Howdy Freunde!

Manchmal entdecke ich ganz neue Seiten an meinem Mann, obwohl wir jetzt schon fast 17 Jahre zusammen sind. Gestern kam mal wieder ein Paket mit der Post. In unserem Haushalt nichts Unübliches, da ich eine große Vorliebe fürs Online-Shopping habe und mich mit dem DHL-Mann ein fast schon freundschaftliches Verhältnis verbindet. Ich öffnete also das Paket, wunderte mich zuerst, was ich eigentlich schon wieder bestellt hatte, und beim Auspacken war ich dann komplett verwundert! Was war das? Eine hässliche Plastik-Schale in Schallplatten-Optik? Wer bestellt denn so etwas??? Kurz mal auf den Empfänger geguckt – gut, nicht ich, mein Mann! Ich war beruhigt, dass ich nicht einen Black-Out hatte und gedankenlos komische Dinge bestellte. Aber was war das? Ich wusste wirklich nicht, was ich in den Händen hielt. Da mein Mann sich herzlich wenig für Inneneinrichtung und Dekoration interessierte, konnte es eigentlich keine Schale sein. Ausgeschlafen wie immer recherchierte ich das Fundstück einfach kurzerhand im Internet. Das Ergebnis ließ mich noch mehr verzweifeln: eine Goldwaschpfanne! Was um alles in der Welt brauchen wir eine Goldwaschpfanne! Vielleicht war es ja ein Fehler, also schrieb ich meinem Mann kurzerhand, ob er ernsthaft eine Goldwaschpfanne bestellt hat. Fröhlich antwortete er: „Oh klasse, ist die schon da? Dann können wir die gleich am Wochenende ausprobieren.“ Ich stutze: „Was? Du hast also wirklich eine Goldwaschpfanne bestellt?“ „Na klar – das wird bestimmt ein großer Spaß.“ Da dämmerte es mir. Vor ein paar Tagen hatte er mir abends noch erzählt, dass es in der Isar Gold gibt. Ich hatte nicht so wirklich zugehört, denn Gold interessiert mich ehrlich gesagt nur in Form von schönen Ohrringen oder einer tollen Kette. Mein Mann schien meine fehlende Begeisterung durchs Telefon zu spüren: „Meinst du nicht, die Kinder finden das toll?“ Ich drückte ihm zumindest die Daumen, dass sie es besser finden würden als ich. Unsere 17 Monate alte Tochter kann wahrscheinlich noch nicht so viel damit anfangen, aber…Ich sehe unseren nächsten Ausflug schon vor meinem Auge: mein Mann – am besten noch mit einer wunderbar kleidsamen Anglerhose – in der Isar stehend und nach Gold suchend, während ich zwei gelangweilte Kinder bespaßen kann. Doch ich wollte dem größten Kind in diesem Haushalt seine Vorfreude nicht nehmen und sagte nur: „Das wird bestimmt toll.“ Ich war froh, dass er mein Gesicht in diesem Augenblick nicht sehen konnte! Jetzt warte ich nur noch auf den ersten Einsatz der wunderbaren Goldwaschpfanne und natürlich auch noch auf das Ergebnis, wenn wir mit Taschen voll Gold nach Hause kommen…Eins muss ich meinem Mann zumindest lassen: er schafft es nach all den Jahren immer noch, mich immer wieder zu überraschen!

Gibt dir das Leben Zitronen…

…oder eine anstrengende Familie, die ein Familientreffen plant, dann mach einfach das beste daraus oder trink Tequila. Am Sonntag war der große Tag gekommen – die Entscheidung für das Familientreffen musste fallen. Stadt oder Land? Kultur vs. Natur? Es wunderte mich wirklich, dass man bis zum frühen Nachmittag gar nichts mehr zu dem Thema hörte. Dann war es auch noch ausgerechnet meine Mutter, die dem Vorschlag mit einem Gemeinschafts-Schlafzimmer auf einer Alm zustimmte. Wichtig bei Familien-Whattsapp-Gruppen ist, dass man manche Beiträge wirklich liest. In dem Fall wurde die Information der Unterkunft beziehungsweise Aufteilung der Familien per Mail und nur die Information über die Mail per Whattsapp geschickt. Meine Mutter hatte nur leider beides nicht gelesen. Natürlich rief sie mich kurz danach an: „Jetzt ist hoffentlich Ruhe bei der Diskussion.“ „Ja! Hab mich aber gewundert, dass du auf einer Alm schlafen willst, mit allen zusammen in einem Raum.“ „Wie? Warum das denn? Das mache ich im Leben nicht.“ Ich klärte sie kurz auf und schon lief der Telefondraht heiß. Eins muss man meiner Mutter immer zugute halten – sie kann sich durchsetzen. Ein Gespräch mit meiner Tante reichte aus, um uns das Ergebnis, dass wir uns jetzt in München in einem Hotel treffen, mitzuteilen. Auch wenn die Berge toll sind und Natur Spaß macht, muss man einfach sagen, dass der logistische Aufwand für eine beziehungsweise zwei Übernachtungen in keinem Verhältnis steht. Knapp 80 Prozent der Familie hat einen Anfahrtsweg von über 600 Kilometern und da macht es doch einfach Sinn, wenn man ein Ziel wählt, was gut zu erreichen ist und man nicht noch Bettwäsche und Co mitschleppen muss. Ich konnte mich mit dem Ergebnis anfreunden, aber es war und ist natürlich noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Die Gegenseite, beziehungsweise die Familie meiner Tante, überlegt jetzt noch, ob wir das Familientreffen überhaupt stattfinden lassen. Sie wollen Natur und sind jetzt eben bockig. Ich dachte ja immer, dass das Treffen dafür ist, dass man sich mal wieder in großer Runde sieht und austauscht, aber was weiß ich denn…

Sollte das Treffen aber stattfinden und zwar wie geplant im Hotel, haben wir auch schon einmal den Samstagabend geplant. Zu meiner großen Freude sollen alle zu uns nach Hause kommen. München hat auch einfach nicht mehr zu bieten, als ein etwas chaotisches Quattrohaus, was jetzt nicht gerade vor Üppigkeit platzt, und wo sich zwei kleine Kinder und ein dementer Hund zurückziehen können, aber…Insgeheim hoffe ich, dass sich entweder jeder entspannt und man sich zwei nette Tage macht oder dass man das Treffen absagt. Es hätte doch alles so schön sein können, wären da nicht immer diese Befindlichkeiten. Und davon gibt es bei mir in der Familie – mich leider nicht ausgenommen – definitiv genug…

Schweigen ist…

Ich weiß nicht, wie andere Familien das machen, aber bei uns sorgt die Organisation eines Familientreffens für einen beinahe Nervenzusammenbruch – zumindest bei mir! Man muss dazu sagen, dass sich die Größe unserer gesamten Familie mit 14 Erwachsenen und drei Kindern echt in Grenzen hält, aber auch das reicht aus, um die Planung eines einfach Treffens dermaßen ausarten zu lassen.

Es begann alles mit der tollen Idee, eine WhattsApp-Familien-Gruppe zu gründen. Alle, die bislang noch nicht in so einen Genuss gekommen sind, tut es nicht!!!! Meine Mutter schrieb, dass es doch nett wäre, ein gemeinsames Wochenende in der Nähe von München zu verbringen und dazu zwei Terminvorschläge. Soweit alles harmlos und schnell einigten wir uns auf ein Wochenende im August. Also noch mehr als vier Monate Zeit zu planen – ich flippe aus. Wir wussten, wann das Wochenende stattfinden sollte und dass es in München sein sollte. Jeder schrieb, dass er sich freut und was man unternehmen könnte. Ich habe mich eigentlich mit meiner regen Beteiligung an dieser Gruppe zurückgehalten, doch dann tat ich es. Ein Fehler, den ich definitiv nur einmal machen werde. Und zwar schrieb ich, dass man doch die Umgebung nutzen und einen Ausflug in die Berge machen könnte. Mein großer Fehler – ich habe nicht TAGESAUSFLUG geschrieben! Bitte merkt euch – jede Familiengruppe ist schlimmer als die Abgabe einer Arbeit etc. Lest eure Texte sorgfältig durch und lasst niemals, aber wirklich niemals Raum für Spekulationen. Denn ab jetzt nimmt die Planung einen dramatischen Lauf!

Schnell waren alle begeistert: Berge und Natur sind so schön, tolle Idee, das machen wir! Am nächsten Tag wachte ich auf, schaltete mein Handy an und hatte gefühlt 250 neue Nachrichten. Da ahnte ich langsam Böses. Meine überaus motivierte Tante hatte sich schon sämtliche Bauernhöfe und Almen der Region angeguckt und drei zur Auswahl geschickt. Der Teil ihrer Familie war begeistert – der Teil meiner Familie eher nicht so. Schnell kristallisierte sich heraus, dass man zum einen keine Hunde mit auf die Höfe nehmen konnte und dass die meisten Sachen schon ausgebucht waren. Shit happens – also alles auf Anfang: München! Aber denkste – der Ruf nach Natur und Abenteuer in den Alpen war lauter. Kein Hotel, keine Standardunterkunft – Abenteuer und Wildnis stehen jetzt auf dem Programm. Ist ja an sich auch nicht verkehrt, aber kann sehr nervig sein. Meine Mutter versuchte das Ruder wieder rumzureißen und hatte in München ein nettes Hotel für alle in der Nähe aufgetan. Es dauerte zwar mindestens 1000 Nachrichten, aber es schien, der Vorschlag wurde akzeptiert. Es herrschte Ruhe und ich fing schon fast wieder an, mein Smartphone zu mögen, als ungeahnt wieder eine Nachricht meiner Tante in der Gruppe aufploppte. Es war der Hinweis, dass sie uns allen eine Mail geschickt hatte. Was schon mal bedeutete: viel Text! Sie hatte noch ein paar verschiedene Unterkünfte klar machen können und wir hätten jetzt alle die Möglichkeit, nahe der Alpen zu nächtigen oder gar zu zelten. Man muss dazu sagen, dass meine Familie noch nie zelten war und es wahrscheinlich in diesem Leben auch nicht mehr tun wird. Schnell äußerte sich jemand – natürlich aus meiner Familie – dass es doch blöd sei, wenn wir alle verstreut wären, und es doch besser wäre, man bleibt beim Hotel. Doch die Gegenseite ließ nicht lange auf einen Konter warten: Nieder mit Standardhotels – auf in das Abenteuer! Wir werden einen Kulisse eines Heimatfilms mit abenteuerlicher Note erleben, wenn wir uns für den Bauernhof entscheiden! Stadt und Standardhotels kennt man genug! Ich habe so langsam das Gefühl, dass wir auch noch einen Splatterfilm mit dramatischem Ende erleben könnten, wenn die Diskussion noch lange geführt wird…

Derzeit werden fröhlich Klarstellungen in der Gruppe verschickt. Ich warte noch auf Sternchentexte, Fußnoten und Rechtsbelehrungen. Die Frist läuft Sonntag ab, am Samstag kommt meine Mutter erst aus dem Urlaub zurück und ich weiß genau, wer sein Smartphone am Sonntag lieber auslässt!

 

Ach du dickes Ei…

Passend zu Ostern gibt es heute eine kleine, aber feine Anekdote mit meinem Vater. Mein Vater ist ein typischer Ostwestfale und kein Mann der großen Worte. Die Lieblingssätze von meinem Vater sind „Wenn es läuft, dann läuft es“ oder eben „Wenn es hapert, dann hapert’s“ – und das beschreibt ihn auch schon sehr gut. Da mein Vater beruflich sehr eingespannt ist und von Baustelle zu Baustelle fährt, nutzt er die Zeit im Auto oft zum Telefonieren. Es war April, mein Vater hatte mich von der Schule abgeholt und wir waren auf dem Heimweg. Wie sehr oft, telefonierte er. Es war auch nicht wirklich ungewöhnlich, nur als er sich mit „Reinhard und nicht vergessen: dicke Eier“ verabschiedete, musste ich kurz schlucken. Wir waren zwar in der Woche vor Ostern, aber wünschte man sich da ‚dicke Eier‘? Vielleicht war es auch nur ein Running Gag unter Kollegen? Immerhin war mein Vater in der Baubranche tätig, was sehr männerlastig war und ist, und vielleicht wünschte man sich so frohe Ostern.

Egal mit wem mein Vater telefonierte – Angestellte, Steuerberater, Anwalt oder Freunde – jedem wünschte er, dicke Eier! „Und Bodo, dann noch dicke Eier!“ „Jo, danke Horst, dir dann noch dickere Eier.“ Ich fand es etwas irgendwie obszön, aber anscheinend war ich damit alleine.

Der Geburtstag meines Vaters fiel in diesem Jahr auch noch auf Karfreitag. Natürlich stand an diesem Tag das Handy nicht still. Wir waren gerade zum Essen im Restaurant, als es wieder fiel. „Vielen Dank und dicke Eier.“ Meine Mutter – Deutschlehrerin – rümpfte die Nase und guckte meinen Vater streng an. Der schien sich keiner Schuld bewusst. Als er sich dann auch noch beim Kellner mit „Und dicke Eier zu Ostern“ verabschiedete, schritt meine Mutter ein. „Das sagt man doch nicht!“ Mein Vater war immer noch unwissend: „Was sagt man nicht?“ „Man wünscht sich doch Ostern keine dicken Eier.“ „Warum denn nicht? Was wünscht man sich denn dann?“ „Frohe Ostern, viele Eier, schöne Ostertage, aber dicke Eier kann man auch anderweitig verstehen.“ Beim nächsten Anruf verabschiedete sich mein Vater dann mit „Vielen Dank und frohe Ostern.“

In diesem Sinne: Frohe Ostern und dicke Eier!