Kein Licht am Ende des Tunnels

Die letzten Tage, Wochen und Monate waren nicht wirklich leicht für mich. Ich hatte keine Motivation, wollte niemanden sehen und einfach nur alleine sein. Was sich vielleicht wie eine kleine Verstimmung anhört, hat leider einen ernsteren Hintergrund. Ich kenne das schon. Vor einigen Jahren war es so schlimm, dass ich morgens nicht mehr aufstehen konnte. Man fühlt sich wie frisch vom LKW überfahren und alles tut einem weh. Diesmal kam nicht gleich der große Knall, sondern es schlich und fraß sich langsam in meine Seele. Jeder Tag hatte einen für mich persönlichen Aufreger, der mich runterzog, eine ganz persönliche Niederlage und Kränkung. Es können Kleinigkeiten sein, denen andere Leute gar keine Beachtung schenken würden, aber für mich war es schlimm und mein Kopf kreiste um diese Banalitäten als würde mein Leben davon abhängen. Es können Auseinandersetzungen mit Freunden sein, gefühlte Unzufriedenheit bei einem Projekt oder einfach nur das fehlende Essen im Kühlschrank, auf welches man eigentlich Hunger hätte. Bei mir kommen auch immer körperliche Symptome dazu. Ich leide dann sehr unter Kopfschmerzen und kein Tag vergeht, an dem ich nicht Schmerzmittel zu mir nehmen muss. Ich kann meinen Zustand so klar und distanziert beschreiben, weil ich es ja bereits kenne. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Lebenslust weicht und du einfach nur noch alles schwarz siehst. Es ist wie mit Männern im Haushalt – dort gibt es so viele Aufgaben, doch sie sehen sie einfach nicht. In meinem Leben passieren täglich wunderschöne Dinge und ich habe zwei tolle Kinder, die mir jeden Tag ein Lächeln zaubern, aber ich sehe es dann einfach nicht und es zählt in solchen Phasen nicht. Damals war ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich beschloss, dass mein Leben mir nichts mehr zu bieten hat außer Schmerzen, Dramen und Sinnlosigkeit. Das hat sich nach einer erfolgreichen Therapie zum Glück geändert, auch wenn es sich wahrscheinlich nie ändern wird, dass ich immer wieder durch sehr dunkle Täler in meinem Leben gehen muss. Ich bin krank und ich muss das akzeptieren, auch wenn es auf den ersten Blick keinen Grund dafür gibt. Durch meine Kinder habe ich natürlich zwei sehr große Anker im Leben, die mich allein durch ihre Anwesenheit stärken. Für sie da zu sein und mich um sie zu kümmern, gibt meinem Leben immer einen Sinn. An manchen Tagen weiß ich das mehr, an anderen Tagen weniger, aber sie machen mich stark. In Phasen wie diesen hilft mir Monotonie. Routine im Alltag – einfach absolute Langeweile. So kann mich nichts so schnell aus der Bahn werfen und meine Angst vor allem Neuen und Ungeplanten bleibt weitgehend begrenzt. Ich wünschte, ich könnte meinen Kindern das Vorbild sein, was sie verdienen. Ich wünschte, ich könnte ihnen jeden Tag den Sonnenschein geben, den sie verdienen. Doch ich kann es nicht immer und das muss ich akzeptieren. Vor ein paar Jahren habe ich kein Licht am Ende des Tunnels mehr gesehen. Momentan gehe ich zu Bett, hasse zwar den Tag, glaube aber daran, dass der nächste besser wird. Und solange ich mit diesem Gefühl einschlafe, werde ich eines Tages aufwachen und der gute Tage ist da. Mit der Hilfe meiner Familie, meiner Freunde und meines Therapeuten gibt es immer ein kleines Licht – egal wie dunkel das Tal ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s