Ach du dickes Ei…

Passend zu Ostern gibt es heute eine kleine, aber feine Anekdote mit meinem Vater. Mein Vater ist ein typischer Ostwestfale und kein Mann der großen Worte. Die Lieblingssätze von meinem Vater sind „Wenn es läuft, dann läuft es“ oder eben „Wenn es hapert, dann hapert’s“ – und das beschreibt ihn auch schon sehr gut. Da mein Vater beruflich sehr eingespannt ist und von Baustelle zu Baustelle fährt, nutzt er die Zeit im Auto oft zum Telefonieren. Es war April, mein Vater hatte mich von der Schule abgeholt und wir waren auf dem Heimweg. Wie sehr oft, telefonierte er. Es war auch nicht wirklich ungewöhnlich, nur als er sich mit „Reinhard und nicht vergessen: dicke Eier“ verabschiedete, musste ich kurz schlucken. Wir waren zwar in der Woche vor Ostern, aber wünschte man sich da ‚dicke Eier‘? Vielleicht war es auch nur ein Running Gag unter Kollegen? Immerhin war mein Vater in der Baubranche tätig, was sehr männerlastig war und ist, und vielleicht wünschte man sich so frohe Ostern.

Egal mit wem mein Vater telefonierte – Angestellte, Steuerberater, Anwalt oder Freunde – jedem wünschte er, dicke Eier! „Und Bodo, dann noch dicke Eier!“ „Jo, danke Horst, dir dann noch dickere Eier.“ Ich fand es etwas irgendwie obszön, aber anscheinend war ich damit alleine.

Der Geburtstag meines Vaters fiel in diesem Jahr auch noch auf Karfreitag. Natürlich stand an diesem Tag das Handy nicht still. Wir waren gerade zum Essen im Restaurant, als es wieder fiel. „Vielen Dank und dicke Eier.“ Meine Mutter – Deutschlehrerin – rümpfte die Nase und guckte meinen Vater streng an. Der schien sich keiner Schuld bewusst. Als er sich dann auch noch beim Kellner mit „Und dicke Eier zu Ostern“ verabschiedete, schritt meine Mutter ein. „Das sagt man doch nicht!“ Mein Vater war immer noch unwissend: „Was sagt man nicht?“ „Man wünscht sich doch Ostern keine dicken Eier.“ „Warum denn nicht? Was wünscht man sich denn dann?“ „Frohe Ostern, viele Eier, schöne Ostertage, aber dicke Eier kann man auch anderweitig verstehen.“ Beim nächsten Anruf verabschiedete sich mein Vater dann mit „Vielen Dank und frohe Ostern.“

In diesem Sinne: Frohe Ostern und dicke Eier!

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s