Pünktlichkeit ist eine Tugend oder so was ähnliches…

Spontanität ist der Feind meiner Familie. Alles, aber wirklich alles, was nicht drei Tage vorher geplant und festgezurrt wird, könnte zu Herzrasen oder Schnappatmung führen. Das MUSS alles gut geplant sein. Wer also jemals plant, eine spontane Überraschungsparty zum Geburtstag eines meiner Familienmitglieder zu veranstalten, sollte davon ausgehen, dass es der letzte Geburtstag sein kann. Ich gestehe, dass ich mich davon auch nicht ganz freisprechen kann, aber je älter ich werde desto mehr nervt und stresst es mich.

Letzte Woche sind wir in den Urlaub in die alte Heimat gefahren und nach dem letzten Telefonat mit meiner Mutter wünschte ich mir, dass der Wecker morgens spontan nicht geklingelt und wir die Abfahrt verpasst hätten. Wir fuhren nur geschmeidige 700 Kilometer, aber die Ankunftszeit musste auch schon zwei Tage vorher bestätigt werden. Auch wenn wir planten gegen 4:30 Uhr zu starten, mussten wir um 11 Uhr da sein. Alles andere würde zu Chaos und Verderben führen. Also egal, ob Stau oder Pipipause – uns würde nichts aufhalten können, denn wir hatten einen Termin einzuhalten.

Natürlich steht kurz nach der Ankunft Essen auf dem Programm. Nicht, dass es einfach lecker schmecken, unkompliziert sein, satt machen und schnell gehen sollte. NNNEEEEIIIINNN – das wäre ja viel zu einfach. Mir persönlich ist es am wichtigsten, dass die Kinder was haben, was ihnen schmeckt, und sie satt werden. Wir essen einfach mit. Das ist mir total egal – erst recht, wenn ich um 4 Uhr aufgestanden bin und 700 Kilometer im Auto hinter mir habe. Anfänglich hieß es noch, dass es Nudeln mit Hackfleischbällchen geben würde. Prima – dachte ich – läuft. Zwischenzeitlich sollte dann mal alles mit Käsesauce übergossen und überbacken werden, was schon schwieriger wurde. Gemündet ist das Ganze dann aber in der Wahl zwischen Gulasch und Sauerbraten. Ich weiß nicht, wie es dort enden konnte und ich weiß auch nicht, was schlussendlich auf dem Teller liegen würde. Doch ich hatte auch andere Probleme, denn schließlich hatte ich die 11 Uhr einzuhalten, sonst wäre das mit dem Essen auch nichts geworden.

Schlussendlich gab es eine Art Nudelauflauf und Gulasch. Alle sind satt geworden und es hat geschmeckt. Und oh Wunder – wir waren auch um Punkt 11 Uhr da. Ich verschweige nur kurz, dass wir schon um 3 Uhr losgefahren sind, weil ich ab 2:30 Uhr nicht mehr schlafen konnte. Warum denn nur? Aber egal – es lagen jetzt ja Tage der Entspannung vor mir ohne Planen und Termine. Traumhafte Aussichten 😉

Heute ist morgen schon gestern

Laut Albert Einstein „ist Zeit das, was man von der Uhr abliest“, aber für meinen Sohn ist Zeit ein unbegrenzter Faktor oder auch ein unbekanntes Universum. Es stört ihn auch nicht, nichts darüber zu wissen. Für uns Eltern ist Zeit nicht nur ein rares Gut, sondern auch ein gefährlich….

Beide meiner Kinder freuen sich total, wenn Besuch kommt oder wir Wegfahren oder ähnliches. Die Tage bis dahin werden brav runtergezählt und sehnsüchtig erwartet. Problem ist nur, dass sie die Tage irgendwie anders zählen. „Wann fahren wir zu Oma und Opa?“ „Heut in einer Woche!“ „Also morgen?“ „Nein, heute ist Montag, du gehst die Woche noch fünfmal in den Kindergarten, dann kommt das Wochenende und dann fahren wir los. Insgesamt musst du noch siebenmal schlafen.“ Er guckt mich interessiert an. Dann kommt meine Tochter: „Ich habe gepackt. Wir können los.“ Natürlich hat sie nicht für den Kindergarten gepackt, sondern für die Fahrt zu Oma und Opa. Wieder erläutere ich ihr, dass es noch dauert. Und was werde ich seitdem jeden Morgen gefragt? „Fahren wir heute zu Oma und Opa?“ Jeden Abend werden auch die Taschen mit Spielsachen beladen, denn es könnte ja jederzeit spontan losgehen.

Doch nicht nur Reisen werfen ihre Schatten voraus. Es fängt auch schon im kleinen an. Als mein Sohn noch kleiner war, freute er sich sehr, dass am nächsten Tag sein Freund zu Besuch kommt. Da er zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich verstehen konnte, um wieviel Uhr das Treffen ungefähr stattfinden würde, machte ich einen entscheidenden Fehler und sagte: „Morgen nach dem Frühstück ist der Besuch da!“ 

Morgenstund hat nicht immer Gold im Mund….

Ich ahnte erst am nächsten Morgen um 5:30 Uhr, was ich angerichtet hatte, denn mein Sohn wollte schon frühstücken. Also saßen wir sonntags um 6 Uhr brav am Frühstückstisch. Um 6:05 Uhr stand mein Sohn auf und ging zu Tür. Er wollte gucken, ob der Besuch schon da ist. Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass der Besuch wahrscheinlich noch schläft und er sich noch etwas gedulden muss. Das ging natürlich gar nicht. Es war doch schon hell – wie konnte man denn dann nur schlafen? 

Die Euphorie ist zwar nach wie vor die gleiche, aber mittlerweile steht er nicht mehr früher auf. Es kann auch daran liegen, dass bei uns vieles nur noch ganz spontan passiert. Wie aus dem Nichts fällt mir plötzlich ein, dass in 30 Minuten ja der Besuch kommt. Nachdem wir das Zeitproblem jetzt schon galant gelöst haben, muss nur noch etwas mehr örtliche Orientierung her. Denn egal, ob zum Einkaufen, in den Zoo oder zum Schwimmen – wir fahren entweder immer nach Berlin oder an den Gardasee. Warum auch nicht…

Ja, habe ich denn heute Geburtstag???

Ach ja, eigentlich war gestern ein sehr guter Tag, bis ich meine Kinder vom Kindergarten abholte. Eigentlich nichts Besonderes, doch als die Tür aufging, fiel mir die Erzieherin um den Hals und wünschte mir alles, alles Gute. Ich verstand es nicht wirklich. Geburtstag hatte ich nicht, einen Grund zum Feiern auch nicht, bestach ich heute mit einer super positiven und ansteckenden Ausstrahlung? Eher nicht, denn danach kam die Frage: „Wann ist denn der Geburtstermin?“

Mir glitt alles aus dem Gesicht. Geburtstermin? Ich schaltete nicht so richtig. Nur weil ich vielleicht ein Corona-Bäuchlein bekommen hatte, war ich doch nicht schwanger. Und meine Schwangerschaftsstreifen stellte ich ja nicht zur Schau und diese waren ebenfalls kein Indiz für eine Schwangerschaft – also was war hier los? „Wir haben schon gewettet, wann es soweit ist und was es wird. Deine Kinder tippen auf einen Jungen.“ Aha, meine Kinder. In mir stiegt leichter Zorn auf. „Da muss ich wohl alle enttäuschen, denn es wird weder Junge noch Mädchen – ich bin nicht schwanger.“ Und die Ausführungen, dass ich kein drittes Kind wollte, ersparte ich mir an dieser Stelle.

Die Erzieherin guckte mich ganz verdutzt an: „Aber ihr habt doch schon das eine Zimmer ausgeräumt, so dass die zwei jetzt in einem Zimmer schlafen und das andere Zimmer für das Baby umgebaut wird.“ „Was? Wir haben gar nichts umgebaut. Es gibt kein Baby.“ Dann kamen meine zwei Kids fröhlich angelaufen. Ich war ja schon glücklich, dass sie mir nicht gleich den Bauch streicheln wollten. Im Auto fragte ich sie nur: „Was habt ihr denn da erzählt?“ „Warum?“, fragten beide unschuldig. „Ich bekomme kein Baby – wie kommt ihr darauf?“ Meine Tochter schrie nur: „Ich will aber ein Baby.“ „Ja, aber Mama will keins mehr.“ „Warum nicht?“, wollten beide dann wissen. „Das passt gerade nicht. Ich bin glücklich mit euch, ich will nicht noch mal schwanger sein.“ „Wir wollen aber ein Baby.“ „Bis ihr eigene Kinder haben werdet, dauert es noch.“ Schweigen im Walde.

Nicht alle guten Dinge sind drei….

Ich dachte, dass Thema wäre damit gegessen, aber nachmittags bekam ich eine Glückwunsch-Nachricht nach der anderen von anderen Müttern aus dem Kindergarten. Ich dachte echt, ich bin im falschen Film. „Ich dachte, ihr wolltet kein drittes Kind mehr?“ „Ist auch so, ich bin nicht schwanger.“ „Vielleicht wissen deine Kinder ja mehr als du ;)“. Ganz bestimmt nicht. Ich nahm meine Kinder noch einmal zur Seite und versuchte ihnen klarzumachen, dass sie nicht so etwas erzählen sollten, wenn es nicht stimmt. „Sagt bitte, dass Mama nicht schwanger ist und wir kein Baby bekommen.“ „Das ist doch doof“, protestierte mein Großer. „Dann sagen wir halt, dass das Baby schon da ist.“ Ich habe leichte Angst, was heute passiert, wenn ich die zwei abhole. Wahrscheinlich wartet ein großer Blumenstrauß zur Geburt auf mich und alle wollen den Nachwuchs sehen. Im nächsten Leben vielleicht… 

Ein ganz entspannter Abend…

Was für manche vielleicht wie eine schlimme Grenzerfahrung klingen mag, ist für Eltern eine alltägliche Situation: das entspannte Abendmahl. Nach einem aufregenden Tag im Kindergarten oder auch nach einem Tag in Corona-Quarantäne ist meist abends genau die richtige Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und zu verkünden. Auch meine Kinder nutzen die gemeinsame Mahlzeit meist, um sich mitzuteilen. Hierzu sei gesagt, dass sie mittags meist im Kindergarten essen, es also nichts mit der Uhrzeit zu tun hat.

Mein Sohn hat gerade die Angewohnheit, mich mit seinem Vorschulwissen zu beeindrucken. Was an meinen vielleicht manchmal fraglichen Lehrer-Qualitäten liegen könnte, über die ich schon vor einiger Zeit berichtet habe. Also nutzt er jetzt Buchstaben und Wörter, um sein Wissen unter Beweiß zu stellen. „A wie Apfel, D wie Dose und Toast fängt mit einem T an!“ Ich lächele und sage nur bewundernd: „Super, langsam läuft das mit den Buchstaben ja richtig super!“ Meine kleine Tochter will dem in nichts nachstehen: „Eva ist mit A.“ „Ganz genau, im Namen Eva kommt das A vor.“ „In Afrika aber auch,“ schreit mein Sohn dazwischen. „Und Sand,“ bringt sich meine Tochter wieder ins Gespräch. „Sand reimt sich auf Bank,“ hebt mein Sohn das Niveau an. „Ist eher ein Knüppelreim, aber es geht in die richtige Richtung.“ „Aber Bank reimt sich auf Schrank.“ „Das stimmt!“ „Und Wasser mit Wassermelone,“ erzählt meine Tochter. Ich lächele nur. 

Mein Sohn hat seine neue Passion gefunden und ist nicht zu stoppen: „Hund und Mund, cool und Stuhl, Bank und krank, Hose und Dose…“ Ich versuche das Reimemonster zu stoppen und frage einfach mal: „Was habt ihr denn heute im Kindergarten gemacht?“ Doch ich stoße auf Beton. „Traum und Raum, krass und nass…“ „Oder Regen und Regenschirm, oder Mama,“ fragt meine Tochter. „Das reimt sich nicht ganz, aber gehört auf jeden Fall zusammen. „Wal und Aal,“ reimt mein Sohn weiter. „Qual,“ unterbreche ich ihn. Er guckt mich nur fragend an und reimt munter weiter. „Qualle und….“ Er kommt ins Stocken, doch meine Tochter ist zur Stelle: „Kalle!“ Sie strahlt triumphierend. 

Ich kapituliere und ergebe mich den Wortschwallen. Ein Gespräch ist nicht mehr zu erwarten, also heißt es für mich: durchhalten! Am liebsten würde ich mir meine Air Pods in die Ohren stecken und die Geräuschkulisse etwas zu mindern, aber das käme wahrscheinlich komisch an. Daher habe ich eine echte Alternative gefunden, die auch noch figurfreundlich ist: Knäckebrot! Das laute Kauen sorgt dafür, dass ich am liebsten die Augen schließen und nur den Kaugeräuschen lauschen würde. Eine herrliche Abwechslung. Wichtig: man muss schon eine rustikale Sorte wählen, nichts irgendwie dünn und weniger knusprig. Seit dieser Erkenntnis halte ich es mit dem Wort Abendbrot sehr traditionell und die Schnitte hat Einzug in unser Wohnzimmer erhalten. 

Es kann alles so einfach sein – ist es aber nicht 😉

Bei Anruf Weltuntergang

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die, die du anrufst, wenn es dir schlecht geht, damit du dich danach besser fühlst, und die, die du nur anrufen kannst, wenn du richtig gut drauf bist.

Man muss ja nicht vor Optimismus strotzen, aber ich habe das Glück, dass ich sowohl im Familien- als auch im Freundeskreis ein paar Schwarzmaler habe, wo ich genau weiß: bei Anruf Weltuntergang.

Wenn das Telefon zweimal klingelt – Monstermäßig gute Gespräche

Doch es beschränkt sich nicht nur aufs Telefon. Auch WhattsApp steht bei meiner Familie hoch im Kurs und so manch einer hat noch nicht das Gespür, wie man solche Dienste nutzt und auch sich ausdrückt. So schrieb meine Mutter auf die Nachricht, dass wir unseren Hund nach 16 Jahren einschläfern mussten, nur „Glückwunsch“. Und auch die Nachricht, dass meine Oma verstorben ist, ging als Rundmail. 

Mein Vater hingegen ist ein großer Verfechter von Emoticons – allerdings ohne die Bedeutung zu kennen. Auf ungefähr jede Nachricht verschickt er ein „Rock On“-Zeichen 🤘 oder einen Bierkrug 🍺. Die Tücken der digitalen Kommunikation sind unergründlich, doch auch am Telefon wird man oft mit warmen Worten und ehrlicher Anteilnahme belohnt!

Meine Mutter meint, dass sie uns Kinder oft auf den schlimmsten Fall vorbereiten muss. So können wir dann nur positiv überrascht werden – allerdings kostet das sehr viel Energie und Kraft. Als es mit Corona losging, haben wir natürlich telefoniert. Bisweilen war es nur ein Virus für mich, der mich zwar nervte und einschränkte, aber meine Angst und Panik hielten sich in Grenzen. Auf die Frage, wie es uns geht, antwortete ich ganz automatisch: „gut. Alle sind gut drauf!“ Doch die Antworte und die Richtung, die dieses Gespräch zu nehmen drohte, kam prompt: „Noch!!!“ „Ja, ich glaube nicht, dass das für uns so viel ändern wird!“ „Natürlich! Die Kinder werden nach ein paar Wochen zu Hause durchdrehen. Das kann doch nicht lange gut gehen!“ „Mal gucken, wie lange der Zustand wirklich andauert. Zum Glück haben wir ja den Garten.“ Ich Naivchen, wie konnte ich denn nur das nächste Fass aufmachen: „Um Gottes Willen ja. Wie wollt ihr das denn alles finanzieren? Wie wollt ihr für die Raten für das Haus aufkommen? Mit der Miete kann man ja jetzt zum Glück aussetzen, aber ihr?“ Wir waren verloren – definitiv. Warum mussten wir uns auch ein Haus kaufen und nicht zur Miete wohnen. „Ja, aber wir können die Raten ja zahlen. Wir haben ja noch unsere Arbeit, nur ich etwas eingeschränkter wegen der Kinder und der Auftragslage.“ „Das ist doch erst der Anfang – das wird alles noch viel schlimmer.“ Alles klar, ich sah es ein. Wir waren verloren. Was ist schon Corona gegen dieses schwarze Loch, in dem wir lebten????

Doch nicht nur innerhalb der eigenen Familie, auch im Freundeskreis gibt es viele Zweifler, die den meinigen Lebensweg mit Argwohn beäugen und für die Zukunft eher so dunkelblau bis schwarz sehen. Ich weiß, dass es nicht immer so böse gemeint ist, wie es sich anhört. Aber ich kann nicht verbergen, dass es mich manchmal härter trifft als ich zugebe. Das Leben muss ja nicht immer eine rosarote Zuckerwattewolke sein und es gibt Situationen, in denen ich lieber etwas nettes als vielleicht etwas sehr Realistisches hören würde, aber eins ist sicher: Sollte die Welt mal untergehen, ich bin vorbereitet 😉

Diese Zeit im Jahr….

Ich glaube, als wir letztes Jahr umgezogen sind, war ein Gedanke von meinem Mann: endlich wieder freie Sicht durch alle Fenster. Ich gebe zu, dass ich nicht der größte Fensterputzer-Enthusiast bin, aber daran lag es nicht. Jedes Jahr im Frühjahr erwacht mein großer Feind, aber im Laufe der Zeit, habe ich gelernt, erfolgreich dagegen anzukämpfen.

Es sind keine Sonnenstrahlen, die die Dreckschicht auf der Fensterscheibe preisgeben, nein, mein Feind fliegt, ist klein, nervig und sticht: Mücken! Ich hasse Mücken! Alleine die Vorstellung von dem Sirren reicht schon, um mich nachts wach zu halten. Daher habe ich sämtliche Fenster verbarrikadiert und zwar mit Mückengittern. Alles nicht so schlimm, aber wie macht man das bei Dachfenstern? 

Im Kinderzimmer meiner kleinen Tochter war im alten Haus ein Dachfenster und es musste geschützt werden. Warum auf eine einfach Lösung setzen, wenn es auch kompliziert geht. Ein normales Gitter ging nicht, daher habe ich ein ganz tolles Mückennetz mit Reisverschluss gekauft. Es wurde quasi um die Dachfensterverkleidung angebracht und dank des Reisverschlusses konnte man die Hand durchstrecken, um das Fenster zu öffnen. Ein Traum für mich – optisch eher gewöhnungsbedürftig. Ein Kleinkind konnte definitiv damit leben.

Doch im neuen Haus gibt es zwei Dachfenster und zwar im Master Bedroom. Im Prinzip ist mein Mann selbst schuld, als er die neuen Dachfenster geordert hat – ohne integrierten Mückenschutz. Also war es wieder Zeit, um kreativ zu werden. Die erste Idee war noch etwas romantisch. Welches Mädchen träumt nicht von einem Himmelbett. Also bestellte ich ein großes Netz, dass wir über dem Bett aufhängten und unseren Schlafplatz zum Himmelbett mit integrierten Schutz gegen die kleinen, nervigen Biester machte. In der Theorie überzeugte diese Variante und es sah auch nur so semi-beschissen aus. Vielleicht war unsere Decke zu hoch, der Schutz nicht lang genug, aber so 100% ig haute es nicht hin. Und es war leider nicht von langer Dauer. In der ersten Nacht streckte mein Mann sein Bein beim Schlafen intuitiv aus dem Bett und bei der nächsten Drehung folgte ihm das Netz samt Harken. Wir fühlten uns mehr wie zwei Fische im Netz und damit fiel Variante eins durch und meine Mann war nicht nur aufgrund der nächtlichen Unruhe leicht genervt von mir.

Gegen mich haben Mücken keine Chance!

Die Lösung mit dem Reisverschluss war auch keine echte Alternative und nervte am Ende selbst mich, daher war es auch kein adäquater Weg. Mückenschutz nachzurüsten, kostet einiges, was ich mir in Zeiten von Corona lieber ersparen wollte. Also war Kreativität gefragt und die fabulöse Erfindung, dass Mückennetz wie eine Art Spannbettlaken an vier Harken um das Fenster herumzuspannen. So kann man es an einem Harken lösen und das Fenster ganz normal öffnen und schließen. Tolle Sache, gleich gekauft, installiert und was soll ich sagen??? Vielleicht habe ich mich etwas vermessen und aber so wirklich unter Spannung war das Netz nicht. Ich hätte mich vielleicht nicht ganz so auf mein Augenmaß verlassen sollen. Auf jeden Fall ziert jetzt zumindest eins der beiden Fenster ein etwas durchhängendes weißes, teil transparentes Mücken-Schutz-Bettlaken, welches dem Raum jetzt nicht wirklich ein stylisches Ambiente verleiht. Immerhin kommt so kein kleiner Quälgeist – also Mücken – mehr rein. Mein Mann war nicht begeistert, doch nachdem ich versprach, dass ich die andere, bereits erstandene Variante nicht aufhänge, war er etwas milder gestimmt.

Und wer sich jetzt denkt: Was stellt sich die Alte denn so an? Zur meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich als Kind allergisch auf Insektenstiche reagiert habe, was kein Spaß war. Und wer wie ich mit seiner besten Freundin mal zum Outlet-Shopping nach Holland gefahren ist und den vorher eine Mücke ins Augenlied gestochen hat, der weiß mein Leid zu teilen. Ich sah nicht nur aus wie Axel Schulz zu seinen besten Zeiten,  und das obwohl ich mich doch kampflos der Mücke ergeben hatte, sondern mein Augenlied erinnerte von Minute zu Minute immer mehr an eine frisch aufgespritzte Oberlippe. Ein Volumen und dass vollkommen natürlich und ohne Botox. Nicht, dass jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt….

Na, wie haben wir uns geschlagen?

Wahrscheinlich bin ich in der heutigen Zeit nicht mehr die einzige, die virtuelle Familientreffen hat. Nach dem das gemeinsame Beisammensein in diesem Jahr durch Corona nicht stattfinden konnten, trafen wir uns virtuell. Das stellte jeden vor eine andere Herausforderung. Der eine musste sich seit Tagen mal wieder etwas Ordentliches anziehen und sich nicht ganz so hängen lassen, wir mussten dafür sorgen, dass die Kinder gut mitspielten und dann war da ja noch die Technik…. 

Ich weiß, dass manche Generationen besser als andere damit umgehen können, aber meine Mutter und ihr Mann gehören eher zu der Sorte „Ich habe das Internet gelöscht“. Meine kleine Schwester und ich hatten immer gehofft, dass unsere Eltern niemals WhattsApp für sich entdecken, aber zu spät. Während unser Vater ein Freund der Emoticons ist und im Zweifelsfall zu allem ein Bierkrug oder das Rock On Emoji schickt, hat unsere Mutter gelernt, wie man Inhalte weiterleiten kann. Und täglich grüßt ein neues Youtube-Video. Wie gut, dass wir die Stumm-Funktion kennen.

Zu unserem virtuellen Familientreffen versammelten sich also alle verstreut auf der Welt vor ihren Laptops. Man sah Bilder von allen, nur bei meiner Mutter war der Bildschirm erst schwarz und danach sah man neben einem korpulenten Mann, auch einen netten Haaransatz am unteren Rande des Bildes. Sie hatten allerdings den Computer extra auf die Terrasse gestellt, damit wir möglichst viel vom Garten sehen konnten. Ich hoffe, dass es an dieser Stelle der Laptop und nicht der PC war. Da der Ton lief, kam man schnell ins Gespräch und wir genossen die blumige Aussicht. Nur mein Sohn war von den sprechenden Haaren irritiert und fragte vorsichtig, wer denn der Strohballen neben dem Dicken ist. Wir waren sehr froh, dass wir in diesem Moment das Mikrofon ausgeschaltet hatten. „Der Strohballen ist Oma und der Dicke ist Fritz.“ Mit diesem Wissen schien die Videokonferenz wieder mehr Spaß zu machen. Während der Dicke tolle Buchtipps gab, bewegte sich der Strohballen seicht im Wind. 

Video-Konferenz mit besonderen Anblicken…

Jeder Versuch die Bildschirmposition zu ändern, scheiterte, doch da man sich wohl selbst am liebsten reden hörte, schien es auch weder den Dicken noch den Strohballen zu interessieren. Sie hatten den Siegeszug in die Internet-Video-Konferenz angetreten und waren im neuen Zeitalter so was von mit links angekommen. Meine Schwester musste auch noch Manöverkritik abliefern, nachdem meine Mutter sie fragte, wie sie sich denn geschlagen haben. Es war keine Konferenz, es war eine Schlacht. Und der Gegenschlag erfolgt an ihrem Geburtstag, denn dann gibt es die nächste Schlacht via Internet und Video-Chat. Ich bin sehr gespannt, was wir diesmal zu sehen bekommen. Zwei sprechende Bauchnabel, im Takt des Sprechgesangs wippende Füße oder auch ein schöner Rücken könnte entzücken???

Akzeptiert oder resigniert?

Die aktuelle Situation rund um den unsichtbaren Feind macht wahrscheinlich jedem auf seine Art und Weise zu schaffen. Neben Existenzängsten fühlen sich viele sehr alleine oder haben eine ähnliche Situation wie ich, in der die Kinder um einen rumtoben, man nebenbei versucht Haushalt und Job noch unterzukriegen, und über jeden Moment der Ruhe glücklich ist.

Am Anfang habe ich mich wahnsinnig machen lassen. Jeder weiß, dass ich jetzt nicht zwingend zu den spontansten Leuten gehöre und da ich gerne plane und organisiere, macht mir die Ungewissheit, die Corona mit sich bringt, zu schaffen. Zum einen sind es Projekte, die wegbrechen und ich theoretisch neue Auftraggeber suchen müsste, dann sind da aber auch meine Kinder. Solange sie nicht in den Kindergarten gehen können, kann ich auch nicht wieder voll in meine Arbeit einsteigen.

Die ersten Wochen vergingen ein bisschen wie unter Schock. Man wusste nicht genau was kommt, hat seine Arbeit nach besten Wissen und Gewissen erledigt und versucht das Beste für die Kinder zu tun und nebenbei noch Haushalt und Co zu wuppen. Dann kam die zweite Phase, wo einem klar wurde, dass dieser Zustand nun länger andauern wird. Also versuchte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und einen Rhythmus einzuführen, der allen den Tag erleichterte und strukturierte. Aufträge wurden storniert und ich schwankte zwischen Resignation, Panik und Aktionismus.

Mittlerweile befinde ich mich gefühlt in Phase drei. Es läuft alles soweit und ist okay. Ich habe die Situation akzeptiert und kann sie nicht ändern. Ich versuche das Beste daraus zu machen und die Zeit für mich in irgendeiner Form zu nutzen. Vor Beginn diesen Jahres hatte ich den Entschluss gefasst, manche Projekte aus unterschiedlichen Gründen abzustoßen. Ich wollte mehr Zeit für mich und mal Distanz zu meinen Jobs bekommen. Quo vadis? Wo wollte ich zukünftig hin? Was ist das große Ziel? Diese Fragen haben sich ein Stück weit gelegt.

Auch wenn der jetzige Zustand von außen erzwungen wurde und nicht meine freie Entscheidung war, so muss ich nach acht Wochen Quarantäne sagen, dass ich ruhiger geworden bin. Ob ich resigniert oder es akzeptiert habe, weiß ich noch nicht wirklich. Momentan fühlt es sich eher wie Akzeptanz an, denn ich bin in gewisser Form zufrieden. Den Abstand, den ich immer wollte, habe ich bekommen, wenn auch in anderer Form. Natürlich kann man sich einreden, dass es nicht immer so weitergehen wird – beruflich gesehen. Als Freiberufler ist man Schwankungen unterlegen, wobei ich mich in den letzten Jahren immer steigern konnte. Dieses Jahr wird das nicht so sein und es ist okay für mich, wenn auch nicht leicht.

Natürlich bin ich die meiste Zeit des Tages auch mit meinen Kindern beschäftigt und auch, wenn ich manchmal schreien könnte, bin ich sehr dankbar für meine Familie. Gerade in den schwierigen Zeiten funktionieren wir. Meine Kinder machen gut mit und auch mit meinem Mann bin ich ein eingespieltes Team. Was vorher manchmal zu Auseinandersetzung führt, ist in Zeiten, in denen es darauf ankommt, kein Thema. Und ich bin gerne für meine Kinder da. Es ist mir wichtig, dass es ihnen gut geht und ich in dieser auch für sie schwierigen Zeit, das Beste für sie versuche zu machen. 

Und auch für meine Freunde bin ich dankbar. Der Kontakt ist anders, aber mit den wichtigsten Menschen immer da. Man bekommt auf einmal Wertschätzung auf andere Art und Weise. Sei es durch eine Faultier-Tasse oder eine Box voller Glücksmomente, die mich unerwartet erreicht und erhellt haben. Auch ein spontanes Telefonat mit meiner besten Freundin fühlt sich vertraut an, gibt einem eine gewisse Normalität zurück und tut so gut, was ich vorher manchmal vergessen habe und jetzt noch mehr wertschätze. Auch wenn ich in dieser Zeit nur zweimal Leute außerhalb meiner Familie mit dem gegebenen Mindestabstand getroffen habe, so war es beide Male wie ein Kurzurlaub und einfach sehr, sehr schön.

All das macht mich dankbar und auch zufrieden. Auch wenn die Welt nach Corona vielleicht nicht mehr so wird, wie sie war, haben wir die Chance das Wichtigste aus der Krise mitzunehmen.  

Should I stay or should I go?

Wie so oft im Leben merkt man erst nach einiger Zeit, dass man das ganz große Los gezogen hat – NOT. In diesem Fall sind leider die Kinder die Leidtragenden. Mittlerweile sind sie seit über acht Wochen zu Hause und sie schlagen sich gut. Doch wenn ich von anderen Eltern höre, dass der Kindergarten einen virtuellen Morgenkreis anbietet, Geschichten via Video vorgelesen werden oder den Kindern sogar zu Ostern ein Geschenk von ihrem Kindergarten vor die Tür gelegt bekommen haben, bin ich sehr froh, dass ich es weiß und nicht meine Kinder.

Es geht natürlich nicht ums Geld, sondern nur um die Kinder…

Viele werden in Zeiten von Corona sehr kreativ – zumindest die Unternehmer, die Angst um ihre Existenz haben und wirklich alles geben. Mein Sohn macht Taekwondo und spielt Fußball. Beide Anbieter haben wöchentliche Online-Trainings eingerichtet, bieten den Kindern Bastelanleitungen und geben sich große Mühe. Dort finde ich es nur selbstverständlich, dass man diese Firmen weiter unterstützt und diese Zeit zusammen durchsteht.

Genauso sehe ich das eigentlich beim Kindergarten. Unser Kindergarten kämpft nach Aussagen der Leitung, ums Überleben. Es hat sich nur nichts für sie geändert, außer dass sie nicht vor Ort sind und nichts leisten. Keine Kurzarbeit, kein Zwangsurlaub – nur keine Kinder. Auch die Aussage, dass das Team sehr kreativ mit dieser Zeit umgeht, ist für die betroffenen Eltern ein Hohn. Vielleicht dekorieren sie ihr zu Hause oder verwirklichen sich auch welche kreative Art und Weise auch immer, aber mit den Kindern oder den Umgang in dieser Zeit hat es definitiv nichts zu tun.

Für die Kleinen ist es schon schwer genug auf ihre Freunde zu verzichten und meine dreijährige Tochter weiß zwar, dass es Corona-Virus gibt, aber natürlich versteht sie es nicht. Daher hätte man sich als Eltern für seine Kinder einfach eine Unterstützung gewünscht, so dass zumindest versucht wird, Kontakt zu halten.

Bei uns kommt allerdings der große Kracher noch dazu. Neben den üblichen Gebühren, die sich bei zwei Kindern auf knapp 1000 Euro belaufen, war die Leitung so gütig, uns das Essensgeld zu erlassen. Wir haben daraufhin den Dauerauftrag entsprechend angepasst und leider nicht bemerkt, dass sich die Ausführung des Auftrages automatisch auf den nächsten Monat aktualisiert hat. Also haben wir in diesem Monat nicht rechtzeitig gezahlt. Gemerkt haben wir dies erst, als uns ein böser Brief ins Haus flatterte, in dem uns mit Sonderkündigung gedroht wurde, wenn wir nicht binnen zwei Werktagen den Betrag zahlen. So verfestigte sich der ohnehin schon sinkende Eindruck von dem Kindergarten erneut. Wenn man nach über drei Jahren regelmäßiger Zahlungen, die immer ausnahmelos pünktlich waren, einmal die Zahlung – aus welchen Gründen auch immer – nicht fristgerecht da ist, sollte man vielleicht das Gespräch suchen oder eine Mahnung schicken, aber sofort mit Kündigung zu drohen, zeigt schon deutlich, um was es bei diesem Kindergarten geht.

Auch wurde nie darüber informiert, welche Corona-Maßnahmen was für die Betreuung der Kinder bedeuten, doch als Markus Söder verkündete, dass die Eltern in Bayern die nächsten drei Monate keine Kindergarten-Gebühren zahlen müssen, wenn die Einrichtungen geschlossen bleiben, kam postwendend eine Email der Leitung. Diese Aussage wäre nicht konkret genug und wir müssten ungeachtet dessen weiterzahlen. Natürlich nur zum Wohle der Kinder….

ABC – die Mama ertränkt sich im See

In Zeiten von Corona fällt Vorschule im Kindergarten aus, also muss die Mutti ran. Meinem liebsten Online-Shop sei dank haben wir sämtliche Vorschulblöcke und Hefte. Nachdem er alles brav gekringelt, gemalt und gezählt hat, lernen wir nun Buchstaben und bilden erste Worte. Das Alphabet kann er – brav auswendig gelernt – runterbeten. Auch fällt ihm zu jedem Buchstaben ein Wort ein. Da es exakt immer eins ist, kam mir die leise Vermutung, dass er auch das auswendig gelernt hatte…

Vorschul-Verzweiflung am Morgen vertreibt bestimmt anderen Kummer oder Sorgen!

Also musste er mir zur Feier des Tages ein zweites Wort nennen. Wir starteten mit A und den abgebildeten Apfel konnte er mir auch noch nennen. „Fällt dir noch ein Wort ein, welches mit A beginnt?“ „Also, Tasse ist es nicht.“ „In Tasse ist auch ein A, aber wir wollen ja ein Wort finden, welches mit A beginnt. Vielleicht fällt dir ja ein Tier ein?“ „Bär vielleicht?“ Meine Halsader fängt schon leicht an zu zucken. 

Geduld zählt nicht zu meinen Stärken, aber ich gebe mir größte Mühe. „Nein, es soll A am Anfang haben. Das Tier lebt in den Bäumen.“ „Eichhörnchen,“ triumphiert er. „Wo hat das Wort Eichhörnchen denn ein A?“ Vielleicht liegt ihm ja die Welt der Tiere nicht. „Ein anderes Wort wäre zum Beispiel, die Dinger an Straßen, wo man mit dem Auto halten muss.“ „Parkplatz!“ Okay, ich gebe auf. „Gibt es irgendeinen Buchstaben im Alphabet, wo du mir ein Wort nennen kannst, das mit dem Buchstaben anfängt.“ „Ja, das T! Tasse oder auch Theo.“ Den Namen seines besten Freundes kann er – immerhin.

Motiviert und vorsichtig optimistisch versuche ich es weiter. „Und gibt es noch ein Wort mit T?“ „Bestimmt.“ „Fällt dir vielleicht eines ein?“ „Banane, aber das ist ja mit A.“ „Banane fängt mit B an, aber wir suchen ja ein Wort mit T. Worauf schießt du denn beim Fußball?“ „Ja den Ball.“ „Nein, dass meine ich nicht. Es fängt mit T an.“ „Fußball?“ Er guckt mich fragend an. „Ich meinte, das Tor. T-O-R.“ „Ach so.“ War anscheinend zu einfach. 

„Und wo machst du Pipi?“ „Klo!“ „Ja, an sich schon, nur ein anderes Wort und mit T.“ „Im Badezimmer?“ „Nein, Klo nennt man doch auch…“ „Scheißhaus!“ „Ich meinte Toilette.“ „Ach so.“ Meine Halsader zuckte und ich wurde leicht säuerlich. Es ist ein Segen für alle, dass ich niemals Lehrer werden wollte – ich wusste schon warum. Meine Kinder haben es dagegen nicht so leicht. Meine aufsteigende gute Laune schien auch meinen Sohn zu verunsichern. Schnell wollte er mich von seinem Können überzeugen: „Mit U fallen mir ganz viele Wörter ein. Uhr (natürlich brav ostwestfälisch U-A-H ausgesprochen).“ „Super und welche noch?“ „Uah-Opa oder Uah-Oma. Guck, da kenne ich schon drei Worte.“ Alle guten Dinge sind drei, denke ich mir, und verlasse mal kurz den Raum.