Let there be rock!!!

*Werbung, da Namennennung Ich bin noch einen Beitrag schuldig, denn das Guns’n’Roses-Konzert in Berlin mit Vaddern und Schwestern gehört leider schon der Vergangenheit an. So wirklich wusste glaube ich keiner von uns, was uns erwarten würde. Wetter war gut, Stimmung war gut, also was sollte schon schief gehen? Zur Einstimmung auf das Konzert guckten meine Schwester und ich uns noch ein paar Live-Videos auf Youtube an. Hätten wir vielleicht nicht tun sollen, denn es förderte nicht unbedingt die Vorfreude. Die Stimme von Mister Rose war da sehr hoch und schrill. Naja, altes Video, Schnee von gestern – kann alles nur besser werden. Dann war der große Tag endlich gekommen. Wir machten uns früh genug auf den Weg ins Olympiastadion, denn wir wollten ja nichts verpassen. Es hieß immer, dass es ab 17 Uhr mit Vorbands losgeht, aber das kennt man ja. Wäre es nach mir gegangen, wären wir erst so um 17 Uhr losgefahren. Die Stimmung vor Ort war entspannt und daher kümmerten wir uns erstmal um das leibliche Wohl. Currywurst, Bier, Sonne – lief bei uns. Dann war es 16:55 Uhr und laute Gitarren waren von der Bühne zu hören. Wir guckten uns fragend an. Ich dachte noch an Soundcheck, aber Pustekuchen. Die erste Vorband gab sich die Ehre. Ich hörte nur Gitarren und vom Sänger verstand man nichts. Die Akustik war wirklich katastrophal, aber das war bestimmt nur, weil es eine Vorband war. Die Mienen bei allen verfinsterten sich etwas. Doch mein Vater – Wacken erprobt und wöchentlicher Konzertgänger – meinte noch ganz fachmännisch: „Das ist nur so, weil es die Vorband ist. Die Einstellungen sind auf den Haupt-Act ausgelegt.“ Kurz vor 18 Uhr ging es dann mit der nächsten Vorband weiter. Auch die waren sehr bemüht, aber nicht hörbar. Ich finde Open Air-Konzerte grundsätzlich gut, aber so am Nachmittag war das ungewohnt. Vielleicht war ich daher noch eher in Kaffee und Kuchen-Stimmung als in Party-Laune. Die zweite Vorband war kurz nach halb sieben fertig. Jetzt würde ja etwas Zeit ins Land gehen – also kümmerten wir uns mal wieder ums leibliche Wohl. Meine Schwester und ich suchten noch die Toiletten auf. Es war zwar was los, aber auch nicht übermäßig viel. Zumindest dachte ich nicht, dass wir so lange gebraucht haben, denn auf einmal hörte man Schreie und auf der Leinwand wurde ein Video von Guns’n’Roses abgespielt. Das Intro? Nein, das war bestimmt nur ein Test. Okay, drei Minuten später ging es wirklich los und Slash, Axl, Duff und Co. stürmten die Bühne. Also zack wieder auf die Plätze. Wir konnten von unseren Plätzen sehen, wie die Massen ins Stadion rannten. Wir waren wohl nicht die einzigen, die mit einem späteren Beginn gerechnet hatten. Die Akustik war leider immer noch echt beschissen. Mein Vater sah auch nicht mehr glücklich aus: „Vielleicht ändert sich das, wenn die Leute da sind. Das ist wahrscheinlich auf ein volles Haus ausgelegt.“ Wir hörten also nicht viel – außer Gitarren, Gitarren und Gitarren. Ich konnte bei manchen Liedern noch nicht mal erahnen, welcher Song es sein sollte. Auch die nächsten Minuten wurde es nicht besser und das Stadion auch nicht voller. Ich fand den Einsatz von Feuerwerkskörper jetzt auch nicht unbedingt durchdacht, wenn es einfach taghell ist. Mein Vater hatte genug: „Der kann doch nichts, der Axl!“ Ich fand Axl Rose in den 80er/90er Jahren wirklich toll und auch einen optischen Leckerbissen. Ich saß viele Abende bei Dial MTV vor dem Fernseher und wartete auf das Don’t cry-Video oder November Rain. Ich war pro Axl – also musste ich auf Verteidigung schalten: „Das ist die Akustik – der ist gut.“ „Nein, der kann nichts! Und fett ist er auch geworden,“ meinte mein Vater beleidigt. „Der war doch schon viel fetter – für seine Verhältnisse ist er in Topform,“ erwiderte ich. Ich wollte jetzt nicht darauf eingehen, dass ja auch alle älter geworden sind, denn beim Thema Älterwerden reagiert mein Vater manchmal etwas empfindlich. Ich zeigte meinem Vater ein Bild von einem sehr aufgedunsenen, ordentlich untersetzten Axl Rose mit dem tollen Titel „Oh sweet pies of mine!“. Endlich schmunzelte er, aber die anfängliche gute Laune ebbte schnell wieder ab. „Ich hätte es wissen müssen – der kann nichts. In Wacken habe ich schon so tolle Bands gesehen…“ Wir ließen meinen Vater schmollen und versuchten das Beste aus dem Konzert zu machen. Die Lieder, die wir zu kennen glaubten, grölten wir einfach mit. Irgendwann wurde die Akustik auch ein wenig besser oder unsere Ohren hatten sich einfach daran gewöhnt. Wir holten zwischendrin noch Bier für unseren Vater, aber er weigerte sich immer noch aufzustehen und mitzumachen. Ich dachte an das Aerosmith-Konzert vor knapp einem Jahr und war mir so sicher, dass Papa die ganze Zeit wieder Zugabe schreien würde, aber denkste…Selbst die Blondine neben ihm tanzte ihn auffällig oft an, aber auch da keine Regung. Das Kind war in den Brunnen gefallen – das wurde nicht mehr sein Abend. War ja auch nicht Wacken, sondern Berlin wa‘! Als „Knockin on heavens door“ gespielt wurde, erwachte mein Vater kurz zum Leben und schrie nach jedem „Knock, knock, Knockin‘ on heavens door“ immer „Jetzt noch nicht!“ Es kam nicht ganz an die euphorischen Zugabe-Rufe ran, aber…Irgendwann war das Konzert vorbei, die Lichter gingen schon beim letzten Schlussakkord an und eine Zugabe war in weiter Ferne. Wollte wahrscheinlich auch keiner mehr. Wir machten uns auf den Heimweg. Wenigstens das lief. Wir erwischten gleich eine S-Bahn und freuten uns, wie super, alles organisiert war. Dass die S-Bahn noch 45 Minuten im Bahnhof stand und alle anderen gefühlt losfuhren, verschweige ich an dieser Stelle. Das hätte es in Wacken garantiert auch nicht gegeben….

 

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