Schweigen ist…

Ich weiß nicht, wie andere Familien das machen, aber bei uns sorgt die Organisation eines Familientreffens für einen beinahe Nervenzusammenbruch – zumindest bei mir! Man muss dazu sagen, dass sich die Größe unserer gesamten Familie mit 14 Erwachsenen und drei Kindern echt in Grenzen hält, aber auch das reicht aus, um die Planung eines einfach Treffens dermaßen ausarten zu lassen.

Es begann alles mit der tollen Idee, eine WhattsApp-Familien-Gruppe zu gründen. Alle, die bislang noch nicht in so einen Genuss gekommen sind, tut es nicht!!!! Meine Mutter schrieb, dass es doch nett wäre, ein gemeinsames Wochenende in der Nähe von München zu verbringen und dazu zwei Terminvorschläge. Soweit alles harmlos und schnell einigten wir uns auf ein Wochenende im August. Also noch mehr als vier Monate Zeit zu planen – ich flippe aus. Wir wussten, wann das Wochenende stattfinden sollte und dass es in München sein sollte. Jeder schrieb, dass er sich freut und was man unternehmen könnte. Ich habe mich eigentlich mit meiner regen Beteiligung an dieser Gruppe zurückgehalten, doch dann tat ich es. Ein Fehler, den ich definitiv nur einmal machen werde. Und zwar schrieb ich, dass man doch die Umgebung nutzen und einen Ausflug in die Berge machen könnte. Mein großer Fehler – ich habe nicht TAGESAUSFLUG geschrieben! Bitte merkt euch – jede Familiengruppe ist schlimmer als die Abgabe einer Arbeit etc. Lest eure Texte sorgfältig durch und lasst niemals, aber wirklich niemals Raum für Spekulationen. Denn ab jetzt nimmt die Planung einen dramatischen Lauf!

Schnell waren alle begeistert: Berge und Natur sind so schön, tolle Idee, das machen wir! Am nächsten Tag wachte ich auf, schaltete mein Handy an und hatte gefühlt 250 neue Nachrichten. Da ahnte ich langsam Böses. Meine überaus motivierte Tante hatte sich schon sämtliche Bauernhöfe und Almen der Region angeguckt und drei zur Auswahl geschickt. Der Teil ihrer Familie war begeistert – der Teil meiner Familie eher nicht so. Schnell kristallisierte sich heraus, dass man zum einen keine Hunde mit auf die Höfe nehmen konnte und dass die meisten Sachen schon ausgebucht waren. Shit happens – also alles auf Anfang: München! Aber denkste – der Ruf nach Natur und Abenteuer in den Alpen war lauter. Kein Hotel, keine Standardunterkunft – Abenteuer und Wildnis stehen jetzt auf dem Programm. Ist ja an sich auch nicht verkehrt, aber kann sehr nervig sein. Meine Mutter versuchte das Ruder wieder rumzureißen und hatte in München ein nettes Hotel für alle in der Nähe aufgetan. Es dauerte zwar mindestens 1000 Nachrichten, aber es schien, der Vorschlag wurde akzeptiert. Es herrschte Ruhe und ich fing schon fast wieder an, mein Smartphone zu mögen, als ungeahnt wieder eine Nachricht meiner Tante in der Gruppe aufploppte. Es war der Hinweis, dass sie uns allen eine Mail geschickt hatte. Was schon mal bedeutete: viel Text! Sie hatte noch ein paar verschiedene Unterkünfte klar machen können und wir hätten jetzt alle die Möglichkeit, nahe der Alpen zu nächtigen oder gar zu zelten. Man muss dazu sagen, dass meine Familie noch nie zelten war und es wahrscheinlich in diesem Leben auch nicht mehr tun wird. Schnell äußerte sich jemand – natürlich aus meiner Familie – dass es doch blöd sei, wenn wir alle verstreut wären, und es doch besser wäre, man bleibt beim Hotel. Doch die Gegenseite ließ nicht lange auf einen Konter warten: Nieder mit Standardhotels – auf in das Abenteuer! Wir werden einen Kulisse eines Heimatfilms mit abenteuerlicher Note erleben, wenn wir uns für den Bauernhof entscheiden! Stadt und Standardhotels kennt man genug! Ich habe so langsam das Gefühl, dass wir auch noch einen Splatterfilm mit dramatischem Ende erleben könnten, wenn die Diskussion noch lange geführt wird…

Derzeit werden fröhlich Klarstellungen in der Gruppe verschickt. Ich warte noch auf Sternchentexte, Fußnoten und Rechtsbelehrungen. Die Frist läuft Sonntag ab, am Samstag kommt meine Mutter erst aus dem Urlaub zurück und ich weiß genau, wer sein Smartphone am Sonntag lieber auslässt!

 

2 Gedanken zu “Schweigen ist…

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