Guten Flutsch!

Gerade als zweifache Mutter, berufstätig mit noch einem dementen Hund, wünsche ich mir öfters eine Auszeit vom Alltag und echte Entspannung. Umso mehr freute ich mich, als mir meine Kollegen einen Gutschein für eine Hot-Stone-Massage schenkten. Das wollte ich schon immer machen, aber so wirklich habe ich immer gezögert, dies auch in die Tat umzusetzen. Jetzt sollte mein Wunsch also wahr werden – gleich den Termin vereinbart und dann war der große Tag gekommen.

Bisher hatte ich immer nur Wellnessangebote im Urlaub genutzt – nicht vor Ort in einem Day-Spa. Ich gebe zu, ich war etwas nervös, denn so wirklich wusste ich nicht, was mich erwartete. Die Räumlichkeiten waren sehr schön und die Leute vor Ort sehr nett. Ich wurde gleich mit einem Tee versorgt und durfte in der Ruhe-Lounge noch etwas warten. Der Tee schmeckte etwas alternativ, aber wenn es zur Entspannung beitragen sollte, trank ich ihn selbstverständlich aus. Lecker – heute war ich einfach nur positiv und entspannt. Dann holte mich meine Masseurin ab. Sie hatte gleich einen ganzen Korb mit Sachen dabei. Bademantel, Schlappen, Handtücher waren ja nichts neues für mich – aber warum eine Badekappe. Als konnte sie Gedanken lesen, meinte die Masseurin nur: „Die ist für unten.“ Alles klar – ich bog ab in die Kabine und kam glücklicherweise mit dem Einweghöschen untenrum und nicht auf dem Kopf wieder heraus. Allerdings stellte mich das Höschen vor gleich die nächste Herausforderung: Wo war hinten und wo war vorne? Es sah aus wie eine Pampers an Schnüren. Ich schien die richtige Wahl getroffen zu haben, denn es kamen keine Einwände.

Danach legte ich mich auf eine Steinliege. Das war mir neu, denn ich kannte nur die herkömmlichen Massageliegen. Bestimmt trug auch das zu meiner Entspannung bei. Ich erhielt noch eine kurze Einführung und ehe ich mich versah, ergossen sich gefühlte 10 Liter Öl über meinen Körper. Ich fühlte mich wie eine Sardine in der Dose oder in diesem Fall einem Tablett. Doch ich war ja positiv – also war es ein warmes, samtiges Gefühl auf der Haut, was mich für die nächsten Jahre noch mit Feuchtigkeit versorgen sollte. Ich schloss die Augen und dann kamen die berüchtigten heißen Steine. Es gab unterschiedliche Größen und beim ersten Hautkontakt wirkten sie wirklich heiß, wenn auch nicht unangenehm. Es ging an den Beinen los und ich bekam an verschiedene Stellen die Steine gelegt. So langsam gewöhnte ich mich an die Wärme und fand es wirklich entspannend. Bis wir bei der Körpermitte ankamen. Es war mir nicht bewusst, dass auch dort Steine platziert wurden. Ich dachte, das Höschen bliebe da, wo es ist. Naja, der Stein hatte wohl die Arschkarte gezogen und auch, wenn ich nicht davon ausging, jemals an gewissen Stellen Steine zu haben, es diente bestimmt der Entspannung. Nach kurzer Zeit hatte ich den Schock verdaut und gab mich wieder der Wärme und dem angenehmen Gefühl auf der Haut hin.

Ich versank gerade richtig in Träume, schaltete ab und hörte dann: „Bitte umdrehen!“ Wie „bitte umdrehen“? Bislang war mir nur die klassische Rückenmassage geläufig, also warum sollte ich mich auf den Rücken drehen? Ein Film lief vor meinem inneren Auge ab und wenn diese Seite analog zur Rückseite mit Steinen bestückt werden sollte, hatte ich definitiv Einspruch dagegen einzuwenden. Doch ich war ja heute positiv, also versuchte ich mich auf der leicht rutschigen und minimal öligen Steinliege umzudrehen. Ich wirkte etwas unbeholfen, aber bei ruckartigen Bewegungen fürchtete ich, mit einem rasanten Rutscher von der Liege zu gleiten. Anmutig wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, fand ich meine Position. Schnell wurde mir noch ein Handtuch über die Augen gelegt und dann ging es los. Ich gestehe, die Entspannung wich der Anspannung. Es wurden zwar an die sensiblen Stellen keine heißen Steine gelegt, aber wahrscheinlich bin ich zu verklemmt, als dass ich abschalten könnte, wenn jemand anderes vorne an mir herumfummelte. Die Zeit war dann irgendwann – endlich – abgelaufen. Jetzt stand ich nur noch vor der Herausforderung von der Liege zu rutschen. Wie auf Eis glitt ich in die Dusche. Ich gab alles und seifte mich ordentlich ein. Doch dieser leichte Glanz wollte nicht weichen. Nach gefühlt einer Stunde gab ich auf. Vielleicht würden ja meine Klamotten noch etwas von dem Öl aufsaugen. Den Entspannungstee zum Ausklang lehnte ich dankend ab – schließlich hatte ich länger geduscht, als ich mir erträumt hatte und ich wollte nur noch nach Hause. Selbst in der Bahn hatte ich noch das Gefühl vom Sitz zu rutschen. Immerhin musste ich mich für den Rest des Monats nicht mehr eincremen. Mittlerweile genieße ich lieber eine entspannte Rückenmassage und heiße Steine mag ich nur noch bei der Zubereitung einer Pizza. Namaste!

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