fällt Vorschule im Kindergarten aus, also muss die Mutti ran. Meinem liebsten Online-Shop sei dank haben wir sämtliche Vorschulblöcke und Hefte. Nachdem er alles brav gekringelt, gemalt und gezählt hat, lernen wir nun Buchstaben und bilden erste Worte. Das Alphabet kann er – brav auswendig gelernt – runterbeten. Auch fällt ihm zu jedem Buchstaben ein Wort ein. Da es exakt immer eins ist, kam mir die leise Vermutung, dass er auch das auswendig gelernt hatte…

Vorschul-Verzweiflung am Morgen vertreibt bestimmt anderen Kummer oder Sorgen!

Also musste er mir zur Feier des Tages ein zweites Wort nennen. Wir starteten mit A und den abgebildeten Apfel konnte er mir auch noch nennen. „Fällt dir noch ein Wort ein, welches mit A beginnt?“ „Also, Tasse ist es nicht.“ „In Tasse ist auch ein A, aber wir wollen ja ein Wort finden, welches mit A beginnt. Vielleicht fällt dir ja ein Tier ein?“ „Bär vielleicht?“ Meine Halsader fängt schon leicht an zu zucken. 

Geduld zählt nicht zu meinen Stärken, aber ich gebe mir größte Mühe. „Nein, es soll A am Anfang haben. Das Tier lebt in den Bäumen.“ „Eichhörnchen,“ triumphiert er. „Wo hat das Wort Eichhörnchen denn ein A?“ Vielleicht liegt ihm ja die Welt der Tiere nicht. „Ein anderes Wort wäre zum Beispiel, die Dinger an Straßen, wo man mit dem Auto halten muss.“ „Parkplatz!“ Okay, ich gebe auf. „Gibt es irgendeinen Buchstaben im Alphabet, wo du mir ein Wort nennen kannst, das mit dem Buchstaben anfängt.“ „Ja, das T! Tasse oder auch Theo.“ Den Namen seines besten Freundes kann er – immerhin.

Motiviert und vorsichtig optimistisch versuche ich es weiter. „Und gibt es noch ein Wort mit T?“ „Bestimmt.“ „Fällt dir vielleicht eines ein?“ „Banane, aber das ist ja mit A.“ „Banane fängt mit B an, aber wir suchen ja ein Wort mit T. Worauf schießt du denn beim Fußball?“ „Ja den Ball.“ „Nein, dass meine ich nicht. Es fängt mit T an.“ „Fußball?“ Er guckt mich fragend an. „Ich meinte, das Tor. T-O-R.“ „Ach so.“ War anscheinend zu einfach. 

„Und wo machst du Pipi?“ „Klo!“ „Ja, an sich schon, nur ein anderes Wort und mit T.“ „Im Badezimmer?“ „Nein, Klo nennt man doch auch…“ „Scheißhaus!“ „Ich meinte Toilette.“ „Ach so.“ Meine Halsader zuckte und ich wurde leicht säuerlich. Es ist ein Segen für alle, dass ich niemals Lehrer werden wollte – ich wusste schon warum. Meine Kinder haben es dagegen nicht so leicht. Meine aufsteigende gute Laune schien auch meinen Sohn zu verunsichern. Schnell wollte er mich von seinem Können überzeugen: „Mit U fallen mir ganz viele Wörter ein. Uhr (natürlich brav ostwestfälisch U-A-H ausgesprochen).“ „Super und welche noch?“ „Uah-Opa oder Uah-Oma. Guck, da kenne ich schon drei Worte.“ Alle guten Dinge sind drei, denke ich mir, und verlasse mal kurz den Raum.

2 Gedanken zu “ABC – die Mama ertränkt sich im See

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