Bescheuert gesteuert!

Eine einfache Autofahrt kann mit zwei Kindern mal ganz schnell zur Herausforderung werden. Hat man noch eine Person dabei, die sich im Zweifelsfall um ein quengelndes Kind kümmern kann, ist alles halb so wild, aber alleine wird es schon schwieriger. Mein Sohn liebt Hörspiele und ist wirklich mit wenig zufrieden. Er sitzt stundenlang geduldig im Auto und hört einfach nur zu. Für uns war das bei einer fünfstündigen Autofahrt schon etwas nervenaufreibender, denn er wollte immer und immer die gleich Folge von Feuerwehrmann Sam hören. Eine Folge dauert so ca. zehn Minuten, also kann man sich ausmalen, wie schön diese Fahrt war.

Anfang des Jahres habe ich dann meinen Mut zusammengenommen und eine dreistündige Autofahrt alleine mit den beiden auf mich genommen. Es war Januar, also war ich auf Schnee, Eis und schlechte Straßenverhältnisse eingestellt – allerdings schien die Sonne und Glatteis war in weiter Ferne. Doch dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Wir waren gerade auf die Autobahn gefahren, als mein Navi mich an der nächsten Abfahrt bat, doch gleich wieder abzufahren. Ich wunderte mich, denn eigentlich musste ich nur bis zum Ziel auf der gleichen Autobahn bleiben. Dann hörte ich den Verkehrsfunk und mein Albtraum nahm seinen Lauf: die Autobahn war nach einem schweren Unfall vollgesperrt. Ich war zwar glücklich, dass wir noch rechtzeitig abfahren konnten, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Treudoof folgte ich den Anweisungen meines Navis. Meine Anspannung stieg. Gleich hatte ich schon wieder 200 mögliche Szenarien im Kopf. Würden wir es jemals nach Hause schaffen? Ist die Fahrzeit jetzt wirklich doppelt so lang? DieNerven lagen blank, als die Schilder zur Autobahn immer nach rechts deuteten, aber mein Navi meinte, ich solle bitte links fahren. Da ich keine wirkliche Orientierung hatte, fuhr ich links. Wiesen, Wälder, kaum Dörfer und schon gar keine Autobahn. Lost im Nirgendwo. Meine kleine Tochter schlief zum Glück. Mein Sohn wagte es, mich anzusprechen: „Mama?“ Doch Mama war angespannt und brachte nur ein zornig-zischendes: „Mama, kann jetzt nicht! Was ist?“ raus. „Nichts Mama, alles gut.“ „Warum fragst du dann?“ „Alles gut?“ „Mama muss sich konzentrieren, ich weiß nicht, wo wir sind.“ „Alles gut, Mama!“ „Nein, nichts ist gut. Wie kommen wir nur nach Hause?“ In manchen Situationen wünschte ich mir, ich würde souveräner sein, doch manchmal habe ich mich nicht so im Griff, wie ich es gerne hätte. Es war bestimmt nicht richtig, aber in diesem Moment konnte ich nicht anders. Die Minuten verstrichen und ich fuhr durch Gegenden, wo ich niemals sein wollte. Irgendwann hatte ich eine Vorahnung, was der Plan meines Navis war und erahnte die Routenführung. Man hätte natürlich auch direkt gucken können, aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Irgendwann fragte ich meinen Sohn: „Soll ich hier anhalten? Musst du Pipi?“ „Alles gut, Mama!“ Ich hielt einfach an und nachdem mein Sohn gefühlt 30 Minuten hinter dem Busch verschwunden war, wusste ich, dass es sehr dringend war. In diesem Moment hätte mich mein schlechtes Gewissen auffressen können.

Dann ging unsere Fahrt weiter. Meine Tochter war wach, aber gut gelaunt, mein Sohn wieder entspannt und nachdem wir endlich wieder eine Autobahn erreicht hatten, fiel auch die Anspannung von mir ab. Wir hatten nur noch knapp 100 Kilometer vor uns, als die Stimmung bei meiner Tochter kippte. Sie hatte einfach keine Lust mehr im Auto zu sitzen und machte ihrem Unmut Luft. Wir machten bei der nächsten Möglichkeit eine Pause und ich hoffte, dass es helfen würde. Wieder im Auto dauerte es keine fünf Minuten und die gute Laune war dahin. Ich merkte, wie meine Gelassenheit wich und die Anspannung stieg. Problem an der Sache ist nur, dass bei steigendem Puls der Fuß mehr und mehr aufs Gaspedal sinkt. Es ist vielleicht nicht die beste Lösung bei Stress das Tempo zu erhöhen, aber ich wollte schließlich ankommen. Nach einer nervenaufreibenden Stunde Geschrei hatten wir es dann fast geschafft und mein nächster Punkt auf der To Do-Liste stand fest: die innere Mitte auch auf der Autobahn finden.

Let there be rock!!!

*Werbung, da Namennennung Ich bin noch einen Beitrag schuldig, denn das Guns’n’Roses-Konzert in Berlin mit Vaddern und Schwestern gehört leider schon der Vergangenheit an. So wirklich wusste glaube ich keiner von uns, was uns erwarten würde. Wetter war gut, Stimmung war gut, also was sollte schon schief gehen? Zur Einstimmung auf das Konzert guckten meine Schwester und ich uns noch ein paar Live-Videos auf Youtube an. Hätten wir vielleicht nicht tun sollen, denn es förderte nicht unbedingt die Vorfreude. Die Stimme von Mister Rose war da sehr hoch und schrill. Naja, altes Video, Schnee von gestern – kann alles nur besser werden. Dann war der große Tag endlich gekommen. Wir machten uns früh genug auf den Weg ins Olympiastadion, denn wir wollten ja nichts verpassen. Es hieß immer, dass es ab 17 Uhr mit Vorbands losgeht, aber das kennt man ja. Wäre es nach mir gegangen, wären wir erst so um 17 Uhr losgefahren. Die Stimmung vor Ort war entspannt und daher kümmerten wir uns erstmal um das leibliche Wohl. Currywurst, Bier, Sonne – lief bei uns. Dann war es 16:55 Uhr und laute Gitarren waren von der Bühne zu hören. Wir guckten uns fragend an. Ich dachte noch an Soundcheck, aber Pustekuchen. Die erste Vorband gab sich die Ehre. Ich hörte nur Gitarren und vom Sänger verstand man nichts. Die Akustik war wirklich katastrophal, aber das war bestimmt nur, weil es eine Vorband war. Die Mienen bei allen verfinsterten sich etwas. Doch mein Vater – Wacken erprobt und wöchentlicher Konzertgänger – meinte noch ganz fachmännisch: „Das ist nur so, weil es die Vorband ist. Die Einstellungen sind auf den Haupt-Act ausgelegt.“ Kurz vor 18 Uhr ging es dann mit der nächsten Vorband weiter. Auch die waren sehr bemüht, aber nicht hörbar. Ich finde Open Air-Konzerte grundsätzlich gut, aber so am Nachmittag war das ungewohnt. Vielleicht war ich daher noch eher in Kaffee und Kuchen-Stimmung als in Party-Laune. Die zweite Vorband war kurz nach halb sieben fertig. Jetzt würde ja etwas Zeit ins Land gehen – also kümmerten wir uns mal wieder ums leibliche Wohl. Meine Schwester und ich suchten noch die Toiletten auf. Es war zwar was los, aber auch nicht übermäßig viel. Zumindest dachte ich nicht, dass wir so lange gebraucht haben, denn auf einmal hörte man Schreie und auf der Leinwand wurde ein Video von Guns’n’Roses abgespielt. Das Intro? Nein, das war bestimmt nur ein Test. Okay, drei Minuten später ging es wirklich los und Slash, Axl, Duff und Co. stürmten die Bühne. Also zack wieder auf die Plätze. Wir konnten von unseren Plätzen sehen, wie die Massen ins Stadion rannten. Wir waren wohl nicht die einzigen, die mit einem späteren Beginn gerechnet hatten. Die Akustik war leider immer noch echt beschissen. Mein Vater sah auch nicht mehr glücklich aus: „Vielleicht ändert sich das, wenn die Leute da sind. Das ist wahrscheinlich auf ein volles Haus ausgelegt.“ Wir hörten also nicht viel – außer Gitarren, Gitarren und Gitarren. Ich konnte bei manchen Liedern noch nicht mal erahnen, welcher Song es sein sollte. Auch die nächsten Minuten wurde es nicht besser und das Stadion auch nicht voller. Ich fand den Einsatz von Feuerwerkskörper jetzt auch nicht unbedingt durchdacht, wenn es einfach taghell ist. Mein Vater hatte genug: „Der kann doch nichts, der Axl!“ Ich fand Axl Rose in den 80er/90er Jahren wirklich toll und auch einen optischen Leckerbissen. Ich saß viele Abende bei Dial MTV vor dem Fernseher und wartete auf das Don’t cry-Video oder November Rain. Ich war pro Axl – also musste ich auf Verteidigung schalten: „Das ist die Akustik – der ist gut.“ „Nein, der kann nichts! Und fett ist er auch geworden,“ meinte mein Vater beleidigt. „Der war doch schon viel fetter – für seine Verhältnisse ist er in Topform,“ erwiderte ich. Ich wollte jetzt nicht darauf eingehen, dass ja auch alle älter geworden sind, denn beim Thema Älterwerden reagiert mein Vater manchmal etwas empfindlich. Ich zeigte meinem Vater ein Bild von einem sehr aufgedunsenen, ordentlich untersetzten Axl Rose mit dem tollen Titel „Oh sweet pies of mine!“. Endlich schmunzelte er, aber die anfängliche gute Laune ebbte schnell wieder ab. „Ich hätte es wissen müssen – der kann nichts. In Wacken habe ich schon so tolle Bands gesehen…“ Wir ließen meinen Vater schmollen und versuchten das Beste aus dem Konzert zu machen. Die Lieder, die wir zu kennen glaubten, grölten wir einfach mit. Irgendwann wurde die Akustik auch ein wenig besser oder unsere Ohren hatten sich einfach daran gewöhnt. Wir holten zwischendrin noch Bier für unseren Vater, aber er weigerte sich immer noch aufzustehen und mitzumachen. Ich dachte an das Aerosmith-Konzert vor knapp einem Jahr und war mir so sicher, dass Papa die ganze Zeit wieder Zugabe schreien würde, aber denkste…Selbst die Blondine neben ihm tanzte ihn auffällig oft an, aber auch da keine Regung. Das Kind war in den Brunnen gefallen – das wurde nicht mehr sein Abend. War ja auch nicht Wacken, sondern Berlin wa‘! Als „Knockin on heavens door“ gespielt wurde, erwachte mein Vater kurz zum Leben und schrie nach jedem „Knock, knock, Knockin‘ on heavens door“ immer „Jetzt noch nicht!“ Es kam nicht ganz an die euphorischen Zugabe-Rufe ran, aber…Irgendwann war das Konzert vorbei, die Lichter gingen schon beim letzten Schlussakkord an und eine Zugabe war in weiter Ferne. Wollte wahrscheinlich auch keiner mehr. Wir machten uns auf den Heimweg. Wenigstens das lief. Wir erwischten gleich eine S-Bahn und freuten uns, wie super, alles organisiert war. Dass die S-Bahn noch 45 Minuten im Bahnhof stand und alle anderen gefühlt losfuhren, verschweige ich an dieser Stelle. Das hätte es in Wacken garantiert auch nicht gegeben….

 

Guten Flutsch!

Gerade als zweifache Mutter, berufstätig mit noch einem dementen Hund, wünsche ich mir öfters eine Auszeit vom Alltag und echte Entspannung. Umso mehr freute ich mich, als mir meine Kollegen einen Gutschein für eine Hot-Stone-Massage schenkten. Das wollte ich schon immer machen, aber so wirklich habe ich immer gezögert, dies auch in die Tat umzusetzen. Jetzt sollte mein Wunsch also wahr werden – gleich den Termin vereinbart und dann war der große Tag gekommen.

Bisher hatte ich immer nur Wellnessangebote im Urlaub genutzt – nicht vor Ort in einem Day-Spa. Ich gebe zu, ich war etwas nervös, denn so wirklich wusste ich nicht, was mich erwartete. Die Räumlichkeiten waren sehr schön und die Leute vor Ort sehr nett. Ich wurde gleich mit einem Tee versorgt und durfte in der Ruhe-Lounge noch etwas warten. Der Tee schmeckte etwas alternativ, aber wenn es zur Entspannung beitragen sollte, trank ich ihn selbstverständlich aus. Lecker – heute war ich einfach nur positiv und entspannt. Dann holte mich meine Masseurin ab. Sie hatte gleich einen ganzen Korb mit Sachen dabei. Bademantel, Schlappen, Handtücher waren ja nichts neues für mich – aber warum eine Badekappe. Als konnte sie Gedanken lesen, meinte die Masseurin nur: „Die ist für unten.“ Alles klar – ich bog ab in die Kabine und kam glücklicherweise mit dem Einweghöschen untenrum und nicht auf dem Kopf wieder heraus. Allerdings stellte mich das Höschen vor gleich die nächste Herausforderung: Wo war hinten und wo war vorne? Es sah aus wie eine Pampers an Schnüren. Ich schien die richtige Wahl getroffen zu haben, denn es kamen keine Einwände.

Danach legte ich mich auf eine Steinliege. Das war mir neu, denn ich kannte nur die herkömmlichen Massageliegen. Bestimmt trug auch das zu meiner Entspannung bei. Ich erhielt noch eine kurze Einführung und ehe ich mich versah, ergossen sich gefühlte 10 Liter Öl über meinen Körper. Ich fühlte mich wie eine Sardine in der Dose oder in diesem Fall einem Tablett. Doch ich war ja positiv – also war es ein warmes, samtiges Gefühl auf der Haut, was mich für die nächsten Jahre noch mit Feuchtigkeit versorgen sollte. Ich schloss die Augen und dann kamen die berüchtigten heißen Steine. Es gab unterschiedliche Größen und beim ersten Hautkontakt wirkten sie wirklich heiß, wenn auch nicht unangenehm. Es ging an den Beinen los und ich bekam an verschiedene Stellen die Steine gelegt. So langsam gewöhnte ich mich an die Wärme und fand es wirklich entspannend. Bis wir bei der Körpermitte ankamen. Es war mir nicht bewusst, dass auch dort Steine platziert wurden. Ich dachte, das Höschen bliebe da, wo es ist. Naja, der Stein hatte wohl die Arschkarte gezogen und auch, wenn ich nicht davon ausging, jemals an gewissen Stellen Steine zu haben, es diente bestimmt der Entspannung. Nach kurzer Zeit hatte ich den Schock verdaut und gab mich wieder der Wärme und dem angenehmen Gefühl auf der Haut hin.

Ich versank gerade richtig in Träume, schaltete ab und hörte dann: „Bitte umdrehen!“ Wie „bitte umdrehen“? Bislang war mir nur die klassische Rückenmassage geläufig, also warum sollte ich mich auf den Rücken drehen? Ein Film lief vor meinem inneren Auge ab und wenn diese Seite analog zur Rückseite mit Steinen bestückt werden sollte, hatte ich definitiv Einspruch dagegen einzuwenden. Doch ich war ja heute positiv, also versuchte ich mich auf der leicht rutschigen und minimal öligen Steinliege umzudrehen. Ich wirkte etwas unbeholfen, aber bei ruckartigen Bewegungen fürchtete ich, mit einem rasanten Rutscher von der Liege zu gleiten. Anmutig wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, fand ich meine Position. Schnell wurde mir noch ein Handtuch über die Augen gelegt und dann ging es los. Ich gestehe, die Entspannung wich der Anspannung. Es wurden zwar an die sensiblen Stellen keine heißen Steine gelegt, aber wahrscheinlich bin ich zu verklemmt, als dass ich abschalten könnte, wenn jemand anderes vorne an mir herumfummelte. Die Zeit war dann irgendwann – endlich – abgelaufen. Jetzt stand ich nur noch vor der Herausforderung von der Liege zu rutschen. Wie auf Eis glitt ich in die Dusche. Ich gab alles und seifte mich ordentlich ein. Doch dieser leichte Glanz wollte nicht weichen. Nach gefühlt einer Stunde gab ich auf. Vielleicht würden ja meine Klamotten noch etwas von dem Öl aufsaugen. Den Entspannungstee zum Ausklang lehnte ich dankend ab – schließlich hatte ich länger geduscht, als ich mir erträumt hatte und ich wollte nur noch nach Hause. Selbst in der Bahn hatte ich noch das Gefühl vom Sitz zu rutschen. Immerhin musste ich mich für den Rest des Monats nicht mehr eincremen. Mittlerweile genieße ich lieber eine entspannte Rückenmassage und heiße Steine mag ich nur noch bei der Zubereitung einer Pizza. Namaste!

Friends will be friends?

Ich muss schon gestehen, dass mir meine Freunde sehr wichtig sind. Ich bin vielleicht nicht die Einfachste im Umgang und gehöre auch eher zur Kategorie „anstrengend“, aber wenn ich Zeit mit meinen Freunden verbringe, ist mir Quality-Time sehr wichtig und ich bin nicht der größte Fan von oberflächlichen Gesprächen. Natürlich gibt es auch Zeiten, in denen man einfach nur Quatsch labert und lange nach Tiefgründigkeit suchen darf, aber bei diesen Leuten bin ich mir einfach sicher, dass wir eine Basis haben, für den anderen da sind und ich immer zu ihnen kommen könnte, wenn mich was belastet. Ich musste die Erfahrung machen, dass im steigende Alter die Anzahl deiner wirklich guten Freunde nicht unbedingt rapide in die Höhe geht. Gerade stehe ich vor der Herausforderung, dass meine ehemals beste Freundin und ich uns immer mehr aus den Augen verlieren. Wir haben beide viel zu tun mit Job, zwei Kindern und vielen anderen Verpflichtungen und uns trennen 700 Kilometer, aber selbst wenn wir Zeit haben, finden wir nicht die richtige Basis. Vielleicht haben sich unsere Leben in unterschiedliche Richtungen entwickelt? Vielleicht ist es ganz normal, dass im Laufe der Zeit sich die Freundschaft ändert. Früher war bei nahezu allen Sachen mein erster Gedanke: „Darüber muss ich unbedingt mit meiner Freundin sprechen!“ Mittlerweile ist das nicht mehr der Fall. Es gibt kaum noch Themen, wo ich das Bedürfnis verspüre, sie anzurufen oder ihr zu schreiben. Ich weiß nicht mal, woher das kommt. Wir hatten keinen Streit oder so – ich fürchte, wir haben uns einfach voneinander entfernt. Letzten Sommer gab es bei ihr einen großen Umbruch im Leben und sie konnte nicht mit mir darüber reden. Natürlich hat mich das verletzt und ich wäre gerne für sie da gewesen, aber manchmal ist es eben leichter mit jemanden von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und nicht nur per Telefon oder Whatsapp zu kommunizieren. Vielleicht war das der Anfang vom Ende – ohne dass es mir bewusst war? Ich habe zwar versucht, ihr klarzumachen, dass ich für sie da bin, aber vielleicht kam das nicht so bei ihr an? Vielleicht wollte sie es diesmal auch nicht. Egal was es war, seitdem ist es auf jeden Fall anders zwischen uns. Früher hätte es nie ein unangenehmes Schweigen zwischen uns gegeben und als wir uns im Mai für ein paar Tage gesehen haben, war es da. Diese Stille, die sich falsch und unangenehm anfühlte, die wir aber beide nicht füllen konnten. In den letzten Jahre ist es auch so gewesen, dass wir uns nie alleine gesehen haben. Es waren immer die Kinder oder unsere Männer dabei und ein ungestörtes Gespräch war nur selten möglich. Vielleicht hätten wir unsere Freundschaft mehr schützen müssen und uns auch Zeit zu zweit nehmen müssen. Doch egal, was zu dem geführt hat, wo wir jetzt stehen. Sie wird immer einen Platz in meinem Leben haben. Ob als meine Trauzeugin, Patentante meiner Tochter oder ehemaligen besten Freundin. Vielleicht müssen wir jetzt einfach akzeptieren, dass es zwischen uns ist wie es ist und hoffen, dass es vielleicht mal wieder wird, wie es war. Und selbst wenn nicht, weiß ich, was wir zusammen hatten und das kann mir keiner nehmen.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Die letzten Tage, Wochen und Monate waren nicht wirklich leicht für mich. Ich hatte keine Motivation, wollte niemanden sehen und einfach nur alleine sein. Was sich vielleicht wie eine kleine Verstimmung anhört, hat leider einen ernsteren Hintergrund. Ich kenne das schon. Vor einigen Jahren war es so schlimm, dass ich morgens nicht mehr aufstehen konnte. Man fühlt sich wie frisch vom LKW überfahren und alles tut einem weh. Diesmal kam nicht gleich der große Knall, sondern es schlich und fraß sich langsam in meine Seele. Jeder Tag hatte einen für mich persönlichen Aufreger, der mich runterzog, eine ganz persönliche Niederlage und Kränkung. Es können Kleinigkeiten sein, denen andere Leute gar keine Beachtung schenken würden, aber für mich war es schlimm und mein Kopf kreiste um diese Banalitäten als würde mein Leben davon abhängen. Es können Auseinandersetzungen mit Freunden sein, gefühlte Unzufriedenheit bei einem Projekt oder einfach nur das fehlende Essen im Kühlschrank, auf welches man eigentlich Hunger hätte. Bei mir kommen auch immer körperliche Symptome dazu. Ich leide dann sehr unter Kopfschmerzen und kein Tag vergeht, an dem ich nicht Schmerzmittel zu mir nehmen muss. Ich kann meinen Zustand so klar und distanziert beschreiben, weil ich es ja bereits kenne. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Lebenslust weicht und du einfach nur noch alles schwarz siehst. Es ist wie mit Männern im Haushalt – dort gibt es so viele Aufgaben, doch sie sehen sie einfach nicht. In meinem Leben passieren täglich wunderschöne Dinge und ich habe zwei tolle Kinder, die mir jeden Tag ein Lächeln zaubern, aber ich sehe es dann einfach nicht und es zählt in solchen Phasen nicht. Damals war ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich beschloss, dass mein Leben mir nichts mehr zu bieten hat außer Schmerzen, Dramen und Sinnlosigkeit. Das hat sich nach einer erfolgreichen Therapie zum Glück geändert, auch wenn es sich wahrscheinlich nie ändern wird, dass ich immer wieder durch sehr dunkle Täler in meinem Leben gehen muss. Ich bin krank und ich muss das akzeptieren, auch wenn es auf den ersten Blick keinen Grund dafür gibt. Durch meine Kinder habe ich natürlich zwei sehr große Anker im Leben, die mich allein durch ihre Anwesenheit stärken. Für sie da zu sein und mich um sie zu kümmern, gibt meinem Leben immer einen Sinn. An manchen Tagen weiß ich das mehr, an anderen Tagen weniger, aber sie machen mich stark. In Phasen wie diesen hilft mir Monotonie. Routine im Alltag – einfach absolute Langeweile. So kann mich nichts so schnell aus der Bahn werfen und meine Angst vor allem Neuen und Ungeplanten bleibt weitgehend begrenzt. Ich wünschte, ich könnte meinen Kindern das Vorbild sein, was sie verdienen. Ich wünschte, ich könnte ihnen jeden Tag den Sonnenschein geben, den sie verdienen. Doch ich kann es nicht immer und das muss ich akzeptieren. Vor ein paar Jahren habe ich kein Licht am Ende des Tunnels mehr gesehen. Momentan gehe ich zu Bett, hasse zwar den Tag, glaube aber daran, dass der nächste besser wird. Und solange ich mit diesem Gefühl einschlafe, werde ich eines Tages aufwachen und der gute Tage ist da. Mit der Hilfe meiner Familie, meiner Freunde und meines Therapeuten gibt es immer ein kleines Licht – egal wie dunkel das Tal ist.