Diese Zeit im Jahr….

Ich glaube, als wir letztes Jahr umgezogen sind, war ein Gedanke von meinem Mann: endlich wieder freie Sicht durch alle Fenster. Ich gebe zu, dass ich nicht der größte Fensterputzer-Enthusiast bin, aber daran lag es nicht. Jedes Jahr im Frühjahr erwacht mein großer Feind, aber im Laufe der Zeit, habe ich gelernt, erfolgreich dagegen anzukämpfen.

Es sind keine Sonnenstrahlen, die die Dreckschicht auf der Fensterscheibe preisgeben, nein, mein Feind fliegt, ist klein, nervig und sticht: Mücken! Ich hasse Mücken! Alleine die Vorstellung von dem Sirren reicht schon, um mich nachts wach zu halten. Daher habe ich sämtliche Fenster verbarrikadiert und zwar mit Mückengittern. Alles nicht so schlimm, aber wie macht man das bei Dachfenstern? 

Im Kinderzimmer meiner kleinen Tochter war im alten Haus ein Dachfenster und es musste geschützt werden. Warum auf eine einfach Lösung setzen, wenn es auch kompliziert geht. Ein normales Gitter ging nicht, daher habe ich ein ganz tolles Mückennetz mit Reisverschluss gekauft. Es wurde quasi um die Dachfensterverkleidung angebracht und dank des Reisverschlusses konnte man die Hand durchstrecken, um das Fenster zu öffnen. Ein Traum für mich – optisch eher gewöhnungsbedürftig. Ein Kleinkind konnte definitiv damit leben.

Doch im neuen Haus gibt es zwei Dachfenster und zwar im Master Bedroom. Im Prinzip ist mein Mann selbst schuld, als er die neuen Dachfenster geordert hat – ohne integrierten Mückenschutz. Also war es wieder Zeit, um kreativ zu werden. Die erste Idee war noch etwas romantisch. Welches Mädchen träumt nicht von einem Himmelbett. Also bestellte ich ein großes Netz, dass wir über dem Bett aufhängten und unseren Schlafplatz zum Himmelbett mit integrierten Schutz gegen die kleinen, nervigen Biester machte. In der Theorie überzeugte diese Variante und es sah auch nur so semi-beschissen aus. Vielleicht war unsere Decke zu hoch, der Schutz nicht lang genug, aber so 100% ig haute es nicht hin. Und es war leider nicht von langer Dauer. In der ersten Nacht streckte mein Mann sein Bein beim Schlafen intuitiv aus dem Bett und bei der nächsten Drehung folgte ihm das Netz samt Harken. Wir fühlten uns mehr wie zwei Fische im Netz und damit fiel Variante eins durch und meine Mann war nicht nur aufgrund der nächtlichen Unruhe leicht genervt von mir.

Gegen mich haben Mücken keine Chance!

Die Lösung mit dem Reisverschluss war auch keine echte Alternative und nervte am Ende selbst mich, daher war es auch kein adäquater Weg. Mückenschutz nachzurüsten, kostet einiges, was ich mir in Zeiten von Corona lieber ersparen wollte. Also war Kreativität gefragt und die fabulöse Erfindung, dass Mückennetz wie eine Art Spannbettlaken an vier Harken um das Fenster herumzuspannen. So kann man es an einem Harken lösen und das Fenster ganz normal öffnen und schließen. Tolle Sache, gleich gekauft, installiert und was soll ich sagen??? Vielleicht habe ich mich etwas vermessen und aber so wirklich unter Spannung war das Netz nicht. Ich hätte mich vielleicht nicht ganz so auf mein Augenmaß verlassen sollen. Auf jeden Fall ziert jetzt zumindest eins der beiden Fenster ein etwas durchhängendes weißes, teil transparentes Mücken-Schutz-Bettlaken, welches dem Raum jetzt nicht wirklich ein stylisches Ambiente verleiht. Immerhin kommt so kein kleiner Quälgeist – also Mücken – mehr rein. Mein Mann war nicht begeistert, doch nachdem ich versprach, dass ich die andere, bereits erstandene Variante nicht aufhänge, war er etwas milder gestimmt.

Und wer sich jetzt denkt: Was stellt sich die Alte denn so an? Zur meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich als Kind allergisch auf Insektenstiche reagiert habe, was kein Spaß war. Und wer wie ich mit seiner besten Freundin mal zum Outlet-Shopping nach Holland gefahren ist und den vorher eine Mücke ins Augenlied gestochen hat, der weiß mein Leid zu teilen. Ich sah nicht nur aus wie Axel Schulz zu seinen besten Zeiten,  und das obwohl ich mich doch kampflos der Mücke ergeben hatte, sondern mein Augenlied erinnerte von Minute zu Minute immer mehr an eine frisch aufgespritzte Oberlippe. Ein Volumen und dass vollkommen natürlich und ohne Botox. Nicht, dass jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt….

Na, wie haben wir uns geschlagen?

Wahrscheinlich bin ich in der heutigen Zeit nicht mehr die einzige, die virtuelle Familientreffen hat. Nach dem das gemeinsame Beisammensein in diesem Jahr durch Corona nicht stattfinden konnten, trafen wir uns virtuell. Das stellte jeden vor eine andere Herausforderung. Der eine musste sich seit Tagen mal wieder etwas Ordentliches anziehen und sich nicht ganz so hängen lassen, wir mussten dafür sorgen, dass die Kinder gut mitspielten und dann war da ja noch die Technik…. 

Ich weiß, dass manche Generationen besser als andere damit umgehen können, aber meine Mutter und ihr Mann gehören eher zu der Sorte „Ich habe das Internet gelöscht“. Meine kleine Schwester und ich hatten immer gehofft, dass unsere Eltern niemals WhattsApp für sich entdecken, aber zu spät. Während unser Vater ein Freund der Emoticons ist und im Zweifelsfall zu allem ein Bierkrug oder das Rock On Emoji schickt, hat unsere Mutter gelernt, wie man Inhalte weiterleiten kann. Und täglich grüßt ein neues Youtube-Video. Wie gut, dass wir die Stumm-Funktion kennen.

Zu unserem virtuellen Familientreffen versammelten sich also alle verstreut auf der Welt vor ihren Laptops. Man sah Bilder von allen, nur bei meiner Mutter war der Bildschirm erst schwarz und danach sah man neben einem korpulenten Mann, auch einen netten Haaransatz am unteren Rande des Bildes. Sie hatten allerdings den Computer extra auf die Terrasse gestellt, damit wir möglichst viel vom Garten sehen konnten. Ich hoffe, dass es an dieser Stelle der Laptop und nicht der PC war. Da der Ton lief, kam man schnell ins Gespräch und wir genossen die blumige Aussicht. Nur mein Sohn war von den sprechenden Haaren irritiert und fragte vorsichtig, wer denn der Strohballen neben dem Dicken ist. Wir waren sehr froh, dass wir in diesem Moment das Mikrofon ausgeschaltet hatten. „Der Strohballen ist Oma und der Dicke ist Fritz.“ Mit diesem Wissen schien die Videokonferenz wieder mehr Spaß zu machen. Während der Dicke tolle Buchtipps gab, bewegte sich der Strohballen seicht im Wind. 

Video-Konferenz mit besonderen Anblicken…

Jeder Versuch die Bildschirmposition zu ändern, scheiterte, doch da man sich wohl selbst am liebsten reden hörte, schien es auch weder den Dicken noch den Strohballen zu interessieren. Sie hatten den Siegeszug in die Internet-Video-Konferenz angetreten und waren im neuen Zeitalter so was von mit links angekommen. Meine Schwester musste auch noch Manöverkritik abliefern, nachdem meine Mutter sie fragte, wie sie sich denn geschlagen haben. Es war keine Konferenz, es war eine Schlacht. Und der Gegenschlag erfolgt an ihrem Geburtstag, denn dann gibt es die nächste Schlacht via Internet und Video-Chat. Ich bin sehr gespannt, was wir diesmal zu sehen bekommen. Zwei sprechende Bauchnabel, im Takt des Sprechgesangs wippende Füße oder auch ein schöner Rücken könnte entzücken???

Akzeptiert oder resigniert?

Die aktuelle Situation rund um den unsichtbaren Feind macht wahrscheinlich jedem auf seine Art und Weise zu schaffen. Neben Existenzängsten fühlen sich viele sehr alleine oder haben eine ähnliche Situation wie ich, in der die Kinder um einen rumtoben, man nebenbei versucht Haushalt und Job noch unterzukriegen, und über jeden Moment der Ruhe glücklich ist.

Am Anfang habe ich mich wahnsinnig machen lassen. Jeder weiß, dass ich jetzt nicht zwingend zu den spontansten Leuten gehöre und da ich gerne plane und organisiere, macht mir die Ungewissheit, die Corona mit sich bringt, zu schaffen. Zum einen sind es Projekte, die wegbrechen und ich theoretisch neue Auftraggeber suchen müsste, dann sind da aber auch meine Kinder. Solange sie nicht in den Kindergarten gehen können, kann ich auch nicht wieder voll in meine Arbeit einsteigen.

Die ersten Wochen vergingen ein bisschen wie unter Schock. Man wusste nicht genau was kommt, hat seine Arbeit nach besten Wissen und Gewissen erledigt und versucht das Beste für die Kinder zu tun und nebenbei noch Haushalt und Co zu wuppen. Dann kam die zweite Phase, wo einem klar wurde, dass dieser Zustand nun länger andauern wird. Also versuchte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und einen Rhythmus einzuführen, der allen den Tag erleichterte und strukturierte. Aufträge wurden storniert und ich schwankte zwischen Resignation, Panik und Aktionismus.

Mittlerweile befinde ich mich gefühlt in Phase drei. Es läuft alles soweit und ist okay. Ich habe die Situation akzeptiert und kann sie nicht ändern. Ich versuche das Beste daraus zu machen und die Zeit für mich in irgendeiner Form zu nutzen. Vor Beginn diesen Jahres hatte ich den Entschluss gefasst, manche Projekte aus unterschiedlichen Gründen abzustoßen. Ich wollte mehr Zeit für mich und mal Distanz zu meinen Jobs bekommen. Quo vadis? Wo wollte ich zukünftig hin? Was ist das große Ziel? Diese Fragen haben sich ein Stück weit gelegt.

Auch wenn der jetzige Zustand von außen erzwungen wurde und nicht meine freie Entscheidung war, so muss ich nach acht Wochen Quarantäne sagen, dass ich ruhiger geworden bin. Ob ich resigniert oder es akzeptiert habe, weiß ich noch nicht wirklich. Momentan fühlt es sich eher wie Akzeptanz an, denn ich bin in gewisser Form zufrieden. Den Abstand, den ich immer wollte, habe ich bekommen, wenn auch in anderer Form. Natürlich kann man sich einreden, dass es nicht immer so weitergehen wird – beruflich gesehen. Als Freiberufler ist man Schwankungen unterlegen, wobei ich mich in den letzten Jahren immer steigern konnte. Dieses Jahr wird das nicht so sein und es ist okay für mich, wenn auch nicht leicht.

Natürlich bin ich die meiste Zeit des Tages auch mit meinen Kindern beschäftigt und auch, wenn ich manchmal schreien könnte, bin ich sehr dankbar für meine Familie. Gerade in den schwierigen Zeiten funktionieren wir. Meine Kinder machen gut mit und auch mit meinem Mann bin ich ein eingespieltes Team. Was vorher manchmal zu Auseinandersetzung führt, ist in Zeiten, in denen es darauf ankommt, kein Thema. Und ich bin gerne für meine Kinder da. Es ist mir wichtig, dass es ihnen gut geht und ich in dieser auch für sie schwierigen Zeit, das Beste für sie versuche zu machen. 

Und auch für meine Freunde bin ich dankbar. Der Kontakt ist anders, aber mit den wichtigsten Menschen immer da. Man bekommt auf einmal Wertschätzung auf andere Art und Weise. Sei es durch eine Faultier-Tasse oder eine Box voller Glücksmomente, die mich unerwartet erreicht und erhellt haben. Auch ein spontanes Telefonat mit meiner besten Freundin fühlt sich vertraut an, gibt einem eine gewisse Normalität zurück und tut so gut, was ich vorher manchmal vergessen habe und jetzt noch mehr wertschätze. Auch wenn ich in dieser Zeit nur zweimal Leute außerhalb meiner Familie mit dem gegebenen Mindestabstand getroffen habe, so war es beide Male wie ein Kurzurlaub und einfach sehr, sehr schön.

All das macht mich dankbar und auch zufrieden. Auch wenn die Welt nach Corona vielleicht nicht mehr so wird, wie sie war, haben wir die Chance das Wichtigste aus der Krise mitzunehmen.  

Should I stay or should I go?

Wie so oft im Leben merkt man erst nach einiger Zeit, dass man das ganz große Los gezogen hat – NOT. In diesem Fall sind leider die Kinder die Leidtragenden. Mittlerweile sind sie seit über acht Wochen zu Hause und sie schlagen sich gut. Doch wenn ich von anderen Eltern höre, dass der Kindergarten einen virtuellen Morgenkreis anbietet, Geschichten via Video vorgelesen werden oder den Kindern sogar zu Ostern ein Geschenk von ihrem Kindergarten vor die Tür gelegt bekommen haben, bin ich sehr froh, dass ich es weiß und nicht meine Kinder.

Es geht natürlich nicht ums Geld, sondern nur um die Kinder…

Viele werden in Zeiten von Corona sehr kreativ – zumindest die Unternehmer, die Angst um ihre Existenz haben und wirklich alles geben. Mein Sohn macht Taekwondo und spielt Fußball. Beide Anbieter haben wöchentliche Online-Trainings eingerichtet, bieten den Kindern Bastelanleitungen und geben sich große Mühe. Dort finde ich es nur selbstverständlich, dass man diese Firmen weiter unterstützt und diese Zeit zusammen durchsteht.

Genauso sehe ich das eigentlich beim Kindergarten. Unser Kindergarten kämpft nach Aussagen der Leitung, ums Überleben. Es hat sich nur nichts für sie geändert, außer dass sie nicht vor Ort sind und nichts leisten. Keine Kurzarbeit, kein Zwangsurlaub – nur keine Kinder. Auch die Aussage, dass das Team sehr kreativ mit dieser Zeit umgeht, ist für die betroffenen Eltern ein Hohn. Vielleicht dekorieren sie ihr zu Hause oder verwirklichen sich auch welche kreative Art und Weise auch immer, aber mit den Kindern oder den Umgang in dieser Zeit hat es definitiv nichts zu tun.

Für die Kleinen ist es schon schwer genug auf ihre Freunde zu verzichten und meine dreijährige Tochter weiß zwar, dass es Corona-Virus gibt, aber natürlich versteht sie es nicht. Daher hätte man sich als Eltern für seine Kinder einfach eine Unterstützung gewünscht, so dass zumindest versucht wird, Kontakt zu halten.

Bei uns kommt allerdings der große Kracher noch dazu. Neben den üblichen Gebühren, die sich bei zwei Kindern auf knapp 1000 Euro belaufen, war die Leitung so gütig, uns das Essensgeld zu erlassen. Wir haben daraufhin den Dauerauftrag entsprechend angepasst und leider nicht bemerkt, dass sich die Ausführung des Auftrages automatisch auf den nächsten Monat aktualisiert hat. Also haben wir in diesem Monat nicht rechtzeitig gezahlt. Gemerkt haben wir dies erst, als uns ein böser Brief ins Haus flatterte, in dem uns mit Sonderkündigung gedroht wurde, wenn wir nicht binnen zwei Werktagen den Betrag zahlen. So verfestigte sich der ohnehin schon sinkende Eindruck von dem Kindergarten erneut. Wenn man nach über drei Jahren regelmäßiger Zahlungen, die immer ausnahmelos pünktlich waren, einmal die Zahlung – aus welchen Gründen auch immer – nicht fristgerecht da ist, sollte man vielleicht das Gespräch suchen oder eine Mahnung schicken, aber sofort mit Kündigung zu drohen, zeigt schon deutlich, um was es bei diesem Kindergarten geht.

Auch wurde nie darüber informiert, welche Corona-Maßnahmen was für die Betreuung der Kinder bedeuten, doch als Markus Söder verkündete, dass die Eltern in Bayern die nächsten drei Monate keine Kindergarten-Gebühren zahlen müssen, wenn die Einrichtungen geschlossen bleiben, kam postwendend eine Email der Leitung. Diese Aussage wäre nicht konkret genug und wir müssten ungeachtet dessen weiterzahlen. Natürlich nur zum Wohle der Kinder….

ABC – die Mama ertränkt sich im See

In Zeiten von Corona fällt Vorschule im Kindergarten aus, also muss die Mutti ran. Meinem liebsten Online-Shop sei dank haben wir sämtliche Vorschulblöcke und Hefte. Nachdem er alles brav gekringelt, gemalt und gezählt hat, lernen wir nun Buchstaben und bilden erste Worte. Das Alphabet kann er – brav auswendig gelernt – runterbeten. Auch fällt ihm zu jedem Buchstaben ein Wort ein. Da es exakt immer eins ist, kam mir die leise Vermutung, dass er auch das auswendig gelernt hatte…

Vorschul-Verzweiflung am Morgen vertreibt bestimmt anderen Kummer oder Sorgen!

Also musste er mir zur Feier des Tages ein zweites Wort nennen. Wir starteten mit A und den abgebildeten Apfel konnte er mir auch noch nennen. „Fällt dir noch ein Wort ein, welches mit A beginnt?“ „Also, Tasse ist es nicht.“ „In Tasse ist auch ein A, aber wir wollen ja ein Wort finden, welches mit A beginnt. Vielleicht fällt dir ja ein Tier ein?“ „Bär vielleicht?“ Meine Halsader fängt schon leicht an zu zucken. 

Geduld zählt nicht zu meinen Stärken, aber ich gebe mir größte Mühe. „Nein, es soll A am Anfang haben. Das Tier lebt in den Bäumen.“ „Eichhörnchen,“ triumphiert er. „Wo hat das Wort Eichhörnchen denn ein A?“ Vielleicht liegt ihm ja die Welt der Tiere nicht. „Ein anderes Wort wäre zum Beispiel, die Dinger an Straßen, wo man mit dem Auto halten muss.“ „Parkplatz!“ Okay, ich gebe auf. „Gibt es irgendeinen Buchstaben im Alphabet, wo du mir ein Wort nennen kannst, das mit dem Buchstaben anfängt.“ „Ja, das T! Tasse oder auch Theo.“ Den Namen seines besten Freundes kann er – immerhin.

Motiviert und vorsichtig optimistisch versuche ich es weiter. „Und gibt es noch ein Wort mit T?“ „Bestimmt.“ „Fällt dir vielleicht eines ein?“ „Banane, aber das ist ja mit A.“ „Banane fängt mit B an, aber wir suchen ja ein Wort mit T. Worauf schießt du denn beim Fußball?“ „Ja den Ball.“ „Nein, dass meine ich nicht. Es fängt mit T an.“ „Fußball?“ Er guckt mich fragend an. „Ich meinte, das Tor. T-O-R.“ „Ach so.“ War anscheinend zu einfach. 

„Und wo machst du Pipi?“ „Klo!“ „Ja, an sich schon, nur ein anderes Wort und mit T.“ „Im Badezimmer?“ „Nein, Klo nennt man doch auch…“ „Scheißhaus!“ „Ich meinte Toilette.“ „Ach so.“ Meine Halsader zuckte und ich wurde leicht säuerlich. Es ist ein Segen für alle, dass ich niemals Lehrer werden wollte – ich wusste schon warum. Meine Kinder haben es dagegen nicht so leicht. Meine aufsteigende gute Laune schien auch meinen Sohn zu verunsichern. Schnell wollte er mich von seinem Können überzeugen: „Mit U fallen mir ganz viele Wörter ein. Uhr (natürlich brav ostwestfälisch U-A-H ausgesprochen).“ „Super und welche noch?“ „Uah-Opa oder Uah-Oma. Guck, da kenne ich schon drei Worte.“ Alle guten Dinge sind drei, denke ich mir, und verlasse mal kurz den Raum.

Opa, der Womanizer

Da ja gestern Muttertag war, dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und erkläre meiner dreijährigen Tochter, wie so die familiären Zusammenhänge sind. Mein sechsjähriger Sohn glaubt zwar auch immer noch, dass mein Vater mit zwei Frauen verheiratet ist, wovon eine meine Schwester ist, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Opa und seine Frauen

„Weißt du denn, von wem Oma die Mama ist?“, frage ich meine Tochter. „Ja, von mir.“ „Ich dachte, ich bin deine Mama.“ „Ja, du auch.“ „Oma ist aber meine Mama und deine Oma.“ „Aha!“ Naja, vielleicht war das noch nicht der Weisheit letzte Schluss, also fange ich mit etwas greifbarerem an. „Hast du denn Geschwister?“ „Ja, Niklas.“ „Und Niklas ist dein?“ „Meine Schwester!“ „Ist Niklas nicht dein Bruder?“ „Ja, mein Bruder und ich bin seine Schwester.“ Läuft doch – triumphiere ich innerlich.

„Weißt du denn, wer Mamas Schwestern sind?“ „Ja, Papa und Laura.“ „Papa ist meine Schwester?“ „Nein, du bist Papas Mama.“ Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, sollte ich das richtig stellen: „Aber ich bin doch deine Mama.“ „Ja, und Niklas. Mama ist der Onkel von Papa.“ „Nein, Mama ist Papas Frau. Und du bist Papas…“ „Ich bin auch Papas Frau, und Niklas ist Papas Frau und Mama ist Papas Onkel.“ „Und wer ist Mamas Mann?“ „Opa!“ „Aber Opa hat doch schon eine Frau.“ „Ja, Doro und Laura.“ „Aber Laura ist doch meine Schwester.“ „Ja, und Opas Frau.“

Damit wäre meine Drei­­­jährige jetzt auf dem Stand von meinem Sechsjährigen. Die Verflechtungen in der Familie zu erklären, kann ich. Ab morgen ist das Aufgabe meines Mannes, äh Bruders oder doch Onkels????

Konversation mit Kindern: Serien-Quiz

Mein Sohn kam gerader aus seiner Mittagspause, bei der er eine Sendung auf dem Tablet gucken durfte. „Hast du wieder Theo, Tess und Quentin geschaut?“ „Nein, heute habe ich mir was Neues ausgesucht. Richtig cool!“ Meist sah er sich „Was ist Was“ oder „Lego Ninjago“ an. Mein Sohn war eher der Vorsichtige und auch wenn er sich im Kinderbereich des Streaming-Anbieters selbst seine Serien aussuchen durfte, landete er immer bei den gleichen. Die anderen Serien waren ihm meist zu seltsam oder auch unheimlich. Doch diesmal war es anders.

Wer wohnt in der Ananas ganz tief im Meer

„Du kennst die Serie bestimmt. Die ist total cool!“ Mein Sohn denkt, dass ich ein TV-Experte bin. Ich arbeite zwar manchmal im Live-Sport-Bereich und sehe mir dann entsprechend die Rennen oder Spiele im TV an, während ich dazu schreibe, aber  für ihn zählt nur, dass ich beruflich Fernsehen gucken darf. Als er ungefähr drei Jahre alt war, guckten wir „Feuerwehrmann Sam“ und er strahlte mich an. „Das ist doch total toll, dass du jetzt dafür Geld bekommst.“ Ganz so leicht war es zwar nicht, aber ich wollte ihm die Illusion nicht rauben.

Doch zurück zur neusten Entdeckung. „Da ist so was Gelbes.“ „In deiner Sendung?“ Er nickte. „Ein Lego-Männchen?“, fragte ich. „Nein, da gibt es einen sprechenden Käse, der mit einer Wurst befreundet ist.“ Ich musste etwas schmunzeln, denn ich wusste bei dem gelben Käse schon, dass es nur Spongebob sein konnte, aber das Patrick eine Wurst war und kein Seestern war mir neu. „Wen gibt es denn da noch neben der Wurst und dem Käse?“ „Der Käse wohnt in einer Ananas und sein Nachbar ist eine Gurke. Dann gibt es da aber auch noch diese Krabbe. Der ist total witzig.“

„Du weißt, dass die alle im Wasser wohnen, oder?“ „Ja,“ nickte er stolz. „Warum sollte denn ein Käse oder eine Wurst im Wasser leben?“ „Vielleicht hat die ja jemand ins Meer geworfen?“ „Nein, das soll in diesem Fall ein Schwamm und ein Seestern sein und der Nachbar, also der Grüne, das ist ein Tintenfisch.“ „Aber der sieht doch aus wie eine Gurke.“ „Mag sein, aber es soll ein Tintenfisch sein. Das sind quasi alles Meeresbewohner, damit sie auch unter Wasser leben.“ „Und warum wohnen Schwämme dann in einer Ananas?“ 1:0 für ihn…

„Ich habe das Internet gelöscht…“

Da meine Mutter letzte Woche Geburtstag gefeiert hat und aufgrund des bevorstehenden Muttertages, habe ich es zum Anlass genommen, mal über die ein oder andere Anekdote nachzudenken. Und was soll ich sagen? Meine Mutter ist ein Füllhorn an skurriler, witziger und gleichzeitig verstörender Geschichten.Oft anstrengend und nicht ganz leicht, aber definitiv nicht langweilig.

Ein Hoch auf meine Mutter und ihre grandiosen Einfälle!

Letztes Jahr bin ich mit ihr Zug gefahren – keine Sorge, dass war jetzt noch nicht die Pointe. Ich sollte ihr bei einer Registrierung im Internet helfen. Also saßen wir gebannt über ihrem Handy. Ich tippte brav alles ein und musste nur noch die eingehende Email bestätigen. Bis jetzt noch ganz normal. Zum Glück wurden ihre Emails auf dem Handy automatisch abgerufen, denn meine Mutter wusste ja nicht, was sie für ein Passwort hatte. Ich ging in den Posteingang und war leicht verwundert, denn ungefähr jede Mail war von ebay. Ich wusste nicht mal, dass meine Mutter das kannte.

„Was machst du bei ebay?“ „Nichts, gar nichts.“ „Aber du hast ganz viele Mails von ebay.“ „Damit habe ich nichts zu tun.“ „Irgendwie müssen sie ja an deine Adresse gekommen sein. Zumindest hat sich dann jemand mit deiner Email registriert.“ „Ach so das. Ja, ich war da kurz auf der Seite.“ „Aber davon registriert man sich nicht automatisch.“ „Die Tochter von Fritz hat da irgendwas eingegeben.“ Ich scrollte weiter durch den Chat-Verlauf. „Fall eröffnet wegen ausstehender Zahlung? Mama, was hast du denn da gemacht?“ „Nichts, ich habe mir nur Sachen angeguckt.“ „Was denn für Sachen?“ „Ich habe mir Kerzendocht angesehen. Ich suche nach einem dickeren.“ „Bist du fündig geworden?“ „Nein, nein.“ „Und wie kommt es dann, dass du laut ebay 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro gekauft hast.“ „Habe ich doch gar nicht. Was soll ich mit 60 Metern? Ich brauche nur ein kurzes Stück.“ „Das weiß ich nicht, aber Fakt ist, dass du das anscheinend bestellt hast.“ „Das war ich nicht. Ich habe nur geguckt.“

„Hast du vielleicht auf irgendeinen Knopf gedrückt?“ „Nein! Nur geguckt!“ „Aber so schnell kauft man das auch nicht. Da muss man schon auf „Jetzt kaufen“ drücken und den Kauf bestätigen.“ „Habe ich aber nicht, denn ich habe ja auch nichts bekommen.“ „Man zahlt erst das Geld und dann bekommt man die Ware in den meisten Fällen.“ „Ich habe nichts gekauft, nichts gezahlt und nichts bekommen.“ „Gekauft hast du schon, gezahlt hast du nicht, daher auch die vielen anderen Mails mit Beschwerden und Aktionen seitens ebay.“ „Ich zahle da nichts.“ „Musst du auch nicht. Der Fall wurde geschlossen. Da hast du nochmal Glück gehabt.“ „Wieso denn? Ich habe doch nichts gekauft.“ „Meinetwegen hast du nichts gekauft, aber beim versehentlichen Drücken verschiedener Tastenkombinationen scheinen zufällig 60 Meter Kerzendocht für fast 400 Euro in deinem Einkaufskorb gelandet zu sein, den du wie aus Geisterhand bestätigt und auch noch deine Adresse angegeben hast. Du musst da aufpassen – das kann auch sein, dass du das zahlen musst.“ „Musste ich ja nicht.“

Meine Mutter stand auf, nahm ihren Koffer, denn am nächsten Bahnhof musste sie raus. Dann fing sie an zu lachen: „Haha, ich und das Internet. Beim nächsten mal frage ich wieder dich.“ Sie verabschiedet sich und verschwand. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre. 60 Meter Kerzendocht für 400 Euro oder für meine Mutter jetzt Ansprechpartner Nummer eins fürs Online-Shopping zu sein…So individuelles Kerzenbasteln kann bestimmt sehr entspannend sein und 60 Meter reichen doch auch für die nächsten zehn Jahre. Vielleicht doch keine so schlechte Investition 😉